Analyse: Was es bedeutet, wenn ein deutsches Kredit-Fintech eine Ausfallrate von 12% hat

Von Heinz-Roger Dohms

Liebe Banker, dürfen wir Ihnen heute einfach mal eine Glückspille verabreichen? Ja?

… dann sehen Sie sich doch bitte mal die Kreditausfallraten des  größten europäischen Kreditmarktplatzes (sprich: Funding Circle) in dessen Deutschland-Geschäft an. Die sind nämlich, seit wir uns das Ganze im August zum bislang letzten Mal angeschaut hatten, noch einmal deutlich gestiegen. Bei Krediten, die im ersten Halbjahr 2016 vergeben wurden, lag die Ausfallquote bei 11,8 Prozent – und das, obwohl die Darlehen bei Erhebung der Daten im Schnitt erst 22 Monate alt und auch erst zu 46% getilgt waren. Zwei Fußnoten müssen wir allerdings setzen: 1.) Der bloße Umstand, dass Funding Circle mit den Daten so transparent umgeht, ist aus unserer Sicht ein Indiz, dass die Briten trotz allem ein gutes Gefühl haben bei dem, was sie da tun. Und 2.) Just im zweiten Halbjahr 2016 hat Funding Circle seine Methodik grundlegend überarbeitet – weshalb man in der Berliner Deutschland-Zentrale überzeugt ist, dass die Ausfallraten deutlich sinken werden (worauf erste Indikatoren offenbar schon hindeuten). Mithin: Gut möglich, liebe Banker, dass die Glückspille nur vorübergehend wirkt. Hier die Daten im Detail (Quelle: Funding Circle):

(Kleiner Tipp: Halten Sie das Smartphone quer, dann müsste es von der Darstellung her passen …)

’14/’15 ’16   H1 ’16 H2 ’17 H1 ’17 H2
Ausgez. Kredite (in Mio. €) 33,2 14,5 4,0 14,9 39,8
Erfolgte Tilgung 71% 46% 38% 23% 4%
Zahlungsrückstand > 45 Tage 0,9% 1,15% 0,0% 0,0% 0,7%
Kreditausfälle (in %) 10,1% 11,8% 4,9% 0,3% 0,1%
Jährliche Nettorendite (in %) -0,8% -0,5% 3,4% 8,3% 8,2%
Durchschnittliches Alter der Kredite (in Monaten) 30 22 13 8 2