Analyse: Das Ertragsdrama im Firmenkunden-Geschäft der Commerzbank

Von Heinz-Roger Dohms

„Wir liefern, was unsere Strategie auszeichnet: Wir wachsen in unserem Kerngeschäft mit Privat- und Firmenkunden und digitalisieren unser Geschäftsmodell.“

So lautete die Kernbotschaft, die Vorstandschef Martin Zielke gestern bei der Vorstellung der Q1-Zahlen an die Investoren aussandte. Nun stimmt das mit dem Wachstum im Privatkundengeschäft tatsächlich – genauso, wie es richtig ist, dass die Commerzbank gerade ihre Geschäftsmodell digitalisiert (wer tut das nicht?). Was allerdings das Wachstum des Firmenkundengeschäfts angeht, sollte sich Herr Zielke mal folgende Grafik anschauen:

(Anm.: Die Zahlen verstehen sich in Mio. Euro)

Die Grafik bildet die Ertragsentwicklung im Firmenkunden-Geschäft seit Anfang 2016 ab. In den fünf Dreimonats-Perioden zwischen Q1 2016 und Q1 2017 waren die Erlöse nie niedriger als 1.086 Mio. Euro (wobei es in Q1 2017 einen Sondereffekt in Höhe von 32 Mio. Euro gab, ohne den der Ertrag nicht 1.100 Mio. Euro, sondern „nur“ 1.068 Mio. Euro betragen hätte); seit dem Q2 2017 indes kommen die Erträge nicht mehr über 966 Mio. Euro hinaus.

Natürlich lässt sich diese Ertragserosion zum Teil auf den sinkenden Zinsüberschuss und also auf das allgemein magere Zinsniveau zurückführen …

(Anmerkungen.: 1. In früheren Quartalspräsentationen wurde der Zinsüberschuss nicht ausgewiesen, so dass wir uns hier auf die Angaben zu Q1 2017 bis Q1 2018 beschränken. 2. Zudem ist der Rückgang von Q4 2017 nach Q1 2018 weniger dramatisch als es die Grafik vermuten lässt, weil das Minus z.T. bilanztechnische Gründe hat)

… allerdings: Auch die Provisionserträge bröckeln, was darauf hindeutet, dass die Commerzbank das Kreditgeschäft nur bedingt via Cross-Selling in Provisionsgeschäft zu überführen weiß bzw. dass ihre Preismacht begrenzt ist (was angesichts des Konkurrenzdrucks im deutschen Markt allerdings auch nicht verwundert). Hier die Entwicklung des Provisionsüberschusses im Firmenkunden-Geschäft seit Q1 2016:

Was dabei besonders zu bedenken geben sollte: Selbst in jenem Segment, in dem die Commerzbank die Marktführerschaft für sich reklamiert, nämlich bei den mittelständischen Unternehmenskunden, sind die Erträge seit 2016 grob gesagt um rund 15 Prozent eingebrochen:

Man kann die Dinge nun drehen und wenden, wie man will – unter der Ertragserosion leiden letztlich alle wesentlichen Kennziffern des Firmenkunden-Geschäfts der Commerzbank:

  • Das operative Ergebnis, das in den vier Quartalen 2016 im Schnitt noch bei 322 Mio. Euro gelegen hatte, betrug in Q1 2017 nur noch 145 Mio. Euro  …
  • … und das wohlgemerkt trotz einer Risikovorsorge von nur mehr 23 Mio. Euro …
  • … und obwohl der Umfang der Non-Performing-Loans im Firmenkunden-Geschäft seit dem Q1 2017 von 3,2 Mrd. Euro auf 2,1 Mrd. Euro gesunken ist.
  • Die Cost-Income-Ratio wiederum erreichte in Q1 2018 fast 83%, nachdem sie 2016 noch bei durchschnittlich 67% gelegen hatte …
  • … während die operative Eigenkapitalrendite auf nur noch 5,5% gesunken ist, nachdem die Firmenkunden-Sparte in den vier 2016er-Quartalen im Schnitt noch 10,1 % erreichte.

Nun hält die Commerzbank mit anderen Kennziffern dagegen:

1.) Seit Ende 2016 hat die Firmenkunden-Sparte netto gut 5000 neue Kunden gewonnen (was sicherlich löblich ist, allerdings die Erosion bei den Erträgen nicht verhindert hat)

2.) Die sog. „RWA-Effizienz“ (man misst sie, indem man die Erträge durch die risikogewichteten Aktiva teilt) ist im gleichen Zeitraum um 30 Basispunkte gestiegen (weil die RWAs abgebaut wurden). Es handele sich darum um eine „Erfolgskennziffer“.

Auch dies werden manche Investoren vermutlich genauso sehen. Allerdings: Die Strategie lautet ja bekanntlich „Wachstum“. Und nicht „Optimierung des RWA-Effizienz“.

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ERGÄNZUNG, 17. Mai 2018: In der ursprünglichen Berichterstattung kam ein Aspekt zu kurz – nämlich der Einfluss des „Financial Institutions“-Geschäfts auf die Erträge (Hintergrund: Dieser Bereich gehört bei der Commerzbank  zwar organisatorisch zur Firmenkundensparte, es handelt sich jedoch nicht um Firmenkundengeschäft im engeren Sinne). Von den 180 Mio. Euro Ertragsverlust zwischen Q1 2016 und Q1 2018 entfielen 43 Mio. Euro auf „Financial Institutions“, also knapp ein Viertel.