Ertragslage-Monitor (#3/2026)

Deutsche Fintechs haben Erträge im Jahr 2024 auf mehr als 3 Mrd. Euro gepusht

Das Wachstum der deutschen Fintech-Branche ist zwar grosso modo intakt – schwächt sich aber allmählich ab und wird inzwischen wesentlich von einigen wenigen Dickschiffen getragen. Wie aus dem dritten Teil unseres Ertragslage-Monitors hervorgeht, addierten sich die Erträge jener deutschen Fintechs, die eine GuV veröffentlichen, im Geschäftsjahr 2024 auf exakt 3,376 Mrd. Euro. Das entsprach einem Plus von 27%, verglichen mit Wachstumsraten von 48% bzw. 40% in den beiden Vorjahren.

Da kleinere bzw. unregulierte Finanz-Startups ihre Umsatzerlöse nicht publizieren müssen (und sich mit Smava zumindest ein großes Fintech der Veröffentlichungspflicht beharrlich verweigert), liegen die tatsächlichen Gesamterträge zwar etwas über dem ermittelten Wert – dennoch gehen wir davon aus, mit unserer Methodik inzwischen 80-90% der im Bankenumfeld erwirtschafteten Fintech-Umsätze zu erfassen.

Die größten Umsatzsprünge machten Trade Republic (+78% auf 340 Mio. Euro), Auxmoney (+54% auf 265 Mio. Euro), Raisin (+43% auf 248 Mio. Euro) und Scalable Capital (+38% auf 157 Mio. Euro) – während andere große Player wie Solaris oder Mambu ertragsseitig kaum noch vorankamen.

Ebenfalls auffällig: Während inzwischen neun hiesige Fintechs auf drei- bzw. vierstellige Millionenumsätze kommen, bewegten sich gerade mal fünf in einer Range von 20-100 Mio. Euro. Auch wenn der ein oder andere wachstumsstarke Player (Pliant, HawkAI, Upvest …) früher oder später in diese Sphäre hineinwachsen dürfte, scheint die deutsche Fintech-Branche insgesamt doch so etwas wie ein Scale-up-Problem zu haben.

In unserer großen Übersicht erfahren Sie, welches Fintech inzwischen auf welche Erträge kommt, wer wie stark wächst und welche acht Player bereits (juchhu!) profitabel sind – bitte sehr:

Methodische und sonstige Anmerkungen:

  • Wir haben uns – wie immer bei unseren Fintech-Überblicken – auf jene Finanz-Startups kapriziert, die 1.) tendenziell nach 2010 gegründet wurden (Ausnahmen: Auxmoney, Ratepay) und die 2.) tendenziell im Banking-, Investment- oder Zahlungsverkehrs-Kontext agieren (weshalb z.B. Clark fehlt).
  • Bei einigen Fintechs – darunter mit Auxmoney auch ein Schwergewicht – haben wir erstmals aussagekräftige Ertragszahlen, sodass unsere Liste diesmal umfangreicher ist als in den Vorjahren.
  • Bei den Fintechs, die wie Banken bilanzieren, haben wir Zinserträge und Provisionserträge addiert (also tatsächlich die reinen Erträge, nicht die Überschüsse); bei den übrigen Fintechs setzen sich die Erträge wesentlich aus den Umsatzerlösen zusammen. Die sonstigen betrieblichen Erträge haben wir bis auf zwei Ausnahmen in unsere Berechnungen einfließen lassen.
  • Trade Republic bilanziert per Ende September, es handelt sich bei den Zahlen um das Geschäftsjahr 09/23 bis 09/24. Mambu bilanziert per Ende Oktober, hier reicht das Zahlenwerk analog also von 10/23 bis 10/24. Die C24 Bank bilanziert per Ende März, hier reicht das Zahlenwerk sogar von 03/24 bis 03/25.
  • Bei Liqid laufen die eigentlichen Erträge über die Tochter Liqid Asset Management GmbH, das Jahresergebnis stammt indes von der Mutter Liqid Investments GmbH. Bei Ginmon haben wir die Zahlen ebenfalls aus zwei Abschlüssen zusammengesucht: Die Umsätze von der Tochter Ginmon Vermögensverwaltung, das Jahresergebnis von der Mutter Ginmon GmbH.
  • Bei Finanzguru stellen die sonstigen betrieblichen Erträge wesentlich Leistungen für den nicht konsolidierten Versicherungsservice dar, die Umsätze aus dem Versicherungservice sind jedoch nicht im Abschluss konsolidiert und lassen sich auch dem Abschluss der Tochter nicht entnehmen. Da letztere mittlerweile gut die Hälfte der Gesamtumsätze ausmacht, dürften diese insgesamt bei etwa 30 Mio. Euro gelegen haben.
  • SumUp immer noch als „deutsches“ Fintech zu bezeichnen, ist natürlich abenteuerlich – aber „abenteuerlich“ muss ja manchmal erlaubt sein.
  • Mit Moss fehlt ein vermeintlich wachstumsstarker Player in der Liste – was daran liegt, dass die übergeordnete Mutter Nufin per Mitte Mai noch keinen Abschluss für 2024 veröffentlicht hatte.

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