Exklusiv: Sparkassen flirten mit dem Tabubruch

Von Heinz-Roger Dohms

Nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ loten der deutsche Sparkassenverband und der Hamburger Einlagenvermittler Deposit Solutions („Zinspilot“) eine mögliche Zusammenarbeit aus. Seit rund zwei Monaten wird auf Fachebene geflirtet, angeblich durfte Deposit Solutions sein Modell jüngst sogar auf einer Sparkassen-Veranstaltung präsentieren. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten:

1.) Was macht Deposit Solutions?

Das Hamburger Fintech ist auf die Vermittlung deutscher Spareinlagen an vorwiegend ausländische Banken spezialisiert. Das entsprechende B2C-Tool heißt „Zinspilot“. Das größere Wachstumspotenzial rechnet sich das Unternehmen aber vermutlich im B2B-Geschäft aus. Dafür hat das Unternehmen eine Plattform gebaut, auf der zum Beispiel der „Zinsmarkt“ der Deutschen Bank basiert. Über den „Zinsmarkt“ können die Kunden ihr Geld bei anderen Finanzinstituten (mit höheren Zinsen) anlegen, bleiben aber Kunden der Deutschen Bank.

2.) Warum passt das Modell eigentlich nicht zu den Sparkassen?

Kritiker werfen Anbietern wie „Zinspilot“ oder dem Berliner Konkurrenten „Weltsparen“ vor, die Einlagensicherung zu arbitrieren. Das heißt: Sie werben – zumindest implizit – unter Verweis auf die europaweit gültigen Regeln für den Einlagenschutz damit, dass ausländische Hochzinsbanken (trotz oftmals deutlich schlechterer Bonitätsnoten) für den deutschen Sparer genauso sicher seien wie Sparkassen oder Volksbanken (jedenfalls bis zu einer Summe von 100.000 Euro).

3.) Warum bandelt der DSGV dann trotzdem mit Deposit Solutions an?

Die Zeiten sind, wie sie sind.

4.) Wie ist es überhaupt dazu gekommen?

Insider sagen, der DSGV-Digitalchef Joachim Schmalzl und Deposit-Solutions-Chef Tim Sievers hätten sich im Fintech-Rat (eine Einrichtung des Finanzministeriums) kennen und wohl auch schätzen gelernt. Wie das Leben halt manchmal so spielt.

5.) Worauf könnte eine mögliche Zusammenarbeit hinauslaufen?

Nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ geht es um zwei Modelle.

  • „Modell A“ betrifft nur den Verbund – und läuft darauf hinaus, dass der Kunde der Sparkasse A sein Geld zur Sparkasse B transferieren kann, wenn diese ihm bessere Konditionen bietet. Angeblich birgt das Konzept nicht nur Vorteile für den Kunden, sondern auch für die Sparkassengruppe, weil sich auf diese Weise neue Möglichkeiten des verbundinternen Liquiditätsmanagements ergeben (hier wird die Sache regulatorisch extrem komplex). Jedenfalls: Dieses Modell könnte aus  ideologischer Sicht durchaus Sparkassen-kompatibel sein.
  • „Modell B“ geht über den Verbund hinaus – der Kunde der Sparkassen A kann sein Geld also auch dann bei Bank B anlegen, wenn Bank B gar keine Sparkasse ist. Ob auch dieses Modell ideologisch kompatibel ist? Naja, vielleicht so gerade noch, wenn es sich bei Bank B um ein solides deutsches Geldhaus handelt. Ansonsten ist das Ganze schwer vorstellbar. Aber wer weiß.