Projektname „Copernicus“: Wie konkret sind die Coba-Pläne für eine europäische Digitalbank?

Von Heinz-Roger Dohms

Es war ein hübscher kleiner Scoop, der aber so ein bisschen unterging: Die  Commerzbank denke über die Gründung eine europaweiten Digitalbank nach, war im März in der „Wirtschaftswoche“ zu lesen. Unklar blieb: Sind die Pläne wirklich konkret? Eine Antwort auf diese Frage findet sich nun (sofern“Google Translate“ keinen Mist erzählt) in einem offenbar seriös recherchierten Artikel der polnischen Wirtschaftszeitung „Puls Biznesu“. Sie lautet: Die Pläne sind erstaunlich konkret! Denn dem Bericht zufolge arbeiten bei der hippen Warschauer Coba-Tochter mBank Dutzende Leute an dem „Copernicus“ genannten Projekt. Wie es weiter heißt, liegt die Verantwortung für die Initiative direkt bei mBank-CEO Cezary Stypulkowski – Beleg für eine hohe Priorität. Und: Parallel sei auch in Frankfurt eine größere Truppe mit „Copernicus“ beschäftigt.

Im Umfeld der Coba heißt es zwar, bislang sei keine Entscheidung gefallen, wirklich mit einer neuen Direktbank auf europaweite Expansionstour zu gehen. Indes: Die Pläne würden in jedem Fall gut in die Zeit passen, schließlich gibt es da draußen auch schon ein paar ähnlich gelagerte Versuche: ->Erste Group/My George, –>Goldman Sachs/Marcus, ->Alior/Solarisbank. Hier weitere Details aus dem „Puls Biznesu“-Artikel:

  • Die Idee soll in Warschau entstanden sein, sei in Frankfurt aber rasch auf großes Interesse gestoßen
  • Tatsächlich ist es offenbar die mBank, die das Projekt technologisch und inhaltlich vorantreibt. Als Beleg für die digitale Schlagkraft des Instituts wird angeführt, dass die mBank schon jetzt grenzüberschreitendes Lizenzgeschäft mit selbst entwickelten Retailbanking-Lösungen betreibe. Einer der Kunden: die französische Banque Postale
  • Spätestens wenn es ernst würde, bräuchte die polnische Tochter allerdings die Unterstützung der deutschen Mutter, nicht nur wegen der benötigten Kapitals, sondern auch in regulatorischer und politischer Hinsicht
  • Der Artikel spekuliert auch darüber, wo die letzten Endes europaweit tätige „mBank powered by Commerzbank“ zuerst livegehen könnte. Das wäre dann vermutlich (so heißt es jedenfalls) Deutschland, womöglich gefolgt von Österreich, Frankreich und Benelux
  • Was könnte die Commerzbank veranlassen, das Projekt letztlich doch zu stoppen? Auch dieser Frage geht der Bericht nach. Ein Punkt: Die neue Bank würde frühestens nach fünf Jahren Gewinn abwerfen. Nicht die sicherste Perspektive