Analyse: Warum der Abgesang aufs Crowdlending viel zu früh kommt

Von Heinz-Roger Dohms

Die Beratungsfirma Deloitte hat kürzlich einen meinungsfreudigen Abgesang aufs KMU-Crowdlending veröffentlicht. Tenor: „Das Crowdlending kann sich in einem wichtigen Segment nicht durchsetzen. Mittelständische Unternehmen zeigen wenig Interesse an dieser Finanzierungsform.“

Hierzu vier Anmerkungen unsererseits: 1.) Per se und wörtlich genommen stimmt der Befund, jedenfalls für den Moment. 2.) Gleichwohl ist die Datengrundlage ein bisschen enttäuschend. So beteiligten sich von 60.000 Unternehmen, die angeschrieben wurden, nur 244 an der Befragung. 3.) Smava ist anders als in der Studie beschrieben keine Crowdlending-Plattform. 4.) Vielleicht sollte man statt von Crowdlending in Zukunft ohnehin besser von „Insti-Lending“ sprechen …

Denn: Beim wichtigsten KMU-Plattform-Lender hierzulande, nämlich bei Funding Circle Deutschland, kommen inzwischen 85% des vermittelten Volumens von institutionellen Investoren (Quelle: freundliches Telefonat mit dem CEO). Bei der sektorübergreifend größten deutschen Lending-Plattform wiederum, also beim auf Ratenkredite spezialisierten Düsseldorfer Anbieter Auxmoney, stammt ein großer Teil des Geldes  vom niederländischen Versicherer Aegon (Quelle: Das ist allgemein bekannt). Zugleich hat die ING-Diba jüngst den Funding-Circle-Konkurrenten Lendico übernommen, während (siehe oben) Compeon und die Solarisbank gerade einen digitalen KMU-Kredit gelauncht haben. Will sagen: Mag sein, dass „Crowdlending“ wörtlich genommen tot ist. Aber die aus Bankensicht disruptive Gefahr der dahinter stehenden Idee (nämlich digitale Plattform-Kredite unter Umgehung traditioneller Banken) ist damit keineswegs gebannt. Denn ob der Kredit nun im Depot des Crowdanlegers, auf der Bilanz von Aegon oder (via Lendico) auf der Bilanz der ING Diba landet … – auf der Bilanz der Sparkasse von nebenan landet er jedenfalls so oder so oder so nicht mehr.

Hierzu dann auch noch ein Anmerkung: Wie letzte Woche (quasi zeitgleich mit der Deloitte-Studie) bekannt wurde, hat Auxmoney das Volumen der neu ausgezahlten Kredite im ersten Halbjahr um rund 90% auf 255 Mio. Euro (!) gesteigert. Nun ist Auxmoney wie gesagt auf Ratenkredite spezialisiert. Aber warum sollte die gleiche Disruption zumindest bei kleinvolumigen KMU-Finanzierungen nicht ebenfalls möglich sein? Siehe die milliardenschwere Vermittlungsvolumina von Funding Circle im Heimatmarkt Großbritannien.

Für den Abgesang aufs Crowdlending, auch wenn man korrekterweise „Insti-Lending“ sagen müsste, ist es jedenfalls viel zu früh.

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