Exklusiv: Sparkassen und Volksbanken schießen gegen Beraterfirma Bain

Von Heinz-Roger Dohms

Es ist beinahe wie ein Ritus: Jahr für Jahr präsentiert das Frankfurter Bankenteam des US-Consultingriesen Bain eine umfangreiche Studie, die den deutschen Banken im Allgemeinen und den Sparkassen und Volksbanken im Besonderen attestiert, sie würden schlecht wirtschaften.

So war das auch in dieser Woche wieder:

„Nur jede zehnte deutsche Bank verdient ihre Eigenkapitalkosten.“

… lautete die Schlagzeile. Anders ausgedrückt: 90 Prozent aller deutschen Banken könnten den Laden salopp gesagt eigentlich dichtmachen. Bain zufolge gilt dies auch und insbesondere für die 975 Volks- und Raiffeisenbanken sowie die 403 Sparkassen hierzulande. Sie kamen laut der Untersuchung  2016 auf eine Eigenkapital-Rendite von lediglich 2,9 Prozent bzw. 1,7 Prozent. Der Schwellenwert hingegen liegt, so Bain, bei 5,5 Prozent.

In den vergangenen Jahren haben die Banken und ihre Verbandsvertreter in Berlin dieses Bashing über sich ergehen lassen oder allenfalls mit einem leichten Grummeln quittiert. Nun aber feuern sie zurück.

Den Anfang machte gestern Früh der Genossenschaftsverband:

„Bain-Studie verschleiert Stärke der Genossenschaftsbanken“, war die Pressemitteilung überschrieben, in der der Consultingfirma vorgehalten wurde, sie strafe die Kleinbanken dafür ab, dass diese Rücklagen bildeten.

Nun muss man fairerweise sagen, dass der Genossenschaftsverband  nicht nur für die Geno-Banken, sondern für die Genossenschaften allgemein spricht. Darum fragte „Finanz-Szene.de“ sicherheitshalber beim BVR nach, also beim Bundesverband des Volks- und Raiffeisenbanken, ob man das dort denn genauso sehe. Und ja, um es kurz zu machen: Sieht man. „Die von Bain berechnete Eigenkapitalrendite nach Steuern“ lasse „einen Teil unserer Gewinnverwendung unter den Tisch fallen“, kritisiert der Verband.

Damit nicht genug. Denn unweit des BVR,  beim Sparkassenverband DSGV, teilt man die Einschätzung der Genossen ausdrücklich, ergab eine weitere Anfrage von „Finanz-Szene.de“. Dort heißt es: „Die Werte, die Bain für die Eigenkapital-Rentabilität nach Steuern für die deutschen Banken in Summe zitiert […], passen nicht zu den Werten, die die Deutsche Bundesbank für alle deutschen Banken publiziert.“

Anders gesagt: Bain operiert mit falschen Zahlen. Doch stimmt das?

Tatsächlich ist der Fall weniger komplex, als man vermuten könnte. Denn woher die unterschiedliche Sicht auf die Dinge kommt, ist offenkundig: Viele Sparkassen und Genobanken führen einen großen Teil ihres Gewinns in den sogenannten „Fonds für allgemeine Bankrisiken“ ab (wobei der Begriff missverständlich ist, denn es handelt sich nicht um einen Fonds im eigentlichen Sinne, sondern um eine Rücklagenposition in der Bilanz).

Die Bundesbank sieht hierin keinen gewinnschmälernden Aufwand, sondern eine – so steht es wörtlich im Monatsbericht aus dem September – „Gewinnverwendung“. Heißt: Es handelt sich um erzielten „Gewinn“, der dann aber nicht ausgeschüttet, sondern in die Rücklage eingestellt wird.

Bain hingegen zieht das in den „Fonds für allgemeine Bankrisiken“ abgeführte Geld als „Aufwand“ vom Gewinn ab. Damit stellen sich die Edelberater zwar gegen die Bundesbank, können sich aber stattdessen auf das HGB berufen. Denn bei Banken, die nach HGB bilanzieren (was Sparkassen und Volksbanken in aller Regel tun), werden die in den „Fonds für allgemeine Bankrisiken“ eingestellten Mittel tatsächlich nicht als Gewinn gezeigt.

Die Folgen der unterschiedlichen Sichtweisen sind massiv. Während der Genossenschaftsverband unter Berufung auf die Buba-Zahlen die Nachsteuer-Rendite der deutschen Volks- und Raiffeisenbanken mit 8,4 Prozent beziffert (der BVR spricht unter Verweis auf eigene Zahlen sogar von 9,7 Prozent), kommt Bain nur auf besagte 2,9 Prozent. Und während der DSGV unter Berufung auf die Buba-Zahlen die Nachsteuer-Rendite der deutschen Sparkassen mit 7,4 Prozent angibt (bzw. 7,2 Prozent unter Verwendung eigener Zahlen), sind es bei Bain nur besagte 1,7 Prozent.

Welcher Position man sich auch anschließen mag – die These, dass nur jede zehnte deutsche Bank ihre Eigenkapitalkosten verdient, würde, wenn Bain die Zahlen von Bundesbank, DSGV oder BVR verwenden würde, jedenfalls in sich zusammenfallen.

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