Warum der MHB-Deal für Raisin ein Schnäppchen gewesen sein dürfte

Von Heinz-Roger Dohms

Dürfen wir noch mal zwei, drei Sätze zu den Hintergründen der Übernahme der Frankfurter MHB-Bank durch das Berliner Finanz-Startup Raisin („Weltsparen“) loswerden? Ja? Wir dürfen? Prima!

Also, das war zwar eine schöne Geschichte, wie sie gestern in diversen Medien zu lesen war, also dass sich Raisin zunächst 100 Mio. Euro von Investoren besorgt und sich von dem Geld dann eine Bank kauft. Bloß: So richtig stimmen tut sie nicht. Denn der Deal stand unseren Informationen zufolge schon seit vielen, vielen Monaten mehr oder weniger fest, also lange vor der monströsen Funding-Runde.

Beweis? Können wir keinen liefern. Aber einen lustigen Beleg haben wir: Schauen Sie sich mal hier das Linkedin-Profil des „Head of Banking“ von Raisin an. Der firmiert schon seit fast einem Jahr in Personalunion auch als „Head of Strategy“ der MHB-Bank. So eine Konstellation hat es seit österreichisch-ungarischen K.u.K.-Zeiten nicht mehr gegeben.

Dann waren wir mal im Bundesanzeiger, um zu gucken, was die MHB-Bank denn eigentlich für einen Track-Record hat. Der aktuellste öffentlich einsehbare Geschäftsbericht ist der von 2016. Und liest man den mal durch, beschleicht einen eher nicht das Gefühl, man habe es mit der Whitelabel-Powerbank schlechthin da draußen zu tun:

  • Die Erträge summierten sich auf gerade mal auf 4,8 Mio. Euro
  • Davon waren gut ein Drittel „Erträge aus Verlustübernahme“ (diese Verlustübernahme leistete die Alleinaktionärin, nämlich ein in Delaware ansässiger Fonds, der zum US-Investor Lone Star gehört)
  • Der Bilanzverlust summierte sich auf gut 11 Mio. Euro
  • Das bisschen Provisionsergebnis, das es überhaupt gab (nämlich gut 3 Mio. Euro), wurde ganz wesentlich „durch die Aktivitäten von Lone Star und seinen Gesellschaften bestimmt“

Das verlangt nach einer Erklärung: Es scheint so, als habe es sich bei der MHB-Bank bis vor ein, zwei Jahren weniger um eine Whitelabel-Bank als um eine Zweckgesellschaft von Lone Star gehandelt. Es gab zwar seit 2013 den Kunden Raisin. Aber sonst nicht viel. Die ganzen Fintechs, von denen es gestern hieß, sie würden sich auf die MHB-Bank stützen (also etwa Exporo oder Creditshelf), haben offenbar erst 2017/2018 bei dem Frankfurter Institut angedockt.

Tatsächlich ist die Sache wohl so: In den zurückliegenden 12 bis 24 Monaten hat sich die MHB-Bank peu à peu de-lonestarisiert. Und wie es aussieht, geschah das zumindest im zurückliegenden dreiviertel Jahr bereits unter einer k.u.k.-esken Ägide von Raisin.

Was das alles für den Kaufpreis heißt, den das Berliner Fintech an Lone Star überwiesen hat? Na, allzu hoch wird der nicht gewesen sein, würden wir vermuten.

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