Kurz gebloggt: Was verbirgt sich hinter den Jubelmeldungen über Revolut?

Von Heinz-Roger Dohms

Ein eigentlich wohlmeinender Artikel des „Handelsblatts“ über den N26-Rivalen Revolut (Kernaussage: „Revolut will zum Amazon des Bankings werden“) könnte gestern ausgerechnet bei N26 für Freude gesorgt haben. Denn: Vergleicht man den aktuellen Artikel mit dem bis dato letzten Artikel (Kernaussage: „Revolut wird zum Bankenschreck“, HB, Aug. 2018)  und dem bis dato vorletzten (Kernaussage: „Gründer will Revolut zum Amazon des Bankings machen“, HB, Nov. 2017), dann zeigt sich, dass die Briten ihren selbst gesteckten Zielen in Wirklichkeit deutlich hinterherhecheln. Zumal: Stimmt die gestern überall verbreitete Meldung, Revolut habe nun eine Banklizenz, überhaupt?

Konkret:

1.) Laut dem Artikel aus dem November 2017 hatte Revolut-Gründer Storonski seinerzeit „eine europäische Vollbanklizenz bei der Aufsicht in Litauen beantragt. Zitat: „Wir rechnen damit, dass wir die Lizenz im ersten Halbjahr 2018 erhalten.“ Tatsächlich hat Revolut allerdings erst diese Woche eine Lizenz bekommen, was übrigens der Anlass für den neuerlichen Artikel war – also mit mindestens fünfeinhalb Monaten Verspätung.

2.) Zudem ist im aktuellen Artikel nicht mehr von einer „Vollbanklizenz“ die Rede, sondern nur noch von einer „spezialisierten Banklizenz“. So ganz klar ist uns der Unterschied zwar nicht, aber ein paar Einschränkungen scheint das Ganze in jedem Fall mit sich zu bringen. Und: Nachdem wir uns gestern so ein bisschen auf der Webseite von Revolut umgesehen haben, beschlich uns der Eindruck, dass Erhalt und Anwendung einer Lizenz zwei ziemlich unterschiedliche Dinge zu sein scheinen. Doch lesen Sie selbst:

„Now, it’s worth pointing out that nothing is going to change right away. Despite being granted with a licence, this does not automatically turn us into a bank right away.

In the coming months, we’ll be doing a lot of building and testing behind the scenes, and working closely with the regulators to have any restrictions on our licence removed, so that we can launch full current accounts, overdrafts and everything else you’d expect from a bank.“

3.) Der Marktstart in den USA, Australien, Kanada, Neuseeland und Singapur ist laut dem aktuellen Artikel  „für das kommende Jahr“ geplant. Das ist (abgesehen davon, dass wir inzwischen ein Jahr weiter sind) genau dieselbe Ankündigung, die der Revolut-Gründer gegenüber dem „Handelsblatt“ auch schon im November 2017 gemacht hatte: „Im kommenden Jahr werden wir nach Nordamerika, Asien, Australien und Neuseeland expandieren.“

Nun betonen wir hier bei „Finanz-Szene.de“ ja regelmäßig, dass auch bei N26 nicht alles nach Plan läuft, siehe unser Artikel „Eine kleine Exegese des Bloomberg-Interviews von N26-Chef Valentin Stalf“ aus diesem Sommer …

Eine kleine Exegese des Bloomberg-Interviews von N26-Chef Valentin Stalf

… und trotzdem fallen beim Vergleich von N26 und Revolut zwei Dinge auf:

1.) Dass Revolut die Sache mit der Vollbanklizenz nicht so richtig hinkriegt, ist irgendwie erstaunlich. N26 hat eine solche seit fast zweieinhalb Jahren.

2.) Bei der Kundenzahl führt Revolut zwar mit 3:2 (jeweils in Millionen). Allerdings scheint die Traction bei N26 nicht unbedingt schlechter zu sein. Denn die Berliner brauchten  für die zweite Million sechs Monate, Revolut für die zweite und dritte Million zusammen zwölf Monate. Klar: Was die Wertigkeit der N26-Kunden angeht, setzen wir ja ab und an mal ein Fragezeichen. Bei Revolut indes würden wir aus dem Bauch heraus eher zwei setzen.

Drum: In ebenjenem Bauch regt sich allmählich die Frage: Auch wenn Revolut (angeblich) mehr Kunden hat und (angeblich) besser gefundet ist,  kann es sein, dass N26 solider gebaut wurde und das Rennen auf Strecke gewinnen wird?

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