Exklusiv: Verivox schluckt Outbank – und will jetzt Fintechs und Banken attackieren

Von Heinz-Roger Dohms

Das bislang vor allem für seine Strom- und Kreditvergleiche bekannte Internetportal Verivox bläst zum Angriff auf Banken und Fintechs. Nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ hat das Heidelberger Unternehmen das  Finanz-Startup Outbank übernommen, das kürzlich in die Insolvenz gerutscht war. Nur die Zustimmung der Gläubigerversammlung steht noch aus, ansonsten ist die Transaktion perfekt. Eine Sprecherin von Verivox wollte sich zu den Informationen nicht äußern.

Die  Idee hinter dem Deal: Mithilfe des Multibanking-Tools von Outbank kann Verivox nicht mehr nur Preisvergleiche anbieten, sondern für die Kunden eine Art digitaler Finanzassistent werden.  In eine ähnliche Richtung dürfte auch die bereits am Freitag von Verivox verkündete Übernahme des Vertragsmanagers Aboalarm zielen.  Aboalarm ist darauf spezialisiert, Girokonten auf überteuerte Verträge zu scannen und die Kunden dann bei der Kündigung zu unterstützen.

Was den Kaufpreis angeht, dürfte der Outbank-Kauf wenig spektakulär sein, von einem hohen sechsstelligen oder allenfalls niedrigen siebenstelligen Betrag ist im Umfeld der Unternehmen die Rede.  Trotzdem ist die Transaktion aus Branchensicht wegweisend. Denn immer klarer wird nun, dass sich die beiden großen deutschen Vergleichsportale- Verivox ist die Nummer zwei hinter dem Marktführer Check24 – mit ihren Dienstleistungen in Zukunft an die Schnittstelle von Banken und Fintechs setzen wollen.

Schon im Mai hatte Check24-Geschäftsführer Christoph Röttele in einem Interview mit „Capital“ vollmundig angekündigt: „Wir gehen jetzt genau in die Segmente hinein, die momentan noch von Fintechs besetzt sind.“ Zu den entsprechenden Tools, die Check24 in den letzten Monaten gelauncht hat, gehören ein digitaler Versicherungsordner (gegen den Frankfurter Insurtech Clark gerichtet), ein Einlagenvermittler (gegen das Berliner Fintech Weltsparen gerichtet) und ein Multibank-Tool, wie es sich auch Verivox nun mit der Outbank-Technologie gesichert hat.

Für manches Finanz-Startup könnten die beiden Vergleichsriesen damit  zu übermächtigen Konkurrenten werden. Und die Banken (und Versicherer) wiederum laufen Gefahr, dass Verivox und Check24 nicht nur noch tiefer in ihre Wertschöpfungskette eindringen – sondern dass sie sich über den bloßen Preisvergleich hinaus als primäre Anlaufstelle für den Kunden etablieren.

Exklusiv: Banken halten Ausschau nach Paydirekt-Retter

Von Heinz-Roger Dohms

Deutschlands Banken halten Ausschau nach einem neuen (bzw. weiteren) Chef für ihren Zahlungsdienstleister Paydirekt. Das hat „Finanz-Szene.de“ aus Branchenkreisen erfahren. Bei ersten Kandidaten sei bereits vorgefühlt worden – wobei tendenziell eher nach Experten aus den Bereichen Payment Service Provider bzw. Online-Payment gesucht werde als nach Managern mit Banken-Hintergrund.

Unklar ist, ob es darum geht, die aktuelle Führung abzulösen oder lediglich zu ergänzen. Hierzu gebe es innerhalb des Bankenkonsortiums unterschiedliche Vorstellungen, heißt es. Anfang letzter Woche hatte Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon überraschend das aktuelle Management angezählt („Paydirekt ist bisher kein Erfolg, wir müssen bitteres Lehrgeld zahlen“).

Da wusste freilich noch niemand, dass Fahrenschon nur einen Tag später ebenfalls angezählt sein würde. Übrigens: Laut „Handelsblatt“ sind die Pläne für das Mega-Funding für Paydirekt (wir berichteten neulich exklusiv) nun zumindest bei den Sparkassen  offizielle Beschlusslage.

Kommentar: Die Karikatur einer Banken-Lobby

Von Heinz-Roger Dohms

„Cool“ sei er ja, der Georg Fahrenschon – so kommentierte die „Börsenzeitung“ am Wochenende die Tatsache, dass der Sparkassen-Präsident trotz seiner jüngsten Steueraffäre am Freitag bei einer Veranstaltung in Frankfurt als Redner auftrat. Cool? Vielleicht. Aber auch klug? Bezeichnend jedenfalls war, welchen (unfreiwillig?) witzigen nachrichtlichen Kern ebenfalls die „Börsenzeitung“ aus Fahrenschons Auftritt extrahierte: „Sparkassen drohen neuem Bundestag.“

Sparkassen drohten Bundestag? Hihi. Ebenjene Sparkassen, deren höchster Repräsentant jahrelang seine Steuern nur unzureichend abführte? Jene Sparkassen, deren Landesbanken bei Cum-Cum/Cum-Ex munter mitmischten? Und apropos Cum-Ex: Auch das war ja am Freitag wieder mal ein großes Thema, diesmal allerdings im Zusammenhang mit einer der großen Privatbanken (siehe oben). Dazu passte dann wiederum, dass ebenfalls am Freitag im „Handelsblatt“ noch mal schön durchgekaut wurde, wie sich der der private Bankenverband BdB derzeit selbst zerlegt.

So viel also zum Zustand der deutschen Bankenlobby im Herbst 2017. Und nun die Preisfrage: Welches Drohpotenzial, bitteschön, hat auf einer Skala von 1 bis 10 die einst mächtige Bankenlobby momentan gegenüber den  Volksvertretern?