Exklusiv: Payment-Fintech „Sofortüberweisung“ macht fast 60 Prozent Ebit-Marge

Von Heinz-Roger Dohms

Was passiert eigentlich, wenn so ein Fintech nicht mehr nur ein Versprechen ist? Sondern eine Erfüllung. Wenn sich die Produkte also am Markt etabliert haben.  Und wenn die Digitalisierung schließlich ihren Dienst tut – sprich: wenn die erhofften Skaleneffekte einsetzen.

Was dann passiert, lässt sich am Beispiel der Sofort GmbH studieren. Das ist jenes 2005 gegründete Münchner Payment-Unternehmen, das sich in vielen Online-Shops hierzulande längst als Alternative zu Kreditkarte, Rechnung, Lastschrift oder Paypal etabliert hat. Zwar gehört die Sofort GmbH mittlerweile zu Klarna, dem schwedischen Fintech-Unicorn. Allerdings fertigt die Firma immer noch brav und regelmäßig einen eigenen Jahresabschluss an. Der für 2017 ist dieser Tage offengelegt worden. „Finanz-Szene.de“ hat ihn analysiert, zudem mit Insidern gesprochen – und kommt zu folgenden Ergebnissen:

  • Die Sofort GmbH erwirtschaftete 2017 Umsatzerlöse in Höhe von gut 58 Mio. Euro. Der überwiegende Teil dieses Umsatzes stammte aus einem einzigen Produkt, nämlich der „Sofortüberweisung“ (es handelt sich beim Umsatz also quasi um jene Gebühren, die die Händler an die Sofort GmbH zahlen, wenn der Endkunde „Sofortüberweisung“ nutzt).
  • Den Umsatzerlösen standen im wesentlichen zwei Kostenblöcke gegenüber, nämlich Personal (14,9 Mio. Euro) und „Sonstige betriebliche Aufwendungen“ (8,8 Mio. Euro).
  • Unterm Strich kam die Sofort GmbH auf ein operatives Ergebnis von rund 34 Mio. Euro – und damit auf eine spektakuläre Ebit-Marge von fast 60 Prozent.

Auffällig ist dabei, dass die Aufwendungen seit einigen Jahren kaum noch steigen …

Quelle: Jahresabschlüsse

Quelle: Jahresabschlüsse

… während das Rohergebnis (das grob gesagt den Umsatzerlösen entspricht) geradezu explodiert ist:

Quelle: Jahresabschlüsse

Da die Sofort GmbH 2015 von Klarna übernommen wurde und ungefähr zu jener Zeit auch Erlöse und Kosten beginnen auseinanderzulaufen, stellt sich die Frage: Wo stünde Sofort heutzutage „standalone“? Beziehungsweise: Welcher Anteil der Ebit-Marge ist hausgemacht? Beziehungsweise: Ist die spektakuläre Marge überhaupt „echt“?

Tatsächlich sollen wesentliche Zentralfunktionen (Finanzen, HR und Marketing) zumindest teilweise auf die schwedische Klarna AB übertragen worden sein; andere Aufgaben wie den Vertrieb soll wiederum die deutsche Klarna GmbH (die ebenfalls oberhalb der Sofort GmbH angesiedelt ist) wenigstens teilweise übernommen haben. Dabei bildet die Mutter diese Funktionen natürlich nicht kostenlos ab. Stattdessen dürften die Dienstleistungen intern verrechnet werden – und sich in den „sonstigen betrieblichen Aufwendungen“ der Sofort GmbH wiederfinden.

Dass dieser Kostenposten nicht einmal leicht steigt, ist zum einen mit Synergien zu erklären. Und zum anderen: Das Bezahlmodell „Sofortüberweisung“ lebt davon, dass die Sofort GmbH per API-Schnittstelle auf das Konto des Endkunden zugreift. Bevor die neue europäische Zahlungsrichtlinie PSD2 in Kraft trat, war diese Methode umstritten – entsprechend üppig dürften die Rechts- bzw. Lobbying-Kosten der Sofort GmbH gewesen sein. Denkbar, dass dieser Kostenblock zuletzt abgeschmolzen ist.

Kurzum: Die Ebit-Marge von fast 60% dürfte echt sein – auch wenn sie ohne Klarna vermutlich nicht ganz so hoch wäre. Betriebswirtschaftlich gesprochen, liegt das Geheimnis der Sofort GmbH vermutlich darin, dass die „Herstellungskosten“ (Fachbegriff: COST, Cost of Goods Sold) für die Sofortüberweisung gen Null gehen, das Rohergebnis also mittlerweile fast den Bruttoerlösen entspricht.

Vielleicht sind „die 60%“ also noch nicht einmal das letzte Wort.

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