22/11/19: Brickvest, Bundesbank, Creditshelf, Wirecard, Helaba, IKB

22. November 2019

Brickvest steht unter Insolvenzverwaltung: Die deutsche-britische Immobilien-Investmentplattform, an der die Aareal-Bank und die Sparkassen-Tochter Berlin Hyp beteiligt sind, hat für verschiedene Konzerngesellschaften in Großbritannien Insolvenz angemeldet, berichtet die „Immobilienzeitung“. Ursächlich für den Absturz seien Probleme mit dem 2018er-Jahresabschluss. Brickvest wurde seit der Gründung 2015 mit einem insgesamt zweistelligen Millionenbetrag gefundet. Die Aareal hielt ausweislich einer im britischen Handelsregister einsehbaren Shareholder-Liste zuletzt 2860 Anteile, die Berlin Hyp sogar 4317; per Ende 2018 hatte der relative Anteil der Sparkassen-Tochter 6% betragen.Geschäftsmodell von Brickvest ist der Aufbau eines digitalen Immobilien-Marktplatzes für Transaktionen und Finanzierungen aller Art. Die Website ist noch live und nach Angaben des Insolvenzverwalters zunächst nicht betroffen. Immobilien-Zeitung, Altfi (Hintergründe)

Moody’s senkt den Rating-Ausblick für Deutschlands Banken (irrtümlich?) von „stabil“ auf „negativ„. Warum „irrtümlich“? Na, haben Sie sich mal die Mühe gemacht, den 29 Seiten starken Bericht wirklich zu lesen? Weil: Das liest sich sooo dramatisch dann doch nicht. Die Qualität der ausgereichten Kredite? Okay. Die Kapitalausstattung? Völlig in Ordnung. Funding und Liquidität? Stabil. Unterstützung durch die Regierung? Im Zweifel gegeben. Als explizit „negativ“ bewertet Moody’s eigentlich nur das Marktumfeld und daraus resultierend die Profitabilität (wobei uns natürlich bewusst ist, dass es sich beim Marktumfeld und bei der Profitabilität um keine vernachlässigbaren Größen handelt). Interessant übrigens, wie Moody’s in puncto „Marktumfeld“ argumentiert: Bei unverändert niedrigen Zinsen werde es die kommenden Monate immer schwieriger, die Zinserträge zu verteidigen. Zugleich fordere aber das (unter anderem von Fintechs forcierte) technologische Innovationstempo fortlaufende Investitionen. Doch wie soll man die finanzieren, wenn nicht aus Erträgen? Moody’s (Mitteilung)

Finanz-Szene.de hebt den Ausblick für Deutschlands Banken auf „beinahe stabil“. Warum? Na, erstens auf Basis des Moody’s-Reports. Und zweitens auf Basis des ebenfalls gestern veröffentlichen Finanzstabilitäts-Berichts der Bundesbank. Dem nämlich fällt zur Lage der Banken – zugespitzt und sinngemäß formuliert – eigentlich nur ein, dass die Margen dünn sind, dass in der Konzentration aufs Immo-Geschäft ein Risiko liegt und dass ein konjunktureller Abschwung irgendwie doof wäre. Stimmt natürlich alles. Und ist auch alles nicht schön. Bloß – man hat schon Schlimmeres gelesen. Buba-Bericht

Bekanntermaßen tun sich die Fintechs im Kreditgeschäft bislang schwer – siehe die Entzauberung von Lending Club in den USA (Aktie 92% unter Höchstkurs) und Funding Circle in UK (Aktie 77% Höchstkurs). Und in Deutschland? Kam beim größten Kredit-Marktplatz für KMUs, nämlich bei Funding Circle Deutschland, das Wachstum im ersten Halbjahr abrupt zum Erliegen. Und gestern nun: Hat Verfolger Creditshelf seine Umsatzprognose fürs laufende Jahr drastisch eingedampft. Was ist da los? Finanz-Szene.de

Stück für Stück arbeitet sich Paypal (auch) hierzulande ins Bankgeschäft vor. Siehe das vor einem Jahr geschlossen Point-of-Sale-Bündnis mit Google Pay und Mastercard; oder siehe den „Paypal Businesskredit“, den der US-Gigant hiesigen Online-Händlern seit einigen Monaten zur Verfügung stellt. Jedenfalls: Gestern nun der nächste Nadelstich. Da nämlich verkündete Paypal den Launch einer „Business Debitcard“, mit der die eigenen Geschäftskunden künftig an der Ladenkasse bezahlen können. Der Clou dabei: Die Karte wird nicht vom Bankkonto gedeckt – sondern vom Paypal-Konto. Wie schon bei der „Triple Alliance“ mit Mastercard und Google Pay wird die Hausbank des Nutzers auch hier umgangen. Heise

Will Wirecard seinem niederländischen Rivalen Adyen (siehe unsere große Wirecard-vs.-Adyen-Analyse aus dem vergangenen Jahr) dessen Edelkunden Uber ausspannen? So schreibt’s zumindest das „Manager Magazin“ in seiner aktuellen Ausgabe. O-Ton: Der US-Taxi-Dienst „liebäugele mit einem Wechsel“ zu den Aschheimern. Am Abend dann allerdings prompt das Dementi: „Wir befinden uns in keinen Gesprächen mit Wirecard bezüglich des Acquiring-Geschäfts“, sagte eine Uber-Sprecherin zu „Reuters“. Manager Magazin (Paywall)Reuters

Kurzmeldungen

Die Helaba hat im dritten Quartal 349 Mio. Euro vor Steuern verdient und die Prognose fürs Gesamtjahr leicht zurückgefahren. Begründung: Aufwendungen für den Personalabbau (Helaba-Präsentation) +++ Bayerns Ministerpräsident Söder fordert einen steuerlichen Ausgleich für Negativzinsen, die Sparer bei Banken bezahlen (PNP) +++ Die EZB überlegt, die Hürden für Bankenfusionen zu senken – etwa, indem die Kapitalanforderungen gelockert werden (Reuters/Businessinsider) +++  Laut einer von der europäischen Banken-Lobby in Auftrag gegebenen Studie droht Europas Banken durch „Basel IV“ eine zusätzliche Eigenkapitalbelastung von 400 Mrd. Euro. (Euronews) +++ Die IKB hat (wie auch immer sie das gemacht haben mag) ganz gute Halbjahreszahlen vorgelegt (Mitteilung)

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing