Exklusiv: Der große Finleap-Venture-Check, Teil II

Von Heinz-Roger Dohms

Liebe Leser*innen, wussten Sie eigentlich, dass wir bei „Finanz-Szene.de“ nach agilen Methoden arbeiten? Das heißt: Wir fangen jede Woche mindestens zehn Themen an. Und wenn es richtig gut läuft, dann kriegen wir fünf davon fertig. Meistens sind es aber eher so: zwei. Das erklärt hoffentlich, warum wir vor 14 Tagen den ersten Teil unseres dreiteiligen Finleap-Checks zwar mit dem Hinweis beendeten, der zweite und der dritte Teil würden „nächste Woche“ folgen – wir diese Zusage aber wieder mal nicht einhalten konnten. Wobei man fairerweise hinzufügen muss: Ist ja auch ein bisschen was passiert in der Zwischenzeit. Unter anderem: Der chinesische Versicherer Ping An hat letzte Woche gut 40 Mio. Euro in Finleap investiert – was uns insofern unter Druck setzte, als wir uns nicht nachsagen lassen wollten, wir wären bei unserer Due Diligence weniger gründlich als die Chinesen. Jedenfalls: Nachdem wir vor zwei Wochen die ersten vier Finleap-Ventures unter die Lupe genommen hatten, folgen heute nun (endlich!)  die nächsten vier. Voilà:

Zinsbaustein

Gutes Setup, plausibles Geschäftsmodell – aber zu spät gestartet, um gegen die Stand-alone-Fintechs im gleichen Marktsegment zu bestehen: Das war im ersten Teil unserer großen Finleap-Checks das Urteil zum Einlagen-Marktplatz Savedo. Ähnliches lässt sich auch über Zinsbaustein sagen: Obwohl der Immobilien-Crowdfunding-Spezialist (das ist jedenfalls, was wir hören) keine großen Fehler gemacht hat, konnte er den Rückstand gegenüber dem Hamburger Platzhirschen Exporo nie wettmachen.  Im Gegenteil: Mit einem vermittelten Volumen von 91,4 Mio. Euro per Ende Oktober liegen die Hanseaten  im einschlägigen Ranking von „crowdfunding.de“ auch in diesem Jahr wieder weit vor der Konkurrenz. Zinsbaustein? Belegt mit 12,3 Mio. Euro Rang vier. Spricht trotzdem irgendwas für die Berliner? Ja! 1.) Ihr Rückstand auf die Zweitplatzierten Zinsland sowie Engel & Völkers Capital (jeweils 13,6 Mio. Euro) ist überschaubar. Und 2.) Zinsbaustein gilt bei der Auswahl der finanzierten Projekte als tendenziell konservativ, was im Boom auf die Zahlen drückt, sich auf Sicht aber zu einem Vorteil wandeln könnte. Hinzu kommt: Als Finleap seine Zinsbaustein-Anteile kürzlich an den Co-Investor Sontowski weiterreichte, betonte der Company Builder, er sei mit einem kleinen Plus aus dem Engagement herausgekommen. Wollen wir mal glauben, dass das wirklich so war. Drum, immerhin:

3-5 Congrats (von maximal zehn möglichen)

Clark

Der Online-Versicherungsmakler Clark ist gewissermaßen das Gegenbeispiel zu Savedo und Zinsbaustein, die in ihren Segmenten (siehe oben) an den Stand-alone-Fintechs nicht vorbeikommen. Denn: Clark startete zwar später als die frühen Rivalen Knip und Getsafe, brauchte aber nicht lange, um beide einzuholen und schließlich sogar abzuhängen. Warum? 1.) Das Management-Team ist nach allem, was man weiß, nicht das schlechteste. 2.) Womöglich waren ja auch die Gegner nicht so stark wie in anderen Segmenten. Zumindest Knip hatte anfangs einen klaren Funding-Vorteil gegenüber Clark, verbrannte dieses Geld dann aber recht schnell. Der Status quo: Clark hat im Frühjahr eine Finanzierung über 29 Mio. Dollar bekanntgegeben – eine der, wenn nicht sogar die höchste Runde für ein deutsches Insurtech. Zudem: Nach offiziellen Angaben hat Clark jetzt 150.000 B2C-Kunden (=Maklermandate) und wird in diesem Jahr einen knapp zweistelligen Millionenumsatz generieren (wovon drei Viertel aus dem B2C-Geschäft kommen). Pi mal Daumen dürfte das Fintech damit aus jedem Maklermandat rund 50 Euro Umsatz jährlich ziehen.  Das sind alles sehr ordentliche Zahlen, zumal Clark auch im B2B-Geschäft langsam Fuß fasst, siehe unser heutiger Newsletter. Trotzdem bleibt die große Frage: Wird Clark auf mittlere und lange Sicht auch mit den Erwachsenen (sprich: mit Check24) mitspielen können? Abwarten. Trotzdem schon mal:

6-8 Congrats

Exklusiv: Wie gut ist Finleap wirklich? Teil eins des großen Venture-Checks

Billfront

Was ist eigentlich aus Billfront geworden, dem schon 2015 gegründeten Finleap-Venture, das Betriebsmittelkredite an Adtech-Unternehmen vergeben wollte (weil diese oft relativ lange warten müssen, bis die großen Werbetreibenden ihre Rechnungen begleichen)? Antwort: So richtig wissen wir es nicht. Viel gehört hat man jedenfalls nicht mehr von Billfront seit dem spektakulären 33-Mio.-Euro-Funding von Ende 2016 (wovon ein beträchtlicher Teil allerdings Fremdkapital gewesen sein dürfte, was in der damaligen Euphorie  ein bisschen unterging). Wohlmeinende Kenner des Unternehmens verweisen darauf, dass Billfront als reiner B2B-Anbieter naturgemäß im Schatten agiere. Und darauf, dass die Firma den nachhaltigen, aber auch Geduld erfordernden Ansatz verfolge, echtes digitales Banking zu betreiben und nicht nur ein bisschen Finanzierungs-Brokerage. Mag ja alles stimmen. Trotzdem haben wir (wenn wir zum Beispiel bei LinkedIn nach Mitarbeitern oder in den Jobportalen nach offenen Stellen suchen) den Eindruck: So wahnsinnig viel tut sich nicht bei Billfront . Drum, versehen mit einer ordentlichen Fehlertoleranz und mit aller Bereitschaft, uns zu korrigieren, wenn wir uns täuschen sollten: Allenfalls …

2-6 Congrats

Elinvar

Kann es sein, dass Elinvar (also das eher mäßig beachtete Berliner B2B-Fintech, das Privatbanken und Vermögensverwaltern bei der Digitalisierung hilft) ein möglicher Hidden Champion im Finleap-Portfolio ist? Oder vielleicht sogar: der Hidden Champion. Woran wir das festmachen? Zum Beispiel an dem Deal, den das 2016 gegründete Startup in diesem Jahr mit der Hamburger Privatbank Donner & Reuschel ausmachte. Diese Kooperation läuft nämlich darauf hinaus, dass Elinvar den Partner nicht nur beim Aufbau einer digitalen Vermögensverwaltung unterstützt, sondern dass das Fintech den kompletten Bestand digitalisiert und also (wenn wir es richtig verstehen) auch am Altgeschäft partizipiert. B2B-Traction statt teurer B2C-Akquise, wenn man so will. Nun wollen wir nicht ausschließen, dass wir Elinvar überschätzen, denn eine klare Beweislage für unsere positive Prognose (zum Beispiel in Form von Geschäftszahlen oder in Form eines richtig hohen Fundings) gibt es noch nicht. Aber schauen Sie doch mal bei Linkedin auf die Beschäftigtenzahlen (aktuell 49, ein Plus von 104%  binnen zwölf Monaten). Oder auf die offenen Stellen laut Finleap-Website (aktuell: 21!!!). Da scheint Musik drin zu sein. Noch mehr Pro-Argumente? 1.) Anders als bei einigen anderen Finleap-Ventures ist bei Elinvar seit dem Start das gleiche Management-Team zugange, was für Stabilität spricht. 2.) Nirgendwo sonst in der deutschen Bankenlandschaft ist nach unserem Eindruck der Leidensdruck so hoch wie bei den kleinen Privatbanken. Auch davon könnte Elinvar profitieren. Drum, mit aller gebotenen Vorsicht:

7 bis 8 Congrats

Hinweis: Der dritte und letzte Teil unseres großen Finleap-Checks kommt in jedem Fall noch in diesem Jahr (hoffen wir jedenfalls)

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