Exklusiv: Earlybird und KfW-Fonds* investieren Millionen in deutsche Bitcoin-Bank

Von Heinz-Roger Dohms

Seit dem Platzen der Bitcoin-Blase und dem jähen  Ende des ICO-Hypes halten sich prominente Investoren beim Thema Krypto eigentlich zurück. Nun jedoch senden zwei der wichtigsten deutschen Risikokapitalgeber ein gegenteiliges Signal: Nach exklusiven Informationen von „Finanz-Szene.de“ investieren der Münchner Venture-Capital-Spezialist Earlybird und das KfW-Finanzierungsvehikel* Coparion zusammen 4 Mio. Euro in die deutsche Bitcoin-Bank Bitwala.  Das Berliner Fintech will mit dem Geld nun seine Angebotspalette ausweiten – und von November an „Deutschlands erstes vollreguliertes Bankkonto auf Blockchain-Basis anbieten“, wie Bitwala-Chef Jörg von Minckwitz gestern gegenüber „Finanz-Szene.de“ sagte.

Das „Bitwala-Konto“ – das dem Vernehmen nach über den Berliner White-Label-Anbieter Solarisbank läuft – bietet laut von Minckwitz alle wesentlichen Funktionen eines normalen Girokontos, also zum Beispiel SEPA-Überweisungen, Daueraufträge, Geldabheben und Zahlungen per Debitkarte; zudem greift bis zu einer Höhe von 100.000 Euro die gesetzliche Einlagensicherung. Darüber hinaus sollen die Kunden das Konto allerdings auch als Krypto-Wallet nutzen können. „Wer sein Geld in Bitcoin oder andere Kryptowährungen umtauschen möchte, muss dafür bislang den Umweg über eine entsprechende Börse – meist im Ausland – gehen. Wir bieten unseren Kunden erstmals an, ihr Geld mit dem Bitwala-Konto in Sekunden von Euro in Bitcoin zu tauschen. Dieses Angebot ist in Deutschland und vermutlich auch weltweit bislang einmalig.“

Nicht nur für die deutsche Krypto-Szene insgesamt, sondern auch für Bitwala ist das Millionen-Funding ein wichtiger Vertrauensbeweis. Das 2016 gegründete Unternehmen hatte bis Ende letzten Jahres nach eigenen Angaben bereits für 80.000 Kunden Bitcoin-Geldtransfers im Volumen von 100 Mio. Euro abgewickelt. Dann aber folgte ein fast existenzieller Rückschlag, als Visa Anfang Januar Hunderttausende Bitcoin-Kreditkarten des in Gibraltar ansässigen Zahlungsdienstleisters Wavecrest sperrte, zu dessen  Kooperationspartner auch Bitwala gehörte. Damit brach das Geschäftsmodell von Bitwala quasi zusammen. Earlybird und Coparion dokumentieren mit ihrem Investment nun, dass sie an einen erfolgreichen Neuanfang glauben.

Wenn man so will, haben die diversen ICO-Skandale der  vergangen Monate also ihr Gutes: Bis vor  einem Jahr hätte ein Finanz-Startup wie Bitwala mutmaßlich wenig Probleme gehabt, über einen Krypto-Börsengang Fundingmittel in zweistelliger Millionenhöhe zu generieren (tatsächlich trugen sich die Berliner zwischenzeitlich mit entsprechenden Plänen). Spätestens seit dem dubiosen ICO des Frankfurter Fintechs Savedroid sind solche Fundings aber zumindest in Deutschland nur noch schwer vorstellbar. Vielmehr müssen junge Unternehmen, auch wenn soe „Bitcoin“ oder „Blockchain“ auf ihre Präsentationen schreiben, statt einer enthusiasmierten Krypto-Crowd jetzt wieder richtige Investoren für sich gewinnen. Das ist deutlich mühsamer – aber stärkt im Erfolgsfall die Glaubwürdigkeit des Geschäftsmodells.

* Nachtrag, 25. September, 14.26 Uhr: Bei den Formulierungen „KfW-Fonds“ und „KfW-Finanzierungsvehikel“ handelte es sich wieder mal um grenzwertige Verknappungen der eigentlichen Sachlage. Denn in der Tat ist die KfW nur eine von mehrere Funding-Quellen für Coparion (bei der zweiten Quelle handelt es sich um das sogenannte ERP-Sondervermögen, zudem haben mutmaßlich private, allerdings namentlich nicht bekannte Geldgeber in Coparion investiert]. Sollte also der Eindruck aufgekommen sein, bei Coparion handele es sich um eine Art „Staatsfonds“, dann ist dieser Eindruck falsch, wie er falscher kaum sein könnte. Coparion ist eine privatwirtschaftliche Veranstaltung, wie sie privatwirtschaftlicher kaum sein könne.

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