Exklusiv: Fintech-Inkubator Finleap setzt zum ersten großen Portfolio-Umbau an

Von Heinz-Roger Dohms, Finanz-Szene.de, und Caspar Schlenk, Gründerszene

Deutschlands größter Fintech-Company-Builder Finleap greift vier Jahre nach der Gründung zum ersten Mal massiv in sein Portfolio ein. CEO Ramin Niroumand bestätigte gestern gegenüber „Finanz-Szene.de“ und „Gründerszene“ die Information, dass der Kontowechsel-Service Finreach und der Vertragsmanager Moneymap zusammengelegt werden. Das neue Unternehmen soll unter dem Namen Finreach Solutions firmieren und bekommt ein neues Management. Der bisherige Finreach-Chef Sascha Dewald und Moneymap-Geschäftsführer Frank Broer werden Finleap verlassen.

Die Idee hinter dem Umbau ist folgende: Finreach und Moneymap bieten zwar unterschiedliche Dienstleistungen an, wenden sich aber an die gleiche Klientel, nämlich an Retailbanken, die mit den Features der beiden Fintechs  ihr Angebot für den Endkunden tunen. „Dabei stellen wir allerdings fest, dass viele Banken es als mühsam empfinden, sich für einzelne Services immer wieder neue Partner zu suchen und diese dann einzeln integrieren zu müssen“, sagt Niroumand. „Darum wollen wir mit Finreach Solutions eine Plattform schaffen, die den Banken verschiedenste Features oder bei Bedarf sogar Komplettlösungen zur Verfügung stellt.“ Das neue Angebot werde sich daher nicht auf Kontowechsel-Service und  Vertragsmanager beschränken, so Niroumand: „Wir planen viele weitere Dienstleistungen wie zum Beispiel einen Dokumentenservice oder einen Account Aggregation Service. Einige dieser Tools werden wir selber bauen, bei anderen greifen wir auf die Angebote anderer Technologiespezialisten zurück.“

So schlüssig dieser Baukasten-Ansatz klingen mag – die Fusion von Finreach und Moneymap könnte gleichwohl auch ein Eingeständnis sein, dass sich der Vertragsmanager Moneymap allein am Markt bislang nicht wirklich durchgesetzt hat. Der Moneymap-Service läuft darauf hinaus, dem Kunden auf Basis seiner Kontodaten zum Beispiel einen günstigeren Stromanbieter oder einen preiswerteren Handyanbieter anzubieten; die Bank verdient in diesem Fall an der Vermittlungsprovision. Das Problem an diesem Geschäftsmodell: Die Kreditinstitute befinden sich hier nicht nur untereinander in Konkurrenz, sondern müssen sich auch gegenüber mächtigen Vergleichsportalen wie Check24 oder Verivox behaupten. Ein ehrgeiziges Unterfangen.

Im Mai letzten Jahres hatten Finleap und die Hypo-Vereinsbank das Moneymap-Angebot gemeinsam vorgestellt; später deckte „Finanz-Szene.de“ auf, dass die HVB nicht nur Referenzkunde von Moneymap war, sondern sich mit 46% an dem Finleap-Venture beteiligt hatte. Einige Monate später indes zogen sich die Münchner dann klammheimlich wieder aus dem Moneymap-Investment zurück. Nicht nur diese Volte könnte darauf hindeuten, dass sich Moneymap womöglich nicht so entwickelt hat wie erhofft. Denn neben der Hypo-Vereinsbank wurde bislang nur ein weiterer Partner öffentlich gemacht – die Berliner Sparkasse. Auch das B2C-Angebot von Moneymap blieb offenbar hinter den Erwartungen zurück. Dazu passt, dass Finleap im vergangenen Jahr bereits ein weiteres B2C-Fintech (nämlich Savedo) an den Hamburger Konkurrenten Deposit Solutions abgestoßen hatte.

Deutlich besser als bei Moneymap dürfte es bei Finreach aussehen. Beim Kontowechsel-Service gelten die Berliner als Marktführer (vor Fino und Arvato). Zu den insgesamt mehr als 500 Kunden zählen neben vielen Sparkassen zum Beispiel auch die Deutsche Bank, die Postbank oder die DKB. Dennoch stellt sich die Frage, ob sich auf Basis allein des Kontowechsels ein wirklich schlagkräftiges Fintech aufbauen lässt. So setzt auch der Kasseler Konkurrent Fino inzwischen auf eine Diversifizierung seines Angebots, genau wie sich auch andere B2B-Fintechs von Ein-Themen-Startups zu Mehr-Themen-Startups entwickeln. Beispiele:

Der Umbau von Finreach zu Finreach Solutions geht mit personellen Einschnitten einher. Zur Erinnerung: Erst zu Jahresbeginn war Gründungs-CEO Matthias Eireiner durch Sascha Dewald ersetzt worden (der allerdings schon vorher der Geschäftsführung angehörte). Nun indes wird auch Dewald – der zuletzt in Elternzeit weilte – Finreach verlassen, aus privaten Gründen, wie es heißt. Als CEO für Finreach Solutions haben die Finleap-Macher stattdessen den Cloud-Spezialisten Markus Dränert verpflichtet; er kommt vom Software-Anbieter Haufe-Lexware und soll zum 1. September die Arbeit aufnehmen. Unterstützt wird er von Taner Akcok, einem früheren Microsoft-Mann, der bereits seit Mai als Geschäftsführer und Chief Product Officer den Aufbau der neuen B2B2C-Plattform vorantreibt.