Analyse: Das Zinsgemetzel – und welche deutschen Banken die schlimmsten sind

Von Christian Kirchner

Dürfen wir Sie noch einmal zu einem Tauchgang ins Reich der Zinsen einladen? Zugegeben: Die Bundesbank-Statistik zur Kreditvergabe in Deutschland oder die gestern veröffentlichten Ergebnisse der vierteljährlichen Notenbank-Befragung über die Kreditvergabe-Standards von Banken … das ist nichts, was man um 6 Uhr morgens unbedingt haben muss.

Gleichwohl sind wir weiter der Meinung, dass man das Thema (zumal vor dem Hintergrund der laufenden Fusionsgespräche zwischen Deutscher Bank und Commerzbank) gar nicht hoch genug hängen kann.

Denn hatten Banken in den letzten Monaten zunächst kein Glück mit den Zinsen (statt, wie erhofft, zu steigen, fielen sie), kommt nun auch noch das Pech steigender Kreditrisiken hinzu. Schließlich steht Deutschland im Graubereich zwischen einem markanten Abschwung und einer Rezession.

Wir haben in fünf Thesen samt zugehörigen Grafiken zusammengefasst, was Sie über die immer schwierigere Lage wissen müssen.

Erstens: Weil Banken immer weniger über die Zinsmargen verdienen, haben sie einen starken Anreiz, dies über immer mehr Volumen zu kompensieren.

Ablesbar ist das  an der Entwicklung der ausstehenden Kredite deutscher Banken (Veränderung des Volumens im Vergleich zum Vorjahr in %) ganz Allgemein …

… und der Immobilienkredite im Besonderen (wieder Veränderung in % im Vergleich zum Vorjahr)

Zweitens: Die Zinsmargen der Banken fallen nicht nur – sie fallen dramatisch

Die EZB befragt Banken einmal pro Quartal, wie sich denn die genauen Konditionen ihrer Kredite mit Blick auf die Margen entwickelt haben. Zieht man die klassischen Unternehmenskredite sowie die Immobilienkredite in den letzten fünf Jahren heran (à je vier Quartale), so berichteten nur in 3 von 40 Quartalen mehr deutsche Banken von steigenden Margen als von sinkenden, hingegen in fast allen anderen von sinkenden. Exemplarisch dazu die Veränderungen der Konditionen mit Blick auf die Marge bei Immobilienkrediten. Negative Werte bedeuten: Die Marge hat sich verengt, positive Werte: die Marge konnte ausgeweitet werden.

Drittens: Veranwortlich für die Margen-Misere ist der krasse Wettbewerb

Auf der Suche nach Schuldigen für die sinkenden Zinsmargen gibt es viele Verdächtige: Draghis Zinspolitik, die Regulierer, die Risikoeinschätzungen der Banken. Glaubt man, was die deutschen Banken in der EZB-Umfrage sagen, dann ist der wichtigste Grund jedoch ein anderer (konkret wurde nach den Faktoren gefragt, die die Veränderung in den vergangenen drei Monaten beeinflusst haben).

Negative Werte bedeuten: dieser Faktor hat zu niedrigeren Margen beigetragen, je niedriger, desto höher war der Überhang von Banken, die die Wettbewerbssituation als Faktor für sinkende Margen nannten. Es ist mithin eindeutig die Wettbewerbssituation, die dazu führt, dass Banken mit immer aggressiveren Konditionen um Kreditkunden kämpfen müssen.

Viertens: Viele Bankengruppen geben Gas – aber die Auslandsbanken besonders

… wie die Veränderung des ausstehenden Kreditvolumens im Vergleich zum Vorjahr in % zeigt (jeweils zum Jahresende)

Dabei dürfte die Kreditstatistik die wahre Rolle ausländischer Banken sogar noch unterschätzen, da viele Kredite an deutsche Firmen über die Bücher der Auslandseinheiten laufen.

Fünftens: Deutsche Institute schalten vor allem bei Immobilienkrediten den Turbo zu

… während sich die ausländischen Banken hier eher zurückhalten (wiederum:Veränderung des ausstehenden Kreditvolumens im Vergleich zum Vorjahr in % )

Wie wurde Coba-Chef Zielke am Freitag nochmal im Intranet seiner Bank zitiert? Die anhaltend niedrigen Zinsen und die damit einhergehenden niedrigen Margen und steigende Kosten ließen keine andere Wahl. „Nur mit deutlich höheren Marktanteilen werden sich die notwendigen Investitionen rechnen.“

Das Zinsgemetzel über die Konditionen dürfte also weitergehen. Ob mit einer Deutschen Commerz oder zwei separaten Instituten.

Der Zinsschock – oder: Warum fusionieren Deutsche Bank und Commerzbank wirklich?

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!