Wie die FAZ auf die Idee kommt, dass deutsche Fintechs im vergangenen Jahr 1,21 Mrd. Dollar eingesammelt haben

Von Heinz-Roger Dohms

Wenn Sie heute Morgen die FAZ, Seite 27, aufschlagen, dann wird Ihnen die Hammer-Nachricht begegnen, dass deutsche Fintechs im vergangenen Jahr unfassbare 1,21 Milliarden Dollar „eingesammelt“ hätten (was mal eben eine Steigerung von 166 Prozent im Vergleich zu 2016 bedeute, so die Kollegen). Nun liegt uns nichts ferner, als der altehrwürdigen FAZ irgendwelche Ratschläge zu erteilen. Als devote Leser allerdings hätten wir uns dann doch eine Erläuterung gewünscht, wie die irre Zahl zustandekommt.

Was also tun? Zunächst mal haben wir uns durch die KPMG-Studie „The Pulse of Fintech“ gescrollt, die der FAZ-Meldung offenbar zugrundeliegt. Mit dem Ergebnis, dass sich auch dort keine Erklärung fand (es sei denn, wir haben sie übersehen). Weil es zu spät war,  bei KPMG anzurufen, haben wir uns dann ein paar ältere KPMG-Studien angesehen – und sind in jener für das dritte Quartal 2017 auf den Hinweis gestoßen, dass, wenn wir es richtig verstehen, der Verkauf des bankeneigenen Acquirers Concardis an Bain und Advent mitgezählt wurde.

Nun handelt es sich bei Concardis um ein Unternehmen, dessen Wurzeln laut „Wikipedia“ in eine Zeit zurückreichen, in der deutsche Fußball-Nationalspieler Kosenamen wie „schöner Hansi“ trugen – aber warum, bitteschön, soll es damals noch keine Fintechs gegeben haben? Es gibt ja auch heutzutage noch schöne Hansis! Bleibt allerdings eine Frage: Wenn Deutschlands Banken einen Jahrzehnte alten Acquirer an zwei PE-Investoren verkaufen – warum haben deutsche Fintechs dann Geld „eingesammelt“?