Exklusiv: Verbünden sich die Sparkassen mit Ingenico?

Von Heinz-Roger Dohms

Im Bieterwettstreit um den Sparkassen-Acquirer BS Payone steht eine Entscheidung offenbar kurz bevor. Nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ sind nur noch zwei Interessenten im Rennen, nämlich der US-Konzern First Data mit seiner deutschen Tochter Telecash (siehe auch unser Bericht neulich) und der französische Payment-Spezialist Ingenico, der hierzulande mit dem Acquirer Easycash den Markt beackert. Schon in den nächsten Tagen soll der Aufsichtsrat von BS Payone zusammenkommen, um eine Vorentscheidung zu fällen. Danach müssen noch die Gremien des Deutschen Sparkassenverlags (also des Eigners von BS Payone) und des Sparkassenverbands zustimmen.

Die Sparkassen hatten vor knapp einem Jahr bekanntgegeben, dass sie einen Investor für ihren hauseigenen Payment-Spezialisten suchen. Die entsprechende Initiative ging ursprünglich noch von Michael Ilg aus, dem Ende 2016 plötzlich verstorbenen Chef des Sparkassenverlags. Um ihren Acquirer für potenzielle Interessenten attraktiv zu machen, hatten die Sparkassen die einstige B+S Card Services mit dem 2015 übernommenen Kieler Finanz-Startup Payone verschmolzen. Während B+S aus dem stationären Handel kommt, hat Payone seine Stärken im Internetgeschäft.

Fest steht, dass die Sparkassen ihren Acquirer nicht komplett verkaufen, sondern möglichst sogar die Mehrheit an BS Payone behalten wollen. Das war der mutmaßliche Grund, warum sich der ursprüngliche Favorit – nämlich die gemeinsam agierenden US-Finanzinvestoren Bain und Advent mit ihrer deutschen Beteiligung Concardis – schon vor längerer Zeit aus dem Bieterverfahren verabschiedet haben soll. Kenner der Vorgänge sagen, dass die Frage der Anteilsverteilung auch in den Gesprächen mit First Data und Ingenico kritisch gewesen sei. Eine mögliche Lösung könnte so aussehen: Die Sparkassen behalten zwar gut 50 Prozent der Anteile – dafür bestimmt der künftige Partner (also First Data oder Ingenico) über die Governance. Der Hebel hierzu könnte zum Beispiel in der Verteilung der Aufsichtsmandate bestehen. Allzu viel Cash wird bei dem Deal vermutlich nicht fließen. Stattdessen würde First Data wohl die Tocher Telecash einbringen und Ingenico umgekehrt die Tochter Easycash.

Ob First Data oder Ingenico den Zuschlag erhalten, sei tatsächlich noch nicht entschieden, heißt es in Finanzkreisen; nicht mal ein eindeutiger Favorit sei auszumachen. Für Ingenico spricht womöglich, dass mancher Sparkässler einen europäischen Partner  lieber sehen könnte als einen amerikanischen. Etwas handfester ist ein Argument, das umgekehrt für First Data sprechen dürfte: Es soll nicht wenige Sparkassen geben, die seit Jahren schon die Produkte der First-Data-Tochter Telecash vertreiben statt die der B+S – was innerhalb des öffentlich-rechtlichen Verbunds gerne mal zu Knatsch führt. Würde man nun die BS Payone mit Telecash zusammenführen, wäre dieses Problem auf elegante Weise gelöst.

Übrigens verbindet auch First Data bzw. Telecash und Ingenico bzw. Easycash eine gemeinsame Vergangenheit. Der US-Payment-Riese war in den frühen Nullerjahren  nach Deutschland gekommen und hatte 2003 zunächst Telecash (von der Telekom) sowie 2006 den Kartenabwickler GZS (von den Banken) übernommen. Die damalige GZS-Tochter Easycash musste im Zuge der Übernahme aber gleich wieder verkauft werden – ansonsten hätte das Bundeskartellamt dem Deal die Zusage verweigert, weil Telecash und GZS/Easycash im deutschen Netzbetrieb auf einen Marktanteil von über 50 Prozent gekommen wären. Und so landete Easycash schließlich (über den Umweg Warburg Pincus) bei Ingenico.

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