Vier Gründe, warum der neue DWS-Chef um seinen Job nicht zu beneiden ist

Von Heinz-Roger Dohms

Auf den Tag neun Monate ist es her, dass die Fassade der DWS zu bröckeln begann. Der Börsengang der Deutsche-Bank-Tochter ging damals in die heiße Phase, Journalisten und Investoren bekamen eine 132-seitige Präsentation vorgesetzt („DWS – Positioned for the Future“), die von der immensen Schlagkraft des Fondsdienstleisters zeugen sollte. Indes: Wer sich ein bisschen tiefer in das Dokument hineinlas, der entdeckte dort genau jene Probleme, die bald darauf zum missglückten IPO führten – und die nun, ein dreiviertel Jahr später, sogar im Rauswurf von CEO Nicolas Moreau münden: 1.) eine träge Geschäftsentwicklung; 2.) zu hohe Kosten; und 3.) eine riesige Baustelle namens US-Geschäft.  Eigentlich hatte man gedacht, dem Franzosen würden noch ein paar Monate Zeit eingeräumt, im das Blatt womöglich doch noch zu wenden. Indes: Nachdem der Abfluss von Kundengeldern auch in Q3 anhielt, zog die Deutsche Bank gestern die Notbremse.  Anstelle von Moreau rückt der altgediente DWS’ler Asoka Wöhrmann an die Spitze des Asset Managers. Hier vier Gründe, warum der gute Mann um seinen Job nicht zu beneiden ist:

1.) Die DWS ist weder Boutique noch Gigant

Die DWS ist keine Boutique wie Carmignac und kein Gigant wie Blackrock, sondern – ja, was eigentlich? Einerseits: ein Vollanbieter mit Hunderten von Fonds. Andererseits: ein gerade mal mittelgroßer Anbieter, von dem Kritiker sagen, er habe gar nicht die finanzielle und personelle Power, um diesem Sortiment gerecht zu werden. Was die Börse von dieser Positionierung hält, zeigte sich am missglückten IPO und an der Entwicklung, die die Aktie seither genommen hat.

2.) Aktiv oder passiv? Wenn es so einfach wäre …

Ihr Geld verdient die DWS nach wie vor mit aktiv gemanagten Fonds  (und mit den Aktivitäten der Spezialtochter Rreef). Viele Mitarbeiter ziehen hieraus die Schlussfolgerung: Wenn sich die DWS wieder stärker aufs Kerngeschäft besinnt, wird sie auch wieder an alte Erfolge anknüpfen. Mag sein, dass das so ist. Setzt aber voraus, dass die Kunden in fünf oder zehn Jahren immer noch bereit sind, für aktive Produkte deutlich mehr zu bezahlen als für passive. Wer umgekehrt die Zukunft im ETF-Bereich sieht, muss sich fragen lassen: Fehlt der DWS für dieses margendürre Geschäft nicht (siehe oben) schlicht die Größe?

3.) Die DWS hat nicht nur strategische Schwierigkeiten

… sondern leidet auch unter ein paar handfesten Problemen. Dazu zählt das desaströse Amerika-Geschäft, das – so sagen es interne Kritiker – eigentlich abgestoßen werden müsste. Dazu gehört aber auch die zuletzt enttäuschende Performance diverser Flagschiff-Fonds. Folge: Auch im Heimatmarkt, traditionell das Rückgrat der DWS, schwächeln in diesem Jahr die Geschäfte. Als Baustelle der Deutsche-Bank-Tochter gelten auch die im Konkurrenzvergleich hohen Kosten. Hier, immerhin, zeigte sich im dritten Quartal eine Tendenz zum Besseren.

4.) Die DWS agiert in einer sinnkriselnden Branche

Der Börsenkurs von Blackrock ist seit Jahresbeginn um rund 20% gefallen, der von Templeton um rund 30% und der von Amundi um fast 20%. Einerseits relativieren diese Kursverluste die spezifischen Probleme der DWS. Andererseits: Wenn selbst die Schwergewichte der Branche aufgrund von Margendruck, Regulierung und möglicher digitaler Konkurrenz unter Druck geraten – was soll das dann erst für einen Mittelklasseanbieter wie die DWS bedeuten?

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