Eine kleine Exegese des Bloomberg-Interviews von N26-Chef Valentin Stalf

Von Heinz-Roger Dohms

Haben Sie gestern das Bloomberg-Interview mit N26-Chef Valentin Stalf gelesen? Dann sind Sie ja vielleicht auch an ein paar Einordnungen interessiert, die sich beim flüchtigen Drüberschauen nicht gleich aufdrängen. Voilà:

1.) Die Aussage, dass N26 im kommenden Jahr in den USA an den Start gehen will, ist insofern interessant, als der Amerika-Launch ursprünglich für Mitte 2018 geplant war. Dann hieß es irgendwann, es werde Herbst 2018. Und jetzt ist plötzlich von 2019 die Rede. Das ist eine üppige Verspätung, wenn man bedenkt, dass die US-Pläne überhaupt erst Ende Oktober letzten Jahres verkündet wurden – also zu einem Zeitpunkt, zu dem man eigentlich schon über eine gewisse Planungssicherheit hätte verfügen können.

2.) Schon 2019 könnte es eine weitere Finanzierungsrunde geben, sagt Stalf – und das, obwohl N26 gerade erst die Rekordsumme von 130 Mio. Euro gefunded hat. Die Zeit der ganz, ganz, ganz strikten Kostenkontrolle scheint also vorbei zu sein. Stattdessen geht es jetzt um brutalstmögliche Expansion, worauf auch die Aussage hindeutet, bis Jahresende noch einmal 200 Mitarbeiter einzustellen (offenbar unter anderem für den Auf- bzw. Ausbau eines Bancassurance-Angebots).

3.) Ganz nebenbei gibt Stalf in dem Interview auch noch dem ehemaligen Whitelabel-Partner Wirecard eins mit, indem er den Münchnern indirekt Wucher oder wenigstens Ertragsabschöpfung vorwirft. Oder wie sonst ist folgende Aussagen zu verstehen? „Im Vergleich zu Deutschland gibt es in den USA unter den so genannten White-Label-Banken eine stärkere Konkurrenz, was sich in besseren Konditionen widerspiegelt. Die schöpfen nicht gleich alle Erträge ab.“