Sieben (kritische) Fragen an das neue Mega-Fintech Smava

Von Heinz-Roger Dohms

Das Berliner Fintech Smava verkündet, eine Finanzierung über 65 Mio. Dollar eingeheimst zu haben – bleibt in der entsprechenden Pressemitteilung allerdings ein wenig im Ungefähren. Wir haben dem Kreditvergleich-Spezialisten darum sieben Fragen gestellt (die Antwort von Smava lesen Sie ganz unten).

Die Fragen an Smava:

1.) Sie sprechen von einer Funding-Runde in Höhe von 65 Mio. Dollar. Ist das alles Equity – oder haben Sie da womöglich auch Debt eingerechnet?

2.) Laut Handelsregister hat Smava seit Ende Dezember einen neuen Gesellschafter namens „Smart Rate Sarl“. Er hält 14,30 % der Anteile. In der Pressemitteilung war hingegen davon die Rede, dass eine Gesellschaft namens „Vitruvian Partners“ die Finanzierung angeführt habe. Reden wir hier von ein- und demselben Funding? Gehe ich Recht in der Annahme, dass „Vitruvian“ hinter der offenbar erst kürzlich gegründeten „Smart Rate Sarl“ steht?

3.) Ebenfalls im Handelsregister heißt es in Bezug auf die Kapitalerhöhung von Ende Dezember: „Durch Beschluss der Gesellschafterversammlung vom 27.11.2017 ist das Stammkapital um 802.139 EUR auf 5.273.421,00 EUR erhöht und der Gesellschaftsvertrag neu gefasst.“ Das neu hinzugewonnene Kapital macht demnach 15,2 Prozent am gesamten Kapital aus. Einmal angenommen, a) das Funding von Ende Dezember und Ihre Pressemitteilung von dieser Woche beziehen sich auf die gleiche Transaktion und b) die 65 Mio. Dollar waren, wie öffentlich wahrgenommen, tatsächlich komplett Equity – dann komme ich auf eine Post-Money-Bewertung von 428 Mio. Dollar. Ist diese Schlussfolgerung zulässig? Mir schiene das, mit Verlaub, sehr hoch zu sein.

4.) Falls der HR-Eintrag von Dezember und die PM von dieser Woche zwei unterschiedliche Sachverhalte betreffen (oder der Dezember-Deal nur einen Teil der jetzt kommunizierten Runde betrifft), könnten Sie das dann vielleicht alles ein bisschen aufdröseln für meine Leser?

5.) Sie schreiben in Ihrer PM, dass Smava mit dem frischen Geld in neue Marktsegmente expandieren will. Können Sie da noch etwas konkreter werden? Ich höre aus der Branche, dass Smava in Zukunft womöglich auch Kredite ohne Vergleich machen will (oder machen Sie das schon?), also jedenfalls tendenziell stärker Richtung Bank geht. Ist das richtig? Könnte das ein Indiz dafür sein, dass Sie beim Funding evtl. auch stärker Richtung Debt gehen?

6.) In der PM ist von einer Finanzierungsrunde „von Vitruvian mit Beteiligung weiterer Investoren wie Runa Capital“ die Rede. Laut Handelsregister haben Ende Dezember aber nur zwei Investoren Geld geben, nämlich „Smart Rate“ (=Vitruvian?) und eben Runa. Hieße das, dass sich die weiteren Investoren ebenfalls hinter „Smart Rate“ verbergen? Oder sind damit evtl. die Debt-Investoren (wenn denn auch Fremdkapital gefunded wurde) gemeint?

7.) Ihre Pressemitteilung von September war überschrieben: „10 Jahre Smava: Deutschlands erstes Fintech ist das größte Kreditportal“. In der jetzigen PM ist nur noch von „Smava, Deutschlands großes Kreditportal für Verbraucher“ die Rede. Hat da eine Verschiebung stattgefunden? Sind Sie jetzt auch gemäß ihren eigenen Zahlen nicht mehr der größte Anbieter? Oder ist das nur eine sprachliche Variation?

Die Antwort von Smava:

„Da wir ein privat gehaltenes Unternehmen sind, geben wir keine Informationen zur Finanzsituation des Unternehmens, außer zu bestimmten Anlässen wie Finanzierungsrunden. Hierzu bitten wir um Ihr Verständnis.“

Ein Gedanke zu „Sieben (kritische) Fragen an das neue Mega-Fintech Smava“

Kommentare sind geschlossen.