Exklusiv: Kommen jetzt die Robo-Adviser mit menschlichem Antlitz?

Von Heinz-Roger Dohms

Jetzt will also auch die Commerzbank einen eigenen Robo-Advisor an den Markt bringen. Wobei: Hat sie das nicht längst getan?

Im Mai war bekanntlich der „Cominvest“-Roboter gestartet. Der allerdings gehört nicht direkt zur Commerzbank, sondern zur Tochter Comdirect. Wichtiger indes: Um den Überblick zu bewahren, sollte man weniger zwischen Mutter und Tochter unterscheiden. Sondern zwischen Robo und Robo. Denn wenn wir die Dinge richtig deuten, dann geht das, was die Commerzbank da  plant, über das, was die Comdirect jetzt schon macht, ein gutes Stück hinaus. Womöglich entsteht sogar eine (zumindest marketingmäßig) neue Produktkategorie: der Robo-Advisor mit menschlichem Antlitz.

Warum ist das so: Auch wenn die heutigen Robos sich „Advisor“ nennen, sind sie bei Lichte betrachtet keine Vermögensberater, sondern Vermögensverwalter. Damit bleibt ihr potenzieller Addressatenkreis jedoch begrenzt. Denn viele klassische Private-Banking-Kunden hierzulande ziehen die Beratungslösung dem Verwaltungsmandat traditionell vor. Man will schließlich das letzte Wort haben! Für die Banken ist die Beratung jedoch tendenziell teurer als die Verwaltung – zumal in Zeiten umfassender Protokollpflichten. Das, was der Kunde will, rechnet sich für die Banken also nicht.

Kann der Robo dieses Problem lösen? Zumindest scheint dies das Kalkül der Commerzbank zu sein. Denn technisch, so ist zu hören, soll die eigene digitale Vermögensverwaltung zwar auf der „Cominvest“-Lösung der Comdirect aufsetzen. Neben dem einfachen Robo-Angebot soll es darüber hinaus jedoch ein weiteres Angebot geben, das – wenn man der klassischen Dichotomie „Verwaltung vs. Beratung“ folgt – dann tatsächlich eher der Beratungslösung entspricht. Beispielhaft gesprochen würde das bedeuten: Es ist zwar der Roboter, der den Kunden mit regelmäßigen Anlagevorschlägen versorgt. Doch wenn sich der Kunde bei einer Investmententscheidung mal unsicher fühlt – dann kann er trotzdem einen menschlichen Berater anrufen.

So ähnlich praktiziert das die UBS bereits in der Schweiz. Und angeblich arbeitet die eidgenössische Großbank auch schon an einer entsprechenden Lösung für den deutschen Markt. Vielleicht gibt es nächstes Jahr also bereits zwei Robos mit menschlichem Antlitz.