Newsletter 31/08/17: Bundesbank-Studie, Erster deutscher Fintech-Multimillionär

Die Vermessung der deutschen Bankenkrise

Gut 1500 kleine und mittelgroße deutsche Banken sind von der Bundesbank nach ihren Prognosen für die nächsten Jahren befragt worden. Die Ergebnisse sind so erwartbar wie alarmierend: Der Nullzins schlägt jetzt richtig zu, die Erträge geraten immer brutaler unter Druck. Wer einen Lichtblick erkennen will: Die befragten Institute (in erster Linie Sparkassen und Genobanken) rechnen über die nächsten fünf Jahre nur noch mit einem Gewinnrückgang von 16 Prozent – bei der identischen Umfrage vor zwei Jahren war von 25 Prozent die Rede gewesen. Was die Erträge stützen könnte? Die Gebühren, hoffen die Banken. Doch machen die Kunden das mit?

Linkliste zur Bundesbank-Studie:

  • Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick Finanz-Szene.de
  • Die Studie im Original PDF
  • Die erhellendste Grafik: Glaubt man der Studie, dann wird der Jahresüberschuss (gemessen an der Bilanzsumme) von 0,51 Prozent in 2016 lediglich auf 0,43 Prozent in 2021 sinken. Das gelingt aber nur, wenn der Provisionsüberschuss um 0,24 Punkte steigt … Barkow-Tweet
  • Bleiben die Zinsen niedrig, wird’s hart. Doch steigen sie schnell – dann wird’s für viele Kleinbanken noch härter. Süddeutsche
  • Kleiner Trost: Die Bundesbank gibt (ein bisschen) Entwarnung bei Immobilienkrediten. Dow Jones
  • Kaum jemand sah die Krise so früh kommen wie der Sparkassen-Experte Bernd Nolte. Was hat er heute zu sagen? SWR (Audio)

Exklusiv

Der erste deutsche Fintech-Multimillionär: Kreditech-Gründer Sebastian Diemer hat seine Anteile beim Einstieg des südafrikanischen Medienkonzerns Naspers komplett verkauft. Nach Berechnungen von Finanz-Szene.de dürfte er dabei – ganz grob kalkuliert – 7,5 Millionen Euro kassiert haben. Wenn wir uns nicht sehr täuschen, ist Diemer damit der erste deutsche Fintech-Multimillionär (wenn man die Exits bei Paläo-Fintechs wie 360T, Interhyp oder Sofortüberweisung mal großzügig ausklammert, war wir natürlich tun, wenn’s der These nützt). Was Diemer nun mit dem Geld vorhat, lesen Sie übrigens heute in der SZ. Finanz-Szene.de (so kommen wir auf die 7,5 Millionen), Süddeutsche (Diemer-Portät „L’adulte terrible“)

News

UBS verlegt Handelszentrum wohl nach Frankfurt: Laut „Bloomberg“ hat sich Bankchef Ermotti mehr oder weniger entschieden. Damit könnten rund 250 (weitere) Brexit-Banker in die Main-Metropole kommen. Yeah! Bloomberg

Sparkassen-Kahlschlag in Nordrhein-Westfalen: Wem die Bundesbank-Studie zu abstrakt ist – es geht auch anschaulicher: Im Sparkassengebiet Westfalen-Lippe könnte nach Verbandsangaben bis 2021 jede zweite (!) der knapp 1400 Filialen schließen. Rheinische Post

Apobank bekommt von Krise nichts mit: Die Apotheker- und Ärztebank expandiert fröhlich vor sich hin – und steigert die Kundenzahl in der Vermögensverwaltung mal eben um knapp zehn Prozent. Wohl dem, der diese Klientel hat (und keine andere). Fondsprofessionell

Wird die HSH zur „Good Bank“? Oh Wunder, oh Wunder. Kaum geht der Verkaufsprozess in die entscheidende Phase, bessern sich im hohen Norden die Zahlen. Laut „Handelsblatt“ soll das Neugeschäft im ersten Halbjahr um ein Fünftel gestiegen sein, der Gewinn mit 120 Mio. Euro deutlich besser als (angeblich) erwartet ausfallen. Handelsblatt (Paid)

NordLB profitiert vom starken Euro: Ob die norddeutschen Landesbanken aus dem Feiern überhaupt noch herauskommen? Die NordLB jedenfalls verkündet stolz, ihre Schiffskredite schneller abzubauen als geplant. Dabei kommt dem Institut der starke Euro zupass. Reuters, Börsenzeitung (Paid)

Beyond Banking

Wer den Euro nicht ehrt … : Nachdem uns vermeintlich treue Leser gestern mit Abokündigungen drohten, wollen wir heute nun doch noch zwei Links zum Thema Euro/Dollar setzen. 1.) BÖZ-Devisenexperte Stefan Schaaf über die tieferen Ursachen der „Europhorie“; 2.) ING-Diba-Chefvolkswirt Carsten Brzeski über die (fehlenden) Optionen der EZB, die Euro-Hausse zu stoppen. BÖZ (Paid), ING-Research

Peking erwägt Verbot von Krypto-Börsengängen: Den chinesischen Aufsehern wird die Sache mit den „Initial Coin Offerings“ offenbar zu blöd. Mal sehen, wann andere Länder folgen. Zerohedge

Aus der Szene

Ja, was denn nun? Letzte Woche lesen wir, dass der Brexit der Rhein-Main-Region 88.000 neue Jobs bescheren wird – und nun herrscht plötzlich Katzenjammer. Der Grund: Den Finanzplatz-Aktivisten von FrankfurtMainFinance dämmert, dass die Dinge zumindest in Sachen Clearing nicht ganz so gut stehen wie erhofft (jetzt, wo die Pariser Euronext doch weiter mit der Londoner LCH rummacht). Immerhin, im „Handelsblatt“ sprechen sich die Beteiligten heute Früh ein bisschen Mut zu. Hubertus Väth, Chef von MainFinance, sagt: „Frankreich hat mit dem Euronext-Deal gepunktet, aber das Spiel ist noch nicht gelaufen.“ Yeah.

Klickfavorit

…  war gestern unser Exklusivstück über die (angeblichen) Verluste beim Bankhaus Lampe. Finanz-Szene.de