Der wunderbare Kleinkrieg zwischen Fincompare und Compeon

Von Heinz-Roger Dohms

Dieser Tage ging eine Postkarte bei „Finanz-Szene.de“ ein, geschrieben von Hand, so, wie man das früher mal gemacht hat und wie es die Menschen leider verlernt haben, Absender: Stephan Heller, der Chef von Fincompare. „Lieber Herr Dohms, wir sind ja große Fans Ihres täglichen Newsletters und schätzen Ihre spannenden Branchen-Insights. Was wir nicht wussten ist, dass Finanz-Szene.de auch eine hervorragende Recruiting-Plattform ist. Aufgrund Ihres Beitrags vom 5. April 2018 haben wir zwei tolle Mitarbeiter gewinnen können! Anbei ein kleines Dankeschön und die Pressemeldung.“

Das mit dem „Dankeschön“, liebe LeserInnen, vergessen Sie jetzt gleich mal wieder, sonst haben wir morgen die Compliance-Leute des Deutschen Journalisten-Verbandes auf der Matte.

Spannender ist ohnehin die Geschichte hinter dem Brief. Sie lautet: Im ansonsten viel zu braven Fintech-Deutschland gibt es endlich mal einen handfesten Kleinkrieg. Und „Finanz-Szene.de“ wäre nicht „Finanz-Szene.de“, wenn wir uns in diesen Konflikt – halbseiden wie wir sind – nicht bereitwillig hineinziehen ließen.

Also, auf geht’s: Fincompare, das Unternehmen des Schönschreibers Stephan Heller (Sie sollten mal das geschwungene große „S“ sehen), sitzt in Berlin und vermittelt Kredite an kleine und mittlere Unternehmen. Mehr oder weniger dasselbe lässt sich auch über Compeon sagen, außer dass Compeon nicht in Berlin, sondern in Düsseldorf sitzt und dass wir nicht wissen, ob der Chef eine schöne Handschrift hat. Jedenfalls: Compeon, gegründet 2012, ist der Platzhirsch. Und Fincompare, gegründet 2017, ist der Angreifer. Ende letzten Jahres vermeldete Compeon eine Finanzierungsrunde über 12 Mio. Euro, getragen von den Altgesellschaftern, Mitte dieses Jahres konterte Fincompare mit einem Funding über 10 Mio. Euro, getragen im Wesentlichen vom niederländischen ING-Konzern (und also de facto von der ING Diba). Soweit die Rahmendaten.

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Jetzt zum Scharmützel: Unser Bericht vom 5. April, den Stephan Heller in seiner freundlichen Postkarte erwähnt, hatte zum Thema, dass Fincompare damals ausgerechnet ein Büro in Düsseldorf eröffnet hatte (das übrigens inzwischen wieder geschlossen sein soll). „Finanz-Szene.de“ mutmaßte daraufhin, dass Fincompare dem in Düsseldorf beheimateten Wettbewerber Compeon die Leute ausspannen will, was Heller allerdings bestritt. Die Dependance am Rhein habe vielmehr damit zu tun, dass Fincompare ein Team bei einem Leasing-Spezialisten namens LeasinGo abgeworben habe. „Diese Mitarbeiter waren alle in Düsseldorf oder in der Region angesiedelt. Darum werden wir unseren Bereich Absatzfinanzierung nun von Düsseldorf aus betreiben“, erzählt Heller damals.

Jedenfalls: Als Folge des damaligen Berichts erhielten wir aus der Szene den ein oder anderen Hinweis, dass das Büro am Sitz des Konkurrenten nicht der einzige tendenziell unfreundliche Akt zwischen Fincompare und Compeon sei. Man solle sich doch (nur mal als Beispiel) ein wenig durch die einschlägigen Domain-Register wühlen. Und tatsächlich …

  • Die Domain „Fincompeon.de“ gehört nicht etwa den Compeon-Menschen. Sondern die hat sich Stephan Heller, der Fincompare-Mensch, gesichert.
  • Dagegen ist die Adresse „Fincompare.at“ nicht etwa auf die Fincompare-Leute eingetragen. Sondern auf Compeon-Gründer Frank Wüller.

Das ist freilich nicht alles. Auch zwischen Fincompare und dem Compeon-Gesellschafter DvH Ventures soll es mal einen „Vorfall“ gegeben haben, der zur Folge hatte, dass die beiden Seiten heute nicht mehr gut aufeinander zu sprechen sind. An Sticheleien zwischen den beiden Seiten mangelt es ohnehin nicht. Als „Finanz-Szene.de“ Anfang Juni exklusiv über den Einstieg der ING bei Fincompare berichtete, betonte Stephan Heller im Interview die „technologische Komponente“ des Fincompare-Geschäftsmodells. Zitat: „Denn nur daraus kann das angestrebte exponentielle Wachstum kommen, ansonsten ist man nichts anderes als die moderne Version einer Corporate-Finance-Boutique.“ Das mit der „Corporate-Finance-Boutique“ war natürlich nicht explizit auf Compeon gemünzt. Aber implizit halt doch.

Dazu passte, dass Heller ebenfalls im Frühjahr via“Linkedin“ kundtat, demnächst gemeinsam mit der Solarisbank den „ersten digitalen KMU-Kredit“ an den Start zu bringen. Tatsächlich waren Heller und der Solaris-Chef zuvor auf einer Berliner Fintech-Veranstaltung aufgetreten, um die Pläne coram publico vorzustellen. Dann allerdings kam der Gegenschlag von Compeon. Denn Anfang August waren es plötzlich nicht mehr die Solarisbank und Fincompare, die den „ersten digitalen KMU-Kredit“ launchten. Sondern die Solarisbank und Compeon.

Natürlich wollte Fincompare das nicht auf sich sitzen lassen. Womit wir jetzt endlich bei der „Pressemitteilung“ sind, von der in Hellers Postkarte die Rede ist. Die Mitteilung (die gestern  auch offiziell rumgeschickt wurde) handelt nämlich nur vordergründig davon, dass Fincompare sein Beraterteam „weiter ausgebaut“ habe, wie es in der Überschrift heißt. Was viel wichtiger zu sein scheint: Die beiden Finanzierungsexperten, die Fincompare angeheuert hat, kommen der Pressemitteilung zufolge von: Compeon. (wobei zumindest in einem  der beiden Fälle fraglich erscheint, ob der Mitarbeiter wirklich „zuletzt“ noch bei Compeon arbeitete oder ob nicht eher eine längere Zeit zwischen den Engagements dazwischen lag).

In Düsseldorf jedenfalls scheint man wenig begeistert zu sein, dass der eigene Name jetzt gleich an mehreren Stellen in der Pressemitteilung des wichtigsten Konkurrenten auftaucht. Fortsetzung folgt. Hoffen wir zumindest.