Exklusiv: Wie hoch (bzw. niedrig) der Cash-burn von N26 wirklich ist

Von Heinz-Roger Dohms

Das deutsche Vorzeige-Fintech N26 hat für den Aufbau einer Direktbank mit eigener IT-Infrastruktur, Bafin-Lizenz, 150 Mitarbeitern und 300.000 Kunden noch nicht einmal 20 Mio. Euro gebraucht. Diese spektakuläre Rechnung lässt sich aufmachen, nachdem das Berliner Startup dieser Tage im Bundesanzeiger seinen 2016er-Abschluss veröffentlich hat. Addiert man den Fehlbetrag jenes Jahres mit den Verlusten aus 2013 bis 2015, so zeigt sich, dass N26 in den ersten knapp vier Jahren seines Bestehens gerade einmal 19,6 Mio. Euro verbrannt hat. Das heißt, runtergebrochen auf den einzelnen in dieser Zeit gewonnenen Kunden lag der Cash-burn bei lediglich rund 65 Euro.

Zwar lässt sich daraus nicht automatisch auf die Akquisitionskosten pro Kunde schließen, plausiblerweise dürften diese allerdings deutlich unter den 65 Euro liegen. Zum Vergleich: Etablierte Banken lassen sich die Gewinnung eines Kunden nach Angaben aus der Branche grob gesagt zwischen 100 und 300 Euro kosten, teilweise angeblich sogar noch mehr. Ein prominentes Beispiel ist die Commerzbank, die Neukunden seit Jahren mit Direktzahlungen von zeitweise bis zu 150 Euro lockt. Bei der Postbank sollen sich die diversen Prämien aus Kundensicht sogar mal auf 250 Euro addiert haben.

Nun ist Kunde natürlich nicht gleich Kunde. Und über die Frage, wie viele User ihr N26-Konto wirklich als primäre (und damit für die Bank meist lukrative) Bankverbindung nutzen, wird in der Branche viel spekuliert. Hinzu kommt:  Da N26 noch keine Gewinn- und Verlustrechnung zu veröffentlichen braucht, lässt sich nicht nachzuvollziehen, ob N26 mit seinen Stammkunden wirklich schon Geld verdient, wie Gründer Valentin Stalf gern behauptet. Doch trotz alledem: Unter dem Strich bleibt die Erkenntnis, dass die Kundenakquisitions-Kosten bei dem Berliner Fintech gemessen an der übrigen Bankenbranche extrem niedrig sein müssen.

Wie war es 2017? Dafür, dass die Kosten pro Kunden dramatisch raufgegangen sind, spricht wenig – in absoluten Zahlen allerdings dürfte sich der Cash-burn im Vergleich zum Vorjahr ein gutes Stück erhöht haben, zumal N26 ja einen recht aggressiven internationalen Expansionskurs fährt und mittlerweile rund 350 Mitarbeiter hat und nach Berechnungen von „Finanz-Szene“ mehr als 750.000 Kunden haben müsste. In diesem Zusammenhang allerdings kommt eine zweite Kennziffer aus dem 2016er-Abschluss ins Spiel: Zum Jahresende verfügte N26 immer noch über eine Eigenkapitaldecke von gut 26 Mio. Euro, eine Folge der rund 35 Millionen Euro schweren „Serie B“-Finanzierungsrunde Mitte des Jahres. Zumindest zum damaligen Zeitpunkt war das Berliner also sehr auskömmlich kapitalisiert.