Die fünf Lehren aus dem Anti-Deutsche-Banken-Deal von Google, Paypal und Mastercard

Von Heinz-Roger Dohms

Wie war das noch? Google braucht die deutschen Banken, um seinen Mobile-Payment-Dienst „Google Pay“ hierzulande zu etablieren? Seit gestern sind wie schlauer. Denn nun wissen wir, dass Google nun auch mit Paypal und Mastercard gemeinsame Sache macht – und also die deutschen Banken, mit denen man vornherum kooperiert, hintenherum attackiert.

Worum geht es genau: Deutsche Paypal-Kunden, die im Besitz eines Android-Smartphones (=Google-Betriebssystem-Handys) sind, können künftig mittels Google Pay (Download genügt …) an sämtlichen kontaktlosen Mastercard-Akzeptanzstellen hierzulande mobil bezahlen. Man muss sich nur mal die Schnittmenge aus 20 Mio. hiesigen Paypal-Kunden, 80% Android-Marktanteil und rasant wachsender Zahl von NFC-fähigen Händler-Akzeptanzstellen anschauen, um zu erahnen: Die Nummer hat Sprengkraft – auch wenn natürlich viele Bedingungen erfüllt sein müssen, damit aus der Kooperation letzten Ende ein Erfolg wird (u.a. muss sich Mobile Payment beim Endkunden durchsetzen, was hierzulande ja alles andere als ausgemacht ist).

Hier die fünf Lehren aus dem Deal:
  1. Für die deutschen Banken geht es um ordentlich Erträge: … schließlich handelt es sich um einen Frontalangriff auf die Girocard, mit der die Kunden im vergangenen Jahr laut Kreditwirtschaft Einkäufe im Höhe von 162,8 Mrd. Euro bezahlten. Geht man davon aus, dass 0,2% hiervon bei den Banken hängen bleiben und die Umsätze zuletzt kräftig wuchsen, stehen also Erträge in Höhe von 300 bis 400 Mio. Euro auf dem Spiel (und zwar stabile, risikofreie, kein Eigenkapital verschlingende Provisionserträge).
  2. Und womöglich geht es auch noch um ganze andere Erträge. Es heißt ja immer, die Banken würden in Zukunft – wie auch immer – Geld mit Daten verdienen. Wenn aber wichtige Zahlungstransaktionen an den Banken vorbeilaufen, dann fehlen auch geldwerte Daten (so stellen wir uns die Welt da draußen jedenfalls aus unserer journalistischen Laiensicht vor).
  3. Die Girocard anzugreifen heißt, die deutsche Kreditwirtschaft in ihrem Innersten zu attackieren. Denn: Es handelt sich um eine der wenigen Payment-Erfolgsgeschichten, die die hiesigen Banken zu erzählen haben. Soweit das Symbolische. Das Inhaltliche: So stark die Marktposition der Girocard auch sein mag, unverwundbar ist das System nicht (zumal dann nicht, wenn sich wie in diesem Fall die Techkonzerne mit den Kreditkarten-Schemes zusammentun). Hinzu kommt: Das rein deutsche Girocard-System benötigt ordentlich Masse, um wirtschaftlich zu arbeiten. Hohe Marktanteile sind also essentiell.
  4. Der Deal offenbart ein großes Dilemma der Banken: Sollen die Banken mit den Techfirmen kooperieren, um auf diese Weise zumindest Teil der Wertschöpfungskette zu bleiben? Oder sollen sie die offene Konfrontation suchen, in der Hoffnung, am Ende vielleicht die Oberhand zu behalten? Im Falle von Google Pay entschieden sich die Banken fürs Kollaborieren. Nun zeigt sich: Kooperation bedeutet nicht, dass man vor Angriffen geschützt ist.
  5. Während die neue Dreierkombi für Google und Mastercard sinnhaft erscheint, gilt das für Paypal nur bedingt: Denn eigentlich hätte es ja das Ziel des US-Zahlungsdienstleisters sein müssen (und war es ja auch mal), der Girocard am stationären „Point of Sale“ aus eigener Kraft Konkurrenz zu machen. Dass Paypal nun den Umweg über Mastercard geht und sich hierbei (mutmaßlich) mit sehr, sehr, sehr viel niedrigeren Gebühren zufriedengeben wird, als man sie im Onlinehandel durchzusetzen weiß, zeigt: Auch die Macht von Paypal kennt Grenzen. Oder anders ausgedrückt: Im Dreierbündnis mit Google und Mastercard kommt Paypal ja quasi die Rolle der Bank zu – und was die Verwundbarkeit der Banken angeht, siehe oben.

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