Exklusiv: Fintech-Inkubator Finleap übernimmt den N26-Klon Penta

Von Heinz-Roger Dohms

Die Konsolidierung in der deutschen Fintech-Branche nimmt Fahrt auf. Nach exklusiven Informationen von „Finanz-Szene.de“ übernimmt der Berliner Company-Builder Finleap (der z.B. auch hinter der Solarisbank steht) die ebenfalls in der Hauptstadt ansässige Smartphone-Bank Penta. Bei dem erst im Dezember 2017 gelaunchten Startup handelt es sich im Prinzip um einen Klon von N26, allerdings mit einem entscheidenden Unterschied: Penta bedient keine Retailkunden, sondern fokussiert sich auf Konten für Unternehmen. Die Kernklientel sind kleine GmbHs, speziell aus dem Tech- und Startup-Bereich. Rund 5500 dieser Kunden hat Penta nach eigenen Angaben bis dato gewonnen. „Mit dem Zukauf stärken wir unser Ökosystem, zudem streben wir für Penta nach der Integration eine enge Kooperation mit unserem auf Konten für Freiberufler spezialisierten italienischen Venture Beesy an“, sagte Finleap-CEO Ramin Niroumand im Interview mit „Finanz-Szene.de“.

Für Finleap bedeutet die Übernahme in gewisser Weise eine Zäsur. Aus dem 2014 gegründeten Fintech-Brutkasten  – übrigens der größte seiner Art in Europa – waren in den vergangenen Jahren Firmen wie Clark (Online-Versicherungsmakler), Element (Insurtech), Elinvar (B2B-Spezialist für digitale Vermögensverwaltung) oder eben besagte Solarisbank hervorgegangen. Dabei galt immer als Mantra: Finleap kauft keine Fintechs, sondern baut sie. Von diesem Prinzip waren die Berliner kürzlich erstmals im größeren Stil abgewichen, als sie ihr Open-Banking-Fintech Finreach Solutions mit dem Hamburger API-Dienstleister Figo zusammenführten (wir berichteten exklusiv) und diese Fusion durch eine Kapitalerhöhung indirekt finanzierten. Der Deal mit Penta zeigt, dass Finleap in Einzelfällen nun sogar gewillt ist, das eigene Portfolio durch direkte Zukäufe zu erweitern. Dies stellt einen Bruch mit der bisherigen Strategie dar – auch wenn es einen nicht ganz unähnlichen Fall in der Frühphase von Finleap schon einmal gab. Stichwort: financeAds.

„Wir wollen bei der beginnenden Sektor-Konsolidierung eine aktive Rolle spielen, das muss unser Anspruch sein“, sagte Niroumand gegenüber „Finanz-Szene.de“. Trotzdem glaube er, dass es in der Regel eher die Portfoliounternehmen – und nicht Finleap selber – sein würden, die in den nächsten Jahren durch Fusionen und Übernahmen ihre Schlagkraft erhöhen. Als Beispiel hierfür führte er neben Finreach Solutions den Online-Makler Clark an, der zuletzt durch die Übernahme zwei klassischer Maklergesellschaften für Aufsehen gesorgt hatte. „Die Übernahme von Penta war sehr stark opportunitätsgetrieben, weil wir erstens das Team und das Produkt sehr schätzen und sich zweitens Synergieeffekt zu bestehenden Ventures wie Beesy ergeben. Trotzdem dürften direkte Akquisitionen durch Finleap die Ausnahme bleiben“, so Niroumand, der  zudem klarstellte: „Unser Fokus liegt auch in Zukunft auf der Entwicklung eigener Fintechs. Aller Voraussicht nach werden wir das nächste noch im ersten Halbjahr an den Start schicken.“

Im Falle von Penta gilt zudem: Das Unternehmen ist noch so jung, dass Finleap ohnehin Aufbauarbeit wird leisten müssen. „Wir starten zwar nicht wie sonst auf grünen Wiese, denken aber trotzdem, dass wir als Company-Builder auch bei Penta einen Mehrwert schaffen können“, sagte Niroumand. Das gelte für die Suche nach weiteren Investoren ebenso wie für Back-Office-Prozesse oder die Gewinnung neuer Mitarbeiter. Die beiden Penta-Gründer Luka Ivicevic und Jessica Holzbach sollen an Bord bleiben, dagegen scheidet CEO Lav Odorovic aus der operativen Führung aus. Zum Kaufpreis äußerte sich Niroumand nicht. Und das Thema „Banklizenz“ dürfte insofern keines sein, als Penta diesbezüglich schon seit dem Start 2017 auf das entsprechende Whitelabel-Angebot der Solarisbank (also eines Finleap-Ventures) zurückgreift

Spekulieren darf man indessen, ob Penta mit der (zukünftigen) italienischen Schwestergesellschaft Beesy wirklich nur kooperieren soll – oder ob die beiden Unternehmen nicht, genauso wie Finreach und Figo, irgendwann verschmolzen werden. Niroumand jedenfalls betonte im „Finanz-Szene.de“-Interview auffällig, dass sich die beiden Unternehmen „von den Dienstleistungen her sehr ähnlich sind. Beide arbeiten im Kern an der Digitalisierung des Finanzmanagements für junge Unternehmen.“ Zudem sagte er: „Es geht um die Bündelung von Kräften. Was wir natürlich nicht wollen, dass ist der Wettbewerb zweier ähnlicher Player innerhalb unseres Portfolios.“

Was der Finleap-Penta-Deal über die Konsolidierung der deutschen Fintech-Branche aussagt, erfahren Sie hier:

http://finanz-szene.de/analyse-was-der-finleap-penta-deal-ueber-die-deutsche-fintech-branche-sagt/

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