Exklusiv: Das hier sind die ersten Plattform-Erträge der Deutschen Bank

Von Heinz-Roger Dohms

Der „Zinsmarkt“ der Deutschen Bank nimmt allmählich Fahrt auf. Voraussichtlich Anfang Oktober werde die Einlagenplattform die 500-Mio.- Euro-Marke durchbrechen, sagte Digitalchef Markus Pertlwieser im Exklusiv-Interview mit „Finanz-Szene.de“. Anders ausgedrückt: Das größte Geldinstitut des Landes hält jetzt Kundeneinlagen in Höhe von knapp einer halben Mrd. Euro nicht mehr selber, sondern hat das Geld im Auftrag der Kunden an andere Banken wie die HSH Nordbank oder die französische My Money Bank vermittelt. Der Sinn dahinter: Bei diesen Instituten bekommen die Sparer merklich höhere Zinsen als bei der Deutschen Bank selber.

Wie hoch die Provisionen sind, die die Frankfurter Großbank von den Partner-Instituten für die Vermittlung der Spareinlagen erhält, wollten Pertlwieser und sein Kollege Andreas Kramer (der den „Zinsmarkt“ direkt verantwortet) im Gespräch mit „Finanz-Szene.de“ nicht beziffern. Marktkenner gehen allerdings davon aus, dass es sich aufs Jahr gerechnet um 0,1% bis 0,2% der vermittelten Summe handelt. Wenn das stimmt, setzt die Frankfurter Großbank mit dem „Zinsmarkt“ also momentan aufs Jahr hochgerechnet irgendwas Richtung eine Mio. Euro um.

Einerseits wirkt das natürlich mickrig. Andererseits: Wenn man so will, handelt es sich hierbei um die ersten Plattform-Erträge der Deutschen Bank überhaupt* – und damit um ein auch intern wichtiges Symbol. Denn: Pertlwieser will bei der Digitalisierung so konsequent wie kaum ein anderes Geldhaus hierzulande auf das  Plattform-Modell (siehe hierzu auch unser aktueller „Gästeblog“) setzen. Dieser Ansatz läuft  darauf hinaus,  dass sich die Deutsche Bank zumindest im Retailbanking nicht mehr in erster Linie als Produktanbieter versteht, sondern als Banking-Shop für ihre Kunden. Dies bedeutet in letzter Konsequenz, dass dem Kunden im Zweifel das bessere Produkt der Konkurrenz empfohlen wird (wie eben beispielsweise das höher verzinsliche Festgeld der HSH Nordbank). Wie ernst es der Deutschen Bank mit dieser Strategie offenbar ist, zeigte sich im Frühjahr, als die Pläne zur Gründung einer eigenen Digitalbank kurzerhand gekippt wurden. Stattdessen will das Institut nun seine digitale Plattform ausbauen.

„Die wachsenden Volumina auf unserem ‚Zinsmarkt‘ sind ein weiterer materieller Beweis, dass es sich beim Plattform-Banking nicht nur um eine akademische Debatte handelt“ (Markus Pertlwieser)

Beim 2016 gegründeten „Zinsmarkt“ handelt es sich gewissermaßen um einen groß angelegten Praxistest, ob die Kunden den Banking-Shop-Ansatz auch tatsächlich annehmen. Nachdem sich anfangs monatelang nur eine einzige Partnerbank auf der Plattform befand (nämlich die Deutsche Pfandbriefbank), was den Marktplatz-Gedanken ein Stück weit ad absurdum führte, sind inzwischen die HSH auch die My Money Bank hinzugekommen. Am heutigen Donnerstag soll nun die vierte Partnerbank freigeschaltet werden, verriet Pertlwieser im Gespräch mit „Finanz-Szene.de“. Dabei handelt es sich um die Creditplus, einen hiesigen Ableger der französischen Großbank Credit Agricole. „Zudem sind wir sehr zuversichtlich, im Laufe des ersten Quartals 2019 die fünfte Bank anbinden zu können“, so Pertlwieser.

Der Zinsmarkt werde inzwischen von einer  fünfstelligen Zahl von Kunden genutzt, sagte Andreas Kramer. Die exakte Zahl wollte er nicht nennen. Aber geht man einmal davon aus, dass es sich um grob geschätzt um rund 15.000 Kunden handelt, dann hätte ein durchschnittlicher Kunde bislang gut 30.000 Euro  über die Plattform bei den Partnerbanken deponiert. Zuletzt sei das vermittelte Volumen in manchen Monaten netto um mehr als 100 Mio. Euro gestiegen.

Zur Einordnung: Die Fintech-Einlagenplattformen „Weltsparen“ und „Zinspilot/Savedo“ kommen längst auf Milliardenvolumina (bei den einen waren es zuletzt 8 Mrd. Euro, bei den anderen 9,5 Mrd. Euro). Eins zu eins vergleichbar sind die Zahlen aber nicht, weil die beiden „Finanz-Startups“ in ihre Statistiken sämtliche jemals vermittelten Summen einfließen lassen (wiederanlegte Gelder werden also praktisch mehrmals gerechnet). Die Deutsche Bank hingegen rechnet nur das aktuell vermittelte Volumen, also quasi die „Assets under Management“.

„Wir treten gerade in eine Phase exponentiellen Wachstums ein“, unterstrich Kramer. Das hat auch damit zu tun, dass die Deusche Bank das Angebot nicht mehr nur online vermarktet, sondern immer stärker auch über die Filialen (nachdem sich entsprechende Pilotversuche in zwei Hamburger Stadtteilen als erfolgreich erwiesen hatten). Mit den Angeboten der Creditplus habe man nun 24 Termingeld-Angebote mit unterschiedlichen Laufzeiten und Zinssätzen auf der Plattform, sagte Kramer. „Dadurch lassen sich die Netzwerk-Effekte noch einmal verstärken, der neue Partner wird zur weiteren Skalierung beitragen.“ Dabei betonte Pertlwieser, dass sich nicht nur die klassischen Sparer, sondern durchaus auch die vermögendere Klientel für die Angebote interessiere: „Es gibt inzwischen viele Beispiele, dass wohlhabende Privatkunden über den Zinsmarkt mehrere hunderttausend Euro anlegen, oft auch über unterschiedliche Banken verteilt.“

Damit drängt sich eigentlich die Frage auf, ob die Deutsche Bank den „Zinsmarkt“ demnächst noch weiter ausrollt – nämlich im Massengeschäft Richtung Postbank, aber eben im gehobenen Segment auch Richtung Wealth Management. Hierzu wollten sich Pertlwieser und Kramer aber noch nicht äußern.

*Bevor uns wieder böse Lesermails erreichen, schreiben wir die böse Lesermail heute gleich mal selbst: Wenn man z.B. bedenkt, dass in den Deutsche-Bank-Filialen seit Ewigkeiten auch Fremdfonds vertrieben wird, lässt sich womöglich argumentieren, dass der Plattform-Gedanke als solcher längst etabliert ist – und es sich insofern ganz streng genommen beim „Zinsmarkt“ gar nicht um die ERSTEN Plattform-Erträge handeln kann. So ganz streng allerdings haben wir die Dinge bei „Finanz-Szene.de“ ja noch nie genommen 😉

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