Gästeblog: Der IoT-Coup von Munich Re zeigt, dass die Versicherer den Banken voraus sind

Von Ralf Keuper

Das wirkt nur auf den ersten Blick ungewöhnlich: Der Rückversicherer Munich Re erwirbt für 300 Millionen Dollar das IoT-Startup Relayr, wie in Munich Re zahlt für Berliner Start-up 300 Millionen Dollar berichtet wird.

Der Versicherer begründet seine Kaufentscheidung damit, auf diese Weise das eigene Wissen im Bereich Internet of Things zu vergrößern. Das IoT wird auch für die Versicherer immer wichtiger – z.B. im Bereich Predictive Maintenance oder ganz allgemein, wenn es darum geht, Schadensfälle in der Fabrik oder im Smart Home vor ihrem Eintreten zu erkennen.

Vor einiger Zeit sagte mir der Vertreter einer großen regionalen Versicherungsgesellschaft, dass die Themen IoT und Blockchain für Industrieversicherer großes Potenzial haben, was für mich zu dem Zeitpunkt noch neu war. Mittlerweile ist das eigentlich nur logisch und konsequent.

Hier ist Munich Re weiter als die Banken. Wenn die Digitalisierung dazu führt, dass aus Daten wieder Dinge werden, dann sind Versicherer und Banken gut beraten, sich das nötige Know How anzueignen und sich an dieser Schnittstelle zu positionieren.

In seinem Buch Sinnvoll Wirtschaften vertrat Peter F. Drucker die Ansicht, das Wissen bestimme das Unternehmen:

Wissen bestimmt ebenso so das Unternehmen, wie der Kunde das Unternehmen bestimmt. Waren und Leistungen sind letztlich Mittel für den Austausch von Kaufkraft der Abnehmer gegen unternehmerisches Wissen.

Drucker empfahl den Unternehmen regelmäßig eine Wissensanalyse durchzuführen und dabei folgende Fragen zu beantworten:

  1. Besitzen wir das richtige Wissen? Konzentrieren wir uns auf die Bereiche, in denen die Ergebnisse zu erwarten sind? … Verfügt das Unternehmen über das für die Erreichung einer führenden Marktstellung nötige Wissen? Über ein Wissen, das dort Belohnung suchen kann, wo der Markt Spitzenleistungen hoch bewertet?
  2. Werden wir wirklich für das Wissen bezahlt, das wir anderen liefern? 
  3. Ist unser Wissen in ausreichendem Maß in unseren Produkten und Leistungen verkörpert?
  4. Wie können wir unsere Wissensverwertung steigern? Woran fehlt es? Wie können wir den Mangel beseitigen?

Es hat den Anschein, als hätte Munich Re diese Fragen für sich beantwortet.

Verfügen die Banken über das nötige Wissen, um in der Industrie 4.0 noch eine relevante Rolle spielen zu können? Können Banken im Risikomanagement überhaupt noch Spitzenleistungen erzielen – reicht die Wissensbasis? Werden Banken wirklich noch für das Wissen bezahlt, das sie anderen liefern – welches wäre das?

Der Artikel erschien zuerst bei „Bankstil“.

*Ralf Keuper ist selbständiger Consultant – und einer der renommiertesten deutschen Finanzblogger. In seinem Blog „Bankstil“ analysiert er seit Jahren einen (so Keupers großes Credo) „Stilwandel im Banking, der weit über das Thema Technologie hinausgeht“

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