Exklusiv: Deutsche Banken (und Fintechs) fordern drastische Vereinfachung der KYC-Regeln

Von Heinz-Roger Dohms

Die deutsche Kreditwirtschaft verlangt eine deutliche Vereinfachung der Know-Your-Customer-Regeln. Das geht aus einem Positionspapier des Bankenverbands hervor, das „Finanz-Szene.de“ exklusiv vorliegt. Hintergrund: Die immer detaillierteren Geldwäschegesetze (nächste Woche tritt bereits die 5. Fassung der entsprechenden EU-Richtlinie in Kraft …) machen es für die Banken teuer, die KYC-Daten ihrer Kunden zu erheben. Hinzu kommt, dass die Regeln von Land zu Land abweichen, was eine Wiederverwertung der Daten (zum Beispiel wenn ein französischer Student in Deutschland ein Konto eröffnen will) erschwert. Der „Digital Banking“-Ausschuss des BdB fordert daher, die KYC-Prozesse europaweit zu vereinheitlichen – wozu auch gehöre, dass überall die gleichen Identifikationsmerkmale gelten sollen. „Dadurch ließen sich die Kosten deutlich senken, zudem würde den Verbrauchern viel Aufwand erspart“, sagte BdB-Geschäftsführer Andreas Krautscheid gegenüber „Finanz-Szene.de“. Auch auf Identifikation spezialisierte Fintechs wie ID Now stehen hinter die Forderungen. Motiv: Bei einer Standardisierung der Prozesse winkt ihnen neues Geschäft – auch grenzüberschreitend.

Hier die wesentlichen Forderungen aus dem Positionspapier in Detail:

  • Private Banken und Fintechs fordern, dass die zu erhebenden KYC-Daten EU-weit abschließend und im Hinblick auf alle Produkte einheitlich festgelegt werden.
  • Jeder in der EU ansässigen natürlichen Person sollte ein eindeutiges Identifikationsmerkmal (z. B. Identifikationsnummer oder ein Zertifikat) zugeordnet werden. Dieses EU-Identifikationsmerkmal sollte alle bisherigen Identifikationsnummern (Nationalnummer in Belgien, Steueridentifikationsnummer in Deutschland, Nummern auf Reisepässen und Personalausweisen etc.) ersetzen.
  • In einem Mitgliedstaat zugelassene Verifizierungsverfahren müssen, entsprechend dem Meistbegünstigungsprinzip, automatisch EU-weit zugelassen sein.
  • Die Kommission sollte eine Liste der in den Mitgliedstaaten zugelassenen Verifizierungsverfahren inklusive der danach jeweils nötigen Verfahrensanforderungen öffentlich führen und pflegen, um die Nutzung des Meistbegünstigungsprinzips bei der Zulassung von Verifizierungsverfahren für die Praxis zu ermöglichen.
  • Hilfreich wäre zugleich, nicht nur die europäischen Reisepässe zu vereinheitlichen, sondern auch die Personalausweise und die Führerscheine. Dies müsste auch die Sicherheitsmerkmale miteinschließen und ihre Ausstattung mit dem geforderten analog- und maschinenlesbaren EU-Identifikationsmerkmal.
  • Erst-Verifizierungen, die nach den Maßstäben des EU-Rechts durchgeführt wurden, sollten EU-weit für weitere Verifizierungen an anderen Stellen wiederverwendet werden können. Hierbei hätte die erst-verifizierende Stelle die Aufgabe, die Daten richtig zu erfassen und zu übermitteln.
  • Die Übernahme einer Erst-Verifizierung – anstelle der Forderung nach einer neuen Verifizierung an den Kunden – sollte eine risikobasierte Entscheidung des KYC-Verpflichteten sein, sodass dieser – etwa im Hinblick auf das Alter der Erst-Verifizierung – risikobasiert zwischen Wiederverwendung und erneuter Verifizierung wählen kann. An der Aufteilung der Verantwortung für die KYC-Prüfung würde sich also nichts ändern. Auch heute hat eine Bank, die eine neue Geschäftsbeziehung begründet, die alleinige Verantwortung für die Durchführung des KYC-Prozesses. Dies gilt selbst dann, wenn ein per se oder vertraglich zuverlässiger Dritter in den KYC-Prozess eingeschaltet ist.