Eine alternative (und kundige) Deutung der „HSH Nordbank finanziert wieder Schiffe“-Meldung

„Reuters“ meldete vergangene Woche unter Berufung auf den HSH-Nordbank-Manager Christian Nieswandt: Die HSH Nordbank erwägt den Kauf von Schiffskrediten anderer Banken und will dafür künftig viel Geld in die Hand nehmen. (…) Dafür stehe bis 2022 ein Etat von jährlich 700 Millionen Euro bereit, das eigene Neugeschäft eingerechnet. 

„Finanz-Szene.de“ schrieb daraufhin: Die HSH Nordbank hat gestern allen Ernstes angekündigt, wieder in die Schiffsfinanzierung einzusteigen. Und zwar nicht nur in homöopathischen Dosen, sondern immerhin mit 700 Mio. Euro jährlich. Nun mag dieser Schritt betriebswirtschaftlich ja durchaus sinnvoll sein, von wegen Preisverfall und Opportunität etc. pp. Eine andere Frage ist allerdings, welches politische Signal von so einer Meldung ausgeht.

Ein sehr kundiger Leser (der übrigens in keinerlei Beziehung zur HSH Nordbank steht) schrieb uns daraufhin: Ich denke, die Nachricht mit der HSH zur Schiffsfinanzierung ist keine. Auch in den letzten Jahren hatte die HSH immer ein Ziel von 500 Mio. Euro Neugeschäft, dass zum Teil nicht einmal vollständig realisiert wurde (Anm. der Red.: 2016 wurden zum Beispiel nur 300 Mio. Euro realisiert). Jetzt auf 700 Mio. Euro zu gehen, sagt a) überhaupt nichts darüber aus, wie viel realisierbar ist (aufgrund der internen Kriterien an das Geschäft) und b) wieviel davon direkt wieder syndiziert wird. Es ist eher eine Botschaft an die Reeder, um auch mit einem Mickerportfolio von 5,5 Mrd. Euro noch als Partner im Gespräch zu bleiben. Die Bank hat verständlicherweise ein Interesse daran, von den Kunden (Reedern) noch ernst genommen zu werden. Nur so lässt sich das Portfolio auch mal verjüngen (alte Schiffe in neue Schiffe tauschen); neben der Konjunktur ist ja auch die technische Entwicklung (insbesondere auch die Größenentwicklung in der Handelsschifffahrt) ein wichtiger Risikotreiber. Ist ja doch keine Immobilienfinanzierung. Ich würde behaupten, die Zielgruppe hat die Botschaft verstanden, alle anderen haben sie falsch verstanden.