Exklusiv: Warum die Deutsche Bank plötzlich zwei Millionen Kunden weniger hat

Von Heinz-Roger Dohms

Ist Ihnen mal aufgefallen, dass im Zuge der Verschmelzung von Deutscher Bank und Postbank jetzt immer von „20 Mio. Privatkunden“ die Rede ist (alternativ findet sich die Formulierung „mehr als 20 Mio. Privatkunden“). Das ist mathematisch insofern bemerkenswert, als auf der 2016er HV in Bezug auf die Deutsche Bank noch von „über acht Millionen Privatkunden“ (hier als Beleg das entsprechende Manuskript als PDF) die Rede war, während es in Bezug auf die Postbank noch vor wenigen Jahren hieß, das Bonner Institut komme „nach eigenen Angaben“ auf 14 Millionen Kunden. (hier ein entsprechender Wiwo-Artikel aus 2012 und ein MM-Artikel aus 2016). Schlicht gefragt: Seit wann sind 8 plus 14 gleich 20?

Oder anders gewendet: Wie kann es sein, dass der Deutschen Bank und der Postbank binnen weniger Jahre und im Zuge ihrer Verschmelzung offenbar irgendwie bis zu 2 Mio. Kunden abhandengekommen sind?

  1. Ein Teil dieser Summe ist – so hören wir – auf einen technischen Effekt zurückzuführen. Rund 900.000 Kunden, die der Deutschen Bank AG zugeordnet sind (und nicht dem neuen Deutsche-Bank-Postbank-Vehikel), werden bei der Kommunikation der neuen Privatkunden-Zahlen ausgeklammert.
  2. Zudem zählt die Deutsche Bank jene Kunden, die bei beiden Häusern Konten haben bzw. hatten, einzeln und nicht doppelt.
  3. Und schließlich haben die Deutsche Bank und die Postbank ihre Kundenzahlen früher offenbar kräftiger nach oben gerundet, als sie das heute tun (so hören wir das jedenfalls, belegen können wir es nicht)

Dennoch wird im Umfeld der Deutschen Bank nicht bestritten, dass in den letzten drei, vier Jahren auch Kunden ganz einfach abgewandert sind. Und zwar nicht wenige! „Finanz-Szene.de“ geht davon aus, dass es sich zumindest um mehrere Hunderttausend handelt. Wenn also wieder einmal die Frage gestellt wird, wo die vielen Neukunden zum Beispiel der ING Diba, der DKB oder der Comdirect herkommen, dann lautet die Antwort: nicht zuletzt von der Deutschen Bank und von der Postbank.

Auf der Postbank-Homepage übrigens lässt sich sogar nachlesen, dass das Institut Ende 2015 noch 5,25 Mio. Girokonten zählte, während es im Herbst 2017 nur noch 4,97 Mio. waren. Dazwischen lag freilich eine ordentliche Erhöhung der Kontoführungs-Gebühren, was der ganzen Debatte einen weiteren, nicht ganz unwichtigen Aspekt hinzufügt: Mit den 4,97 Mio. Kunden dürfte die Postbank heute deutlich mehr Ertrag machen als zuvor mit den 5,25 Mio. Kunden.

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