18/12/18: Deposit paktiert mit Quirion, Der erste Robo-Tod, Die Schrumpf-Filialen

Kann es sein, dass die Commerzbank, wenn sie moderne Filialen sagt, billige Filialen meint?

Wenn die „FAZ“ über die beiden großen deutschen Banken schreibt, verfällt sie gern ins Analogische. „Commerzbank nimmt sich Spotify zum Vorbild“, heißt es dann. Oder: „Wie die Deutsche Bank von Amazon und Airbnb lernt.“ Oder, aktuelles Beispiel: „Bald könnte die Commerzbank wie eine Starbucks-Filiale aussehen.“ Liest man den gestrigen Artikel allerdings komplett, drängt sich der Eindruck auf, die Coba lasse sich bei ihrem Filialkonzept weniger von Starbucks leiten – sondern mehr vom 0-8-15-Mobilfunk-Shop um die Ecke. Motto: Hauptsache klein! Wörtlich  wird die zuständige Coba-Architektin Fleckenstein in dem Artikel nämlich wie folgt zitiert: „Unsere Filialen sind im Durchschnitt viel zu groß. Statt 300 bis 400 Quadratmeter peilen wir für die meisten 80 bis 100 Quadratmeter an.“ Auf Nachfrage von „Finanz-Szene.de“ revidiert die Coba diese Aussage zwar. Und doch sieht es so aus, als ob die Gelbbank, wenn sie von moderneren Filialen spricht, inzwischen vor allem kleinere Filialen meint. Unsere Analyse: Finanz-Szene.de

Sponsored Content

Vor allem zu Weihnachten ist gemeinsame Zeit die wichtigste Währung. Da kommt unsere Lösung zur Digitalisierung des Konsumentenkredits doch gerade recht. Mit diesem können alle relevanten Dokumente in Echtzeit ausgelesen werden. Kreditanträge waren noch nie so einfach! Am besten selbst einfach mal ausprobieren: https://kreditantrag.gini.net
Gini wünscht magische Weihnachten!

News

Exklusiv: Sind auch Sie gestern über die Meldung gestolpert, dass nach den Sparkassen auch die Volks- und Raiffeisenbanken beim Identitätsdienst „Yes“ mitmachen? Nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ ist die eigentliche News sogar eine deutlich spektakulärere: Denn wie wir gestern Abend irgendwie noch in Erfahrung gebracht haben, sind die Genos (über die Fiducia) und die Sparkassen sogar als Gesellschafter bei „Yes“ eingestiegen. Das ist bemerkenswert, weil sich a) Rot und Blau damit erstmals gemeinsam an einem Startup beteiligen. Und b), weil sich die Genos und die Sparkassen damit in direkte Konfrontation zur Deutschen Bank begeben. Denn die hat sich ja bekanntlich dem „Yes“-Konkurrenten Verimi verschrieben. Spannend – auch wenn nicht wenige in der Branche sagen, letztlich werde sich weder Verimi noch Yes durchsetzen.

Exklusiv: Der  Spareinlagen-Vermittler Deposit Solutions („Zinspilot“, „Savedo“) erweitert sein Geschäftsmodell – und bietet in Zukunft neben Tages- und Festgeld erstmals auch ein Investmentprodukt an. Dafür kooperiert das mehr als 400 Mio. Euro schwere Hamburger Fintech nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ mit dem Robo-Advisor Quirion der Berliner Quirin Bank. Konkret wird das Quirion-Angebot zunächst bei Savedo eingebaut. Allerdings ist davon auszugehen, dass Deposit Solutions den Robo-Berater früher oder später auch in seine andere B2C-Plattform integrieren wird, also bei Zinspilot. Lesen Sie hier alle Details – und was die Kooperation für die Robo-Branche bedeutet: Finanz-Szene.de

Und hierzu passend: Trotz der gescheiterten Robo-Versuche der deutschen Santander startet die Targobank (die der deutschen Santander ja nicht unähnlich ist) ihr eigenes Robo-Angebot. Der digitale Vermögensverwalter heißt Pixit und basiert auf einer Whitelabel-Lösung des größten hiesigen B2C-Robo-Advisors Scalable Capital (der damit also nun auch im B2B-Geschäft an Terrain gewinnt, nachdem er neulich ja schon die Whitelabel-Lösung für die Onlinetochter der spanischen Santander geliefert hatte). Handelsblatt (Paywall), Fondsprofessionell

Und dann haben wir noch einen (den ersten?) unabhängigen hiesigen Robo-Anbieter, der aufgibt, nämlich Werthstein: Die Schließung habe sich „als notwendig erwiesen, da sich die Geschäftszahlen seit unserem Markteintritt Anfang des Jahres leider nicht ausreichend entwickelt haben, um das Geschäft fortzuführen“, zitieren die Kollegen von Finews einen Manager des Unternehmens. Finews.ch

Ja, was denn nun, liebe Düsseldorfer? Nachdem wir gestern Morgen dem „Handelsblatt“ entnahmen, dass die Katarer (Kataris?) ihren Anteil an der Deutschen Bank aufstocken wollen, entnahmen wir am Mittag der Schwesterpublikation „Wirtschaftswoche“ (sich berufend aus „Reuters“), dass das überhaupt nicht stimmt. Gestern Abend unterstrich dann allerdings wiederum das „Handelsblatt“ auf Basis einer überzeugenden Quellenlage, das an der Sache sehr wohl was dran sei und die Kataris (Katarer?) sogar bei der Bafin vorgefühlt hätten. Wobei das natürlich noch lange nicht bedeutet, dass die Aufsicht einer Erhöhung der Anteile auch zustimmt. Handelsblatt (Paywall)

Und noch ein paar Kurzmeldungen: Standard Chartered hat jetzt eine deutsche Vollbanklizenz (Die Bank) +++ Die Hypo-Vereinsbank führt Instant Payment jetzt auch für Firmenkunden ein (Pressemitteilung)

Sponsored Content

Sie verspüren Wissensdurst rund um das Thema PSD2? Dann holen Sie sich das Whitepaper von NDGIT: „Guidelines für die PSD2-Einführung – Strategien und Optionen für Banken bei der Implementierung der PSD2.“
Hier geht’s zum Whitepaper:  https://nextdigitalbanking.com/psd2-whitepaper

Linktipps

Nachdem die Helaba am Freitag die Übernahme der deutschen Dexia für immerhin rund 352 Mio. Euro verkündet hat, haben wir hier uns mal die Mühe gemacht, unsere Übersicht über die größten Banken-Übernahmen hierzulande in den vergangenen Jahren auf den neuesten Stand zu bringen. Voilà: Finanz-Szene.de

Wir finden es ziemlich lobenswert, dass es wenigstens einen Payment-Experten da draußen gibt, der sich nicht hinstellt und „Apple ist super-cool und die Sparkassen sind super-doof“ brüllt (weil das ja alle brüllen), sondern der sich eine abweichende Meinung erlaubt. Und wer weiß, vielleicht hat Hanno Bender (das ist nämlich dieser eine) mit seiner Kritik an Apple ja auch rein inhaltlich nicht ganz Unrecht. Bargeldlos-Blog

Das solideste (oder zumindest: witzigste) Argument gegen Apple Pay kam am Wochenende von einem gewissen Jan Weber. Recht hat er, der gute Mann, oder finden Sie nicht? Twitter

Manchmal fragt man sich, wie es kommt, dass per se umgängliche Leute einen solchen Stuss erzählen – aber lesen Sie selbst: Kreditech-Gründer Sebastian Diemer über Feminismus, „Männer, die sich wie Männer benehmen“ und warum er von Berlin nach Frankfurt übersiedelt. Manager Magazin

In eigener Sache

Gestern ist uns dann doch die Spucke weggeblieben. Denn raten Sie mal, wer bei der Wahl zum „Wirtschaftsjournalisten des Jahres“ den 1. Platz in der Kategorie „Unternehmens-Berichterstattung“  belegt hat … Eine ziemliche Ehre für unseren kleinen Newsletter und alle, die seit dem Start im August 2017 an ihm mitwirken!  Als „Wirtschaftsjournalist des Jahres“ insgesamt wurden Rafael Buschmann und Michael Wulzinger („Spiegel“) für ihre „Football Leaks“-Recherchen ausgezeichnet. In der Kategorie „Wirtschaftspolitik und Gesellschaft“ gewann Rainer Hank („FAS“), bei „Finanzen & Verbraucher“ lag Hermann-Josef Tenhagen  („Finanztip“) vorn. Und „Wirtschaftsredaktion des Jahres“ ist das „Manager Magazin“.

Klickfavorit

… war am Freitag unser „Kurz gebloggt“ zu der Frage, was sich hinter den Jubelmeldungen über den N26-Konkurrenten Revolut verbirgt. Finanz-Szene.de

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Deposit Solutions paktiert mit Robo-Advisor Quirion

Von Heinz-Roger Dohms

Der  Spareinlagen-Vermittler Deposit Solutions („Zinspilot“, „Savedo“) erweitert sein Geschäftsmodell – und bietet in Zukunft neben Tages- und Festgeld erstmals auch ein Investmentprodukt an. Dafür kooperiert das mehr als 400 Mio. Euro schwere Hamburger Fintech nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ mit dem Robo-Advisor Quirion der Berliner Quirin Bank. Konkret wird das Quirion-Angebot zunächst bei Savedo eingebaut. Allerdings ist davon auszugehen, das Deposit Solutions den Robo-Berater früher oder später auch in seine andere B2C-Plattform integrieren wird, also bei Zinspilot.

„Über Savedo erreichen wir  Sparer, denen der direkte Zugang zu einer professionellen Vermögensverwaltung, wie Quirion sie bietet, fehlt“, sagte Quirin-Chef Karl-Matthäus Schmidt gestern im Gespräch mit „Finanz-Szene.de“. Savedo-Chef Christian Tiessen meinte umgekehrt, Quirion sei „eine sinnvolle Ergänzung unserer Produktpalette“. Dabei soll der Robo-Advisor zunächst noch kein integraler Bestandteil der Savedo-Plattform werden. Stattdessen würden die interessierten Kunden erst einmal nur von Savedo zu Quirion durchgeleitet. „Wir starten mit einer eher losen Kooperation, die im Laufe der Zeit dann aber immer dichter werden soll“, so Schmidt.

In der Kooperation, die am heutigen Dienstag offiziell verkündet werden soll, spiegeln sich zwei wichtige Entwicklungen in der hiesigen Fintech-Branche:

1.) Die großen deutschen Finanz-Startups expandieren nicht nur regional, sondern versuchen parallel auch ihre Produktpalette sukzessive zu erweitern. So startete der Berliner Deposit-Solutions-Konkurrent Raisin („Weltsparen“) schon im Frühjahr unter dem Namen „Weltinvest“ ein eigenes, Robo-artiges Investmentangebot. Die Idee dahinter ist so einfach wie plausibel: Als Vermittler von Spargeldern haben sowohl Deposit als auch Raisin in nur wenigen Jahren eine sechsstellige Zahl von Kunden gewonnen (was für Fintechs ungewöhnlich viel ist). Nun versuchen sie, diese klassische Zinsjäger-Klientel auch für höhermargige Anlageprodukte zu gewinnen.

2.) Von den mehr als zwei Dutzend Robo-Advisern hierzulande werden sich langfristig wohl nur jene durchsetzen, die über Vertriebskooperationen Zugang zu großen Kundenportfolien erhalten. Das Proto-Beispiel ist der Münchner Marktführer Scalable Capital, der dank der Zusammenarbeit mit der ING Diba inzwischen auf Assets under Management von mehr als 1 Mrd. Euro kommt. Nun ist Deposit Solutions natürlich kein so mächtiger Player wie die ING Diba. Und doch: Quirion hat allein durch die Kooperation mit Savedo plötzlich Zehntausende potenzielle Kunden zusätzlich – und das ohne Marketingaufwand. Freilich darf man davon ausgehen, dass irgendeine Form von Vermittlungsprovisions fließt bzw. dass die Erlöse aufgeteilt werden (so wie bei der ING Diba und Scalable). Denkbar scheint auch, dass die Quirin-Bank umgekehrt irgendwann den Zinsvergleich von Deposit Solutions bei sich integriert.

Quirion verwaltete zum Ende des dritten Quartals Vermögen in Höhe von 143 Mio. Euro. Damit waren die Berliner (die im Sommer den vielbeachteten Test der „Stiftung Warentest“ gewannen) laut den veröffentlichten Zahlen die Nummer vier im deutschen Markt hinter Scalable (>1 Mrd. Euro), dem Comdirect-Robo Cominvest (rund 400 Mio. Euro) und dem unabhängigen Berliner Anbieter Liqid (>300 Mio. Euro). Unklar ist, auf welche Assets das Deutsche-Bank-Angebot „Robin“ gut ein Jahr nach dem Start kommt. Allerdings herrscht unter Marktkennern Einigkeit darüber, dass die Frankfurter Großbank ihr selbst gestecktes Ziel (1 Mrd. Euro bis Ende 2018) deutlich verfehlt haben dürfte.

Exklusiv: Immer mehr deutsche Banken begraben ihre Robo-Projekte

Damit steht die Deutsche Bank freilich nicht allein. Die deutsche Santander brach ihre Robo-Kooperation mit dem Frankfurter Anbieter Vaamo still und leise ab, genauso verfuhr die Hamburger Sparkasse mit Investify. Diese Woche gab Werthstein bekannt, sein Angebot zum Jahresende einzustellen. Auch ganz generell gilt: Die anfangs große Euphorie um die Robo-Adviser ist zuletzt merklich abgeflaut; eine Prognose, wie sie die Management-Beratung Bain noch im April veröffentlichte (5% Marktanteil bis Ende 2020), muss inzwischen als illusorisch gelten. Stattdessen dürften die Nettozuflüsse angesichts der Verwerfungen an den internationalen Kapitalmärkten zuletzt eher gesunken als gestiegen sein.

Experten sagen, dass sich ein Robo-Advisor unterhalb eines verwalteten Vermögens von 1 Mrd. Euro kaum profitabel betreiben lässt. Darum dürften viele Robo-Adviser zumindest als B2C-Anbieter früher oder später verschwinden. Gut möglich, dass am Ende nur ein halbes Dutzend Player überleben.

Der Deal, den Quirion nun mit Deposit Solutions eingeht, könnte die Wahrscheinlichkeit, am Ende zu diesen Akteuren zu gehören, deutlich erhöhen. „Dass wir dieses Jahr mit Quirion noch keine schwarzen Zahlen schreiben, liegt auf der Hand. Allerdings sind wir mit unserer Entwicklung trotz der momentan schwierigen Lage an den Kapitalmärkten weiterhin gut im Plan“, sagte Quirin-Chef Schmidt. Dabei will er nicht ausschließen, auf Sicht einen Investor an Bord zu holen – die Voraussetzungen hierzu wurden jedenfalls im Sommer mit der rechtlichen Auslagerung des Robos aus der Quirin-Bank geschaffen. „Wir planen momentan keine externe Finanzierung, sind für diese Option aber grundätzlich offen.“

Die 15 größten deutschen Bankübernahmen der letzten 5 Jahre

Von Heinz-Roger Dohms

Während man in Niedersachen (und natürlich in Berlin beim DSGV) weiterhin hofft, die Helaba könnte doch noch für die NordLB bieten, hat ebenjene Helaba erst einmal anderweitig Fakten geschaffen: Für 352 Mio. Euro schnappt sie sich die Dexia Kommunalbank Deutschland – sprich: die hiesige Tochter des französisch-belgischen Kriseninstituts Dexia. Dabei hatte als Favorit zuletzt eigentlich die Aareal gegolten.

Hier die 15 größten deutschen Bankübernahmen der zurückliegenden fünf Jahre (falls unsere Liste nicht vollständig sein sollte, wären wir Hinweise dankbar!):

HSH Nordbank Cerberus/Flowers 1 Mrd. € 2018
Opel Bank PSA / BNP Paribas 900 Mio. € 2017
Südwestbank Bawag (Cerberus) 641 Mio. € 2017
BHF Oddo 600 Mio. € 2016
DAB BNP Paribas 435 Mio. € 2014
Dexia Kommunalbank Helaba 352 Mio. € 2018
Westimmo Aareal 350 Mio € 2015
OLB Apollo 300 Mio. € 2017
Hauck & Aufhäuser Fosun 210 Mio € 2016
Düsselhyp Aareal 162 Mio. € 2018
Ebase FNZ Group 151 Mio. € 2018
Fidor BPCE 100 Mio. € 2016
Wüstenrot Bank Apollo ? 2018
X.com / biw Bank Fintech Group ? 2015
Onvista Comdirect ? 2016

 

Meint die Commerzbank „billige Filiale“, wenn sie „moderne Filiale“ sagt?

Von Heinz-Roger Dohms

Wenn die „FAZ“ über die beiden großen deutschen Banken schreibt, verfällt sie gern ins Analogische. „Commerzbank nimmt sich Spotify zum Vorbild“, heißt es dann. Oder: „Wie die Deutsche Bank von Amazon und Airbnb lernt“. Oder, aktuelles Beispiel: „Bald könnte die Commerzbank wie eine Starbucks-Filiale aussehen.“ Liest man den aktuellen Artikel allerdings komplett, drängt sich der Eindruck auf, die Coba lasse sich bei ihren neuen Filialkonzepten weniger von Starbucks leiten – sondern vom 0-8-15-Mobilfunkshop ums Eck. Motto: Hauptsache klein!

Wörtlich  wird die zuständige Coba-Architektin Susanne Fleckenstein in dem Artikel nämlich wie folgt zitiert: „Unsere Filialen sind im Durchschnitt viel zu groß. Statt 300 bis 400 Quadratmeter peilen wir für die meisten 80 bis 100 Quadratmeter an.“ Auf Nachfrage von „Finanz-Szene.de“ revidiert die Commerzbank diese Aussage zwar (sprich: Frau Fleckenstein soll das so nicht gesagt bzw. nicht gemeint haben). Und doch spricht viel dafür, dass die Commerzbank, wenn sie von der „Modernisierung“ ihrer Filialen spricht, mittlerweile vor allem „Verkleinerung“ meint. Unsere Analyse:

1.) Die Ausgangslage

Jahrelang pflegte die Commerzbank die Mär, alle Banken hierzulande würden ihre Filialnetze ausdünnen, nur sie selber nicht.  So hieß es 2015 in einem Werbespot: „Immer mehr Banken schließen Filialen. Aber wir bleiben an Ihrer Seite. Commerzbank.“ Und der heutige CEO und damalige Privatkundenvorstand Martin Zielke sagte dazu passend in einem Interview: „Filialen zu schließen ist keine Strategie. Abbaupläne hat ein Unternehmen, das Kunden verliert. Wir wachsen.“

Die Wahrheit war freilich eine andere. Wie damalige Recherchen zeigten, machte die Commerzbank zwischen 2011 und 2015 ein Drittel ihrer mehr als 1500 Filialen dicht. Seitdem soll die Zahl allerdings einigermaßen stabil sein. Von rund 1000 Niederlassungen war zuletzt immer die Rede.

2.) Das neue Filialkonzept

Ende 2016 stellte die Commerzbank ihr „neues“ Filialkonzept vor. Damals hieß es, von den rund 1000 Niederlassungen würden „65 bis 100“ in sogenannte Flagship-Filialen umgewandelt, „300 bis 500“ in sogenannte City-Filialen mit reduziertem Beratungsangebot. Ein verstecktes Kostensenkungsprogramm sei das nicht, betonte Privatkundenchef Michael Mandel.

3.) Die Aussagen im FAZ-Artikel

Wie oben bereits angerissen, sagt die Coba-Architektin in dem Anfang dieser Woche veröffentlichten Interview:

„Unsere Filialen sind im Durchschnitt viel zu groß. Statt 300 bis 400 Quadratmeter peilen wir für die meisten 80 bis 100 Quadratmeter an.“

Der Artikel geht dann wie folgt weiter (allerdings nicht mehr als Zitat):

Dafür hat die Commerzbank einen neuen Standardfilialtyp „City“ geschaffen. Dort arbeiten in der Regel zwei bis drei Mitarbeiter, um den Grundbedarf der Kunden mit einfachen Finanzprodukten abzudecken.

Diese Aussagen lassen sich eigentlich nur wie folgt interpretieren:

  • Die „meisten“ (sprich: mehr als die Hälfte der noch rund 1000 Filialen) sollen in Zukunft um die 80 bis 100 Quadratmeter groß sein
  • Diese Filialen folgen allesamt dem „City“-Konzept
4.) Die Aussagen gegenüber „Finanz-Szene.de“

Genau dieser Interpretation widerspricht die Commerzbank jedoch auf explizite Nachfrage von „Finanz-Szene.de“:

  • Nein, die Mehrzahl der Filialen werde nicht bei „80 bis 100 Quadratmetern“ liegen, sondern irgendwo zwischen den „80 bis 100“ und den „300 bis 400 Quadratmetern“
  • Und nein, die „City-Filiale“ mit reduzierter Beratung werde nicht der Regelfall werden, sondern der Regelfall bleibe der Mischtyp, der zwischen „Flagship“- und „City-Filiale“ liege
5.) Unsere eigene Deutung

Mag sein, dass die Coba-Architektin sich missverständlich geäußert und die „FAZ“ das dann falsch bzw. ebenfalls missverständlich ausgelegt hat.

Allerdings hegen wir trotzdem den ganz starken Verdacht, dass es der Commerzbank bei ihrem Filialkonzept inzwischen sehr wohl in erster Linie ums Kostensenken geht (auch wenn Herr Mandel das damals zurückgewiesen hat). So liest es sich jedenfalls, wenn Frau Fleckenstein an einer Stelle des „FAZ“-Artikels sagt:

„Wir verkleinern wie gerade am Jungfernstieg in Hamburg an vielen Standorten die Fläche zum Teil um bis zu 75 Prozent und senken so die Mietkosten.“

Hierzu muss man wissen, dass die Filiale am Jungfernstieg natürlich keine piefige City-Filiale werden soll – sondern ganz im Gegenteil eine der edlen Flagship-Standorte, als deren Prototyp die  730 Quadratmeter große Coba-Filiale am Berliner Kudamm gilt.

In einem Mitte 2016 erschienenen Artikel im „Hamburger Abendblatt“ sagte der Commerzbank-Nord-Vorstand Frank Haberzettel:

„Wir werden bei laufendem Betrieb die rund 1000 Quadratmeter große Filiale am Jungfernstieg zu einem Flagship-Store umbauen.“

Von einer Reduktion der Quadratmeterzahl? Kein Wort. Stattdessen hieß es in dem Bericht: „Die neue Filiale, die erst 2019 fertig sein soll, wird sich durch eine sehr offene Raumarchitektur auszeichnen.“ Und weiter: „Das historische Flair soll erhalten bleiben, aber mehr Transparenz, Licht und Leichtigkeit das Erscheinungsbild bestimmen.“ Es geht in dem Artikel sogar um zwei „alteingesessene Einzelhändler“, die wegen der großen Pläne der Commerzbank weichen sollten.

Im August 2017, also gut ein Jahr später, las sich das in einem weiteren „Abendblatt“-Artikel, der wiederum auf einem Gespräch mit dem Manager Haberzettel beruhte, schon ein wenig anders:

Am Jungfernstieg kommt die Bank nach dem Umbau mit etwa einem Drittel weniger Fläche aus

Und nun also: Wird die Flagship-Filiale am Jungfernstieg plötzlich als Beispiel dafür angeführt, dass „Flächen zum Teil um bis zu 75 Prozent“ reduziert werden.

Das heißt natürlich nicht, dass die Jungfernstieg-Filiale höchstselbst um drei Viertel schrumpft. Aber es dürfte doch ein Hinweis darauf sein, welche Prioritäten die Commerzbank mittlerweile bei ihren Filialplänen setzt: Wo die Mietverträge eine Verkleinerung zulassen, wird verkleinert – egal ob „Flagship“, „City“ oder „Mischtyp“.