Warum Instant Payment im KMU-Geschäft vielleicht doch Sinn machen könnte

Von Heinz-Roger Dohms

Kaum starten die Banken mit Instant Payments, erklären die ersten Fintech-Blogger (namentlich: Maik Klotz und Tobias Baumgarten) den neuen Service auch schon für gescheitert. „Finanz-Szene.de“ fragte darum die Leser: Ist das wirklich so? Oder werden sich mit der Zeit nicht doch ein paar Anwendungsfälle für Echtgeld-Überweisungen herausschälen? Wenn schon nicht im Retail-, dann ja vielleicht wenigstens im Firmenkunden-geschäft? Unsere erreichten eine Reihe spannender Antworten, von denen wir die folgende veröffentlichen wollen (übrigens anonym, weil der Autor bei einem bekannten deutschen Finanzdienstleister in nicht ganz subaltener Position arbeitet und wir uns die in solchen Fällen gern mal sehr, sehr umständliche Abstimmung mit der PR-Abteilung sparen wollen):

„Aus meiner Erinnerung ist das Instant Payment aus der Regulatorik (PSD/SEPA) heraus geboren. Anlass/Ursache waren die unterschiedlichen Zahlungswege und damit auch Wertstellungstage im Überweisungsverkehr. SEPA regelt erstmalig verbindliche Durchlaufzeiten, die EU hätte gern weniger gehabt. Vermutlich wurde Instant Payment damals als Fernziel versprochen, um Zeit zu gewinnen. Siehe hierzu auch den diesen Link hier.

Anwendungsfälle sehe ich in der Tat eher im Firmenkundengeschäft; Retailkunden zahlen stattdessen einfach mit Karte (physisch oder digital). Im Firmenkundengeschäft findet das Instant Payment einen Platz zwischen regulärem Überweisungsverkehr (die meisten Unternehmen sind nicht unglücklich, wenn sie Zahlungsziele haben…), Dokumentärem Geschäft (z.B. Dokumenten Inkassi) und Barverkehr. Die Nutzung dürfte sich in klassischen Geld-gegen-Ware-Situationen ergeben (Großmärkte für gewerbliche Kunden, manche Warenlieferungen oder Dienstleistungen). Statt Barzahlung, Lastschrift oder regüläre Überweisung kommt dann eben Instant Payment zum Einsatz.

Das Hauptkannibalisierungsopfer müssten die Barzahler sein (die bisher z.B. aus Bonitätsgründen kein Zahlungsziel bekommen). Vermutlich bleibt es maximal ein Nischenprodukt. Ich kann mir gegenwärtig nicht vorstellen, dass es der Marktstandard wird. Denn dann gäbe es ja kaum mehr Forderungen oder Verbindlichkeiten aus Lieferung- und Leistung. Die großen Konzerne, die genügend Liquidität haben, mögen versucht sein, Ihren Lieferanten Instant Payment im Gegenzug für bessere Preise anzubieten – ich glaube aber nicht, dass diese realistischerweise schnell genug mit Warenannahme, Qualitätskontrolle, Einlagerung und den anderen Prozessen sind, als dass sie wirklich „instant“ leisten würden. Dies wäre also vermutlich eine saure Zitrone für Lieferanten, die sich darauf einlassen.“