Die ultimative Analyse zur Apple Card

Von Steffen Hageturm (Pseudonym)*

Wenn es an der künftigen Ausrichtung von Apple noch Zweifel gab, sind sie seit dem Event von Montag beseitigt: Im Mittelpunkt der Neuerungen standen ausschließlich Dienste: Hardwareneuerungen gab es keine. Neben einer aufgebohrten News-App stellte Apple eine Spiele-Flatrate und  einen neuen Video-Streamingdienst vor. Und natürlich: die Apple Card, eine gemeinsam mit Mastercard und Goldman Sachs entwickelte Kreditkarte.

Wer die ganze Marketingfettschicht des Events einmal wegschneidet, kommt für Fintech-Experten auf letztlich zwei interessante Themen.

  • Erstens: die Erkenntnis, dass Apple Pay immer noch ein „vertrieblicher Häuserkampf“ ist.  Bis Ende des Jahres – dann also binnen fünf Jahren seit dem Start von Apple Pay in den USA – will Apple nach eigener Lesart seinen Bezahldienst in über 40 Ländern gelauncht haben. Da das iPhone in knapp doppelt so vielen Ländern offiziell verfügbar ist, ist noch einige Luft nach oben. Und selbst in den mehr als 40 Ländern sind ja beileibe nicht alle relevanten Banken dabei. Ein Blick nach Deutschland mit der großen Lücke der Geno-Banken und der Sparkassen zeigt dies sehr gut. Ob Apple dies als größeres Problem sieht, mag dabei durchaus fraglich sein, denn mit der Apple Card sollen in Zukunft möglichst viele Kunden an eine Karte kommen. Bonität vorausgesetzt.
  • Und damit sind wir beim zweiten Thema: die Apple Card selbst. Sie ist eine Art „Apple Pay 2.0“-Karte mit aus Nutzersicht deutlich verbessertem Funktionsumfang, die im Sommer 2019 in den USA starten soll. Die Frage dabei ist: wird es auch bei Apple Pay – ähnlich wie wir es u.a. schon von den Musik-Streamingdiensten kennen – eine Zweiklassengesellschaft geben? Wer Spotify im gesamten Apple-Kosmos nutzt, kennt die Probleme: Spotify per Siri Sprachsteuerung auf dem HomePod abspielen? Fehlanzeige, aber Apple Music läuft super. Die Spotify-App in vernünftigem Umfang auf der Apple Watch nutzen? Ebenfalls kaum möglich.

Die Frage ist jetzt: Passiert das gleiche im Payment-Sektor? Sprich: liefert Apple eine tolle Lösung mit vollem Funktionsumfang und eine abgespeckte Version von anderen Partnern? Möglich wäre es, denn die „letzte digitale Meile“ kontrolliert eben Apple, und diese letzte Meile wird immer wichtiger.

Die Apple Card – einfach nur alter Wein in neuen Schläuchen?

Aber zurück zum Anfang: Die Fakten rund um die Karte scheinen (nur) auf den ersten Blick betrachtet nicht wirklich spannend:

Fakt 1: Es handelt sich um eine MasterCard. Der Grund ist simpel: Apple Pay als Akzeptanzmarke am Point of Sale (POS) – Apple kann es noch so oft wiederholen – gibt es nicht. Akzeptiert sind hier Schemes wie MasterCard, Visa und Co.

Fakt 2: Es ist eine Co-Brand-Karte mit Goldman Sachs als ausgebende Bank, sprich als „Issuer“. Goldman Sachs soll laut dem „Wall Street Journal“ 200 Mio. US-Dollar in die Infrastruktur gesteckt haben, um jetzt im Retail-Banking richtig durchzustarten. Aber Co-Brand-Karten gibt es letztlich dutzendfach überall auf der Welt. Wir kennen in Deutschland etwa Co-Brand-Karten wie die ADAC-Kreditkarte, die von der Landesbank Berlin herausgegeben wird, oder die Lufthansa Miles&More-Karte von der DKB. Das heißt: Apple agiert hier nicht als Bank, sondern nutzt ein traditionelles Setup mit seinem eigenen Namen, aber einer Bank im Hintergrund. Das ist insofern bemerkenswert, weil Apple selbst konstatiert: „Geschaffen von Apple, nicht von einer Bank“ – interessant, dass diese Darstellung für Goldman Sachs akzeptabel ist. Offenbar ist das Geschäftsmodell aber so attraktiv, dass man nicht wegen solcher Kleinigkeiten streiten möchte und Apple den Auftritt dominieren lässt.

Fakt 3: Die Apple Karte enthält ein Loyalty-Programm. Dies ermöglicht direkte Cash-Kickbacks für den Kunden, Daily Cash genannt. 3% sind dies bei Einkäufen bei Apple, 2% mit Apple Pay bei Drittanbietern. Und mit der dazugehörigen Plastikkarte – ja, die gibt es noch – sind es 1%. Bitte keine Missverständnisse: Das wirkt für deutsche Verhältnisse hoch, doch ist dies kein Altruismus von Apple. Denn in den USA liegt die sogenannte  Interbankengebühr  – also der Betrag, der von den Händlern nach Zahlung mit der Kreditkarte an die  kartenausgebende Bank abgeführt wird – im Durchschnitt bei 2% für Kreditkarten,  in Europa bei 0,3%. Abweichendes gilt für Debitkarten. Die Höhe der Kickbacks ist daher nichts Besonderes für die USA, viele andere Loyalty-Systeme bieten diese jenseits des Atlantiks auch. Und selbst in Deutschland haben wir durchaus Loyalty-Systeme auf Kreditkarten mit relativ hohen Kickbacks. Ein gutes Beispiel ist die Amazon-Prime-Kreditkarte, die in Deutschland ebenfalls bis zu 3% Kick-back ermöglicht, zumindest so lange man im Amazon-Unviversum bleibt.

Fakt 4: Mit der Kreditkarte ist ein Kredit verbunden. Dieser wird laut dem Kleingedruckten mit 13,2% bis in der Spitze 24,2% verzinst. Der eine oder andere mag über die Höhe des Zinssatzes erstaunt sein, aber auch diese Höhe ist nicht ungewöhnlich für die USA. Und wenn man sich in Deutschland wichtige Co-Brand-Karten anschaut, sieht man auch hier hohe Zinsen im zweistelligen Bereich, wenn sie auch aus diversen Gründen nicht ganz so hoch sind wie bei der Apple Card. Mit diesem Kredit ist also auch das Geschäftsmodell recht simpel erklärt und könnte traditioneller nicht sein: die Nutzung der Karte als echte Kreditkarte. Eine gewisse Anzahl an Apple-Nutzern wird diesen wohl nutzen, und Goldman Sachs streicht einen attraktiven Zins ein. Davon wird dann – vermutet, aber nicht bewiesen – Apple, ähnlich wie beim Interbankenentgelt, einen guten Schluck aus der Ertrags-Pulle bekommen. Und da ist es dann auch gar nicht so schlimm, dass die Karte keine sonstigen Gebühren hat. Und nun ist auch gelüftet, warum Apple diesen Exklusiv-Weg geht: Sie will an die Zinserträge der Kredite, denn die sind viel attraktiver als die Interbankengebühr-Beteiligungen. Und es ist klar, warum Apple eine klassische Kreditkarte mit einem Kredit im Hintergrund anbietet und keine Prepaid-Kreditkarte mit ähnlichem Funktionsumfang. Der Kredit ist einfach zu attraktiv und ist deshalb so prominent platziert.

Die Apple Card – was sie wirklich unterscheidet

So weit, so bekannt und – so langweilig. Das führt zur Frage, ob es denn überhaupt etwas Besonderes an dieser Karte gibt, wenn denn alles so traditionell zu sein scheint? Und: ja, das gibt es. Anhand folgender drei Punkte lässt sich dies erläutern:

  1. Plastik 2.0
  2. User Experience
  3. Umgang mit Partnern

Plastik 2.0: Die Apple Card kommt zusätzlich mit einer physischen Karte im bekannten Formfaktor. Vor dem Hintergrund, dass die kontaktlose Apple Pay Bezahlfunktion (NFC) noch nicht überall verfügbar ist, verständlich. Apple selbst hat für den wichtigen Heimatmarkt USA in der Keynote eine Akzeptanzrate von Apple Pay – also einem plastik- und kontaktlosem Bezahlweg – von 70% genannt. Die physische Karte ist laut den Apple-typischen Superlativen natürlich „die beste und schönste Karte“ aller Zeiten. Dies bedeutet im Sinne von Apple, dass sie aus Titan hergestellt ist, zugleich aber sehr minimalistisch ist. Auf der Vorderseite findet man den Namen des Kunden, das Apple Logo sowie einen EMV-Chip. Auf der Rückseite prangt ein Logo von Goldman Sachs sowie MasterCard. Ansonsten gibt es keine Kartennummer, keinen CVV-Code, kein Ablaufdatum und auch keine Unterschrift. All das kann der Kunde in der App nachschauen, wenn er denn die Informationen einmal braucht. Das steigert auf jeden Fall die Sicherheit. Die klassischen Regeln, auch „Scheme Rules“ genannt, an die sich normalerweise jede Bank zu halten hat, scheinen einfach mal hinweggespült.

Mastercard wird wahrscheinlich argumentieren, dass Apple neue Wege der Sicherheit gefunden hat, die Abweichungen oder Weiterentwicklungen der Regeln erlauben. Das mag sein. Eine andere Begründung ist aber, dass einfach Apples schiere Marktmacht und der Ausblick auf eine gigantische Kundenbasis auch den stärksten Partner in die Knie zwingt.

User-Experience: Die User-Experience scheint nach allem, was man sehen kann, über jeden Zweifel erhaben. Eben Apple-typisch. Die Apple Card baut auf Apple Pay auf. Das heißt: die Apple Card ist in der Wallet zu finden und jede Transaktion ist per Face ID oder Touch ID gesichert. Zusätzlich gibt es einen Antragsprozess direkt aus der Wallet heraus, der binnen Sekunden abgeschlossen sein soll. Den Support erreichen Kunden auch per iMessage. Zusätzlich gibt es Aktivitäts- und Budgetübersichten, Kickbacks, die täglich auf dem Apple-Pay-Cash-Konto gutgeschrieben werden, und eine simple und komfortable Einbindung der Kreditfunktion. Die Kreditfunktion ist Fluch und Segen zugleich. Es scheint einfach, in Versuchung zu kommen. Aber wenigstens scheint es auch einfach, den Kredit zurückzuzahlen. Hier gibt es also, wie erwartet, wenig auszusetzen. Abgerundet wird das ganze Angebot wie so oft mit dem Thema Datenschutz. All das erfolgt tief integriert ins Apple-Ökosystem.

Umgang mit Partnern

Bemerkenswert scheint der Umgang mit den Partnern. Apple tat und tut sich schwer, für Apple Pay Partnerbanken zu gewinnen. Das hat mehrere Gründe, unter anderem möchte Apple einen Anteil der Interbankenentgelte (Interchange), und gleichzeitig setzt sich Apple aus Customer-Journey-Sicht vor die Bank. Die Bank als Marke wird ein Stück weit unwichtiger. Und so wie es nun dargestellt wurde, ändert Apple die Art der Partnerschaft: Es gibt Apple Pay – und dann gibt es eben die Apple Card, welche aufgebohrte Funktionalitäten hat und tief ins System integriert ist.

Banken dürften alles andere als erfreut sein, sind sie doch schweren Herzens den Weg in Richtung Apple Pay gegangen, haben dafür teuer bezahlt und müssen nun feststellen, dass sie doch kein so wichtiger Partner sind. Und besonders für Challenger-Banken wie N26 und Revolut, die ähnlich wie Apple das Thema Customer-Experience ganz oben auf ihrer Agenda haben, muss der Apple-Weg, so wie jetzt dargestellt, ein Schlag ins Gesicht sein. Apple ist jetzt nicht nur Plattformbetreiber, sondern Wettbewerber. Dabei könnten, sind wir ehrlich, die meisten der Apple-Card-Funktionen auch für andere Karten in Apple Pay umgesetzt werden. Wird Apple das tun? Oder wird es hier zum „Spotify-Weg“ kommen? Sprich: Ich nutze das, was Apple vorsieht, und alles ist super oder muss ich mit einer abgespeckten Version leben, wenn ich doch einen anderen Anbieter wähle?

Doch letztlich war ein alternativer strategischer Weg zur klassischen Bank-Apple-Kooperation absehbar, eben weil nur ein Bruchteil der Banken mit Apple kooperiert und viele Kunden umständlich die Bank wechseln müssten, um an Apple Pay zu kommen. Doch es geht auch anders. Einen Weg, der zumindest ein bisschen weniger aggressiv gegenüber Banken ist, zeigt Google mit seiner Paypal-Mastercard-Kooperation. Hier können Kunden, die über ein Paypal-Konto verfügen, eine Paypal-Karte mit Mastercard Akzeptanz beantragen und per Google Pay auch am POS nutzen. Hierbei sind aber die potenziellen (direkten) Erträge für Google deutlich niedriger.

Wie es weitergeht

Nach dem Start im Sommer soll die Karte schnell in den USA ausgerollt werden. Nach dem Willen von Goldman-Sachs-CEO Richard Gnodde sollen alsbald Europa und ganz konkret Deutschland folgen. Aber da werden noch ein paar Leute mitsprechen wollen – die Regulierungsbehörden wie die BaFin werden sich anschauen, ob denn auch alle Rahmenbedingungen (KYC-Prozesse, Geldwäsche etc.) eingehalten werden. Und die Wettbewerbshüter, die von Spotify sowieso schon angepiekst sind, werden sich auch ganz genau anschauen, was Apple da tut. Auch das politische Thema, dass US-Plattformen Europa immer weiter dominieren und europäische Unternehmen in die Bedeutungslosigkeit drücken, wird (wieder) Aufwind bekommen. Und Goldman Sachs wird sicherlich nicht alle Länder abdecken können, das heißt: auch andere Banken werden als Issuer-Banken notwendig sein und vor allem „White-Label“-Banken wären sicher gerne dabei.  So oder so: Apple Pay hat 5 Jahre für eine 50-prozentige Abdeckung gebraucht. Auch die Apple Card wird nicht in sechs Monaten in 40 Ländern sein. Apple hat also einiges vor sich, und ganz ohne Widerstand wird es nicht gelingen.

*Der Autor gehört – möchten wir behaupten – zu den fünf profundesten deutschsprachigen Kenner der Materie. Da der gute Mann aber auch Banken im Umgang mit Apple berät, durfte er seinen Namen nicht über den Artikel schreiben.

Wie Sondereffekte schon seit Jahren den Aareal-Gewinn aufplustern

Von Heinz-Roger Dohms

Im „Deutsche Commerz“-Kontext war zuletzt ja viel vom „Badwill“ (bzw. vom „negativen Goodwill“) die Rede. Prinzip, sofern wir es richtig verstanden haben: Wenn die Deutsche Bank die Commerzbank übernimmt, dann könnte es sein, dass sie sich deren üppigen Buchwert bilanziell gutschreiben darf und diesem Buchwert lediglich den (vermutlich deutlich niedrigeren) Kaufpreis entgegenstellen muss. Wodurch dann sozusagen Eigenkapital entsteht.

Jedenfalls: Wie die Kollegin Osman vom „Handelsblatt“ in einem erhellenden Stück zu der Thematik neulich schrieb, gehört zu den fleißigen Anwendern dieses Prinzips die Aareal Bank – was wir, da die Aareal Bank gestern ihren 2018er-Geschäftsbericht vorgestellt hat, einfach mal zum Anlass genommen haben, nachzusehen: Wie viel von den Gewinnen, die der Wiesbadener Immobilienfinanzierer in den letzten Jahren „erwirtschaftet“ hat, kam denn eigentlich aus „Badwill“? Voilà:

Aufgeschlüsselter Vorsteuergewinn der Aareal-Bank:

Man sieht: Besonders hoch war der Gewinn der Aareal Bank 2014 (inkl. 154 Mio. Euro negativer Goodwill aus dem Kauf der Corealcredit) und 2015 (inkl. 150 Mio. Euro negativer Goodwill aus dem Kauf der Westimmo), doch auch 2018 hat sich der MDax-Konzern einen ordentlichen Schluck aus ebendieser Pulle gegönnt (55 Mio. Euro negativer Goodwill aus dem Kauf der Düsselhyp).

2016 und 2017 konnte die Aareal Bank zwar mangels Zukäufen sozusagen unterbewerteter Unternehmen keinen negativen Goodwill verbuchen – dafür kommt ausgerechnet in diesen beiden Jahren (wie der Zufall es halt manchmal so will …) der sozusagen operative Gewinn ganz gut daher. Allerdings waren auch hier gewisse, nun ja, Effekte im Spiel. 2017 hievte ein „sonstiges betriebliches Ergebnis“ in Höhe von 74 Mio. Euro den Vorsteuergewinn über die 300-Mio.-Euro-Linie (basierend auf „sonstigen betrieblichen Erträgen“ in Höhe von 168 Mio. Euro, darunter 62 Mio. Euro Erträge aus Immobilien und 83 Mio. Euro Erträge aus der Auflösung von Rückstellungen). Und 2016? Trieben Einmalerlöse u.a. aus dem Verkauf der Tochter Aqvatrium (61 Mio. Euro) das Ergebnis in die Höhe.

Mal sehen, was vom Aareal-Gewinn noch übrigbleibt, wenn das mal alles wegfallen sollte.

Warum eine Fusion von Amundi und DWS industriell maximalen Sinn ergäbe

Von Heinz-Roger Dohms

„Die Treppe wird von oben gekehrt“ – mit diesem Aphorismus kündigte DWS-Chef Asoka Wöhrmann Anfang Februar in einem „Handelsblatt“-Interview eine härtere Gangart in Sachen Kosten und Personal an. Übrigens sinnigerweise. Denn was bleibt der Fondsgesellschaft der Deutschen Bank angesichts sinkender Margen und steigenden Aufwand-Ertrags-Relationen anderes übrig?

Die Sache allerdings ist: Damals durfte sich Wöhrmann sicher sein, dass er selber derjenige sein würde, der – um im Bild zu bleiben – den Besen schwingt. Doch gilt das immer noch?

Bis gestern galt das Szenario, die Deutsche Bank könnte die DWS abstoßen, um die Übernahme der Commerzbank zu finanzieren, als bloßes Gerücht. Nun jedoch hat der französische Rivale Amundi erstmals klares Interesse an der DWS signalisiert: Auf den deutschen Widersacher angesprochen, sagte Vorstandsfrau Valerie Baudson in einem Interview (wiederum: mit dem „Handelsblatt“): „Dank des offenen Plattform-Modells und der Erfahrung bei Fusionen, kommt Amundi eine natürliche Rolle bei der Konsolidierung des europäischen Marktes zu.“

Erfahrung bei Fusionen? Das kann man wohl sagen. Oder anders ausgedrückt: Yves Perrier, der Vorstandschef von Amundi, ist der härteste Post-Merger-Kostendrücker, den die Branche kennt. Während man sich Wöhrmann als Treppenkehrer eher pfeifend-wedelnd vorstellen darf, würde es bei Perrier einfach nur „Wusch“ machen. So zumindest lehrt es die Vergangenheit. Denn bei Amundi steht das Understatement im Auftritt in einem starken Kontrast zur durch zahlreiche Übernahmen und Fusionen erreichten Größe – längst ist Amundi der größte europäische Vermögensverwalter.

Klar, sämtliche Verkaufsüberlegungen rund um die DWS haben einen großen Haken: Ob Gläubiger  die Deutsche Bank nach einer Fusion mit der Commerzbank als riskanter oder weniger riskant wahrnehmen, hängt weniger von der Größe ab als von der künftigen Struktur. Und da könnte ein vergleichsweise biederer Ertragsgarant wie die DWS (die überdies nicht allzu viel Kapital bindet) ein echtes Asset sein. Es gibt allerdings auch eine andere Sicht auf die Dinge: Anders als viele Planspiele rund um die „Deutsche Commerz“ ergäbe ein Bündnis von Amundi und DWS aus industrieller Sicht absolut Sinn.

Die Vermögensverwaltung wird mehr und mehr zum Skalengeschäft, weil es in einem Umfeld steigenden Wettbewerbsdrucks vor allem um Größe und Synergieeffekte geht. Die zuletzt wiederholt kolportierte Variante, die DWS könne an die Allianz fallen, indes ist trotzdem nicht zwingend logisch, und zwar mindestens aus drei Gründen:

  • Die Allianz ist bereits stark in Deutschland präsent
  • Die Allianz ist kein Spezialist für größere Übernahmeoperationen in der Vermögensverwaltung
  • Die Allianz käme zusammen mit der DWS bei Publikumsfonds in Deutschland auf einen Marktanteil von 41% – was da wohl die  Kartellbehörden sagen?

Für eine Übernahme der DWS durch Amundi hingegen spräche, gelinde gesagt, sehr viel:

  • Amundi würde seine Rolle als größter europäischer Vermögensverwalter auf Jahre zementieren, die kombinierte Gesellschaft würde mit einem verwalteten Vermögen von zusammen 2,1 Billionen Euro (1,4 von Amundi, 0,7 von der DWS) zum viertgrößten Vermögensverwalter der Welt aufsteigen hinter Blackrock, Vanguard und State Street.
  • Im zukunftsträchtigen ETF-Geschäft fehlt es sowohl den Franzosen als auch den Deutschen bislang an kritischer Größe. Die Bündelung des passiven Vermögens, das bei der DWS knapp ein Fünftel, bei Amundi sogar nur ein Zehntel des verwalteten Vermögens ausmacht, könnte (bei dann zusammen rund 200 Mrd. Euro) reichen, um den Preiskrieg mit den amerikanischen ETF-Giganten aufzunehmen.
  • Die Übernahme der DWS würde für Amundi auch geografisch Sinn machen, da die Franzosen in Deutschland mit gerade einmal drei Prozent Marktanteil bei Investmentfonds noch keine nennenswerte Präsenz haben.
  • Zudem beherrscht Amundi (siehe oben) etwas, was der DWS völlig abgeht, nämlich – und damit wären wir wieder beim Besen – die eigenen Kosten an das Wettbewerbsumfeld anzupassen, anstatt viel darüber zu reden.

Belege? Zwar ist im jüngst vorgestellten 2018-Geschäftsbericht der DWS an nicht weniger als 125 Stellen von „Kosten“ in allen Formen die Rede („Kosteneffizienz“, „Kostendisziplin“, „Kostenmanagement“, „Kostenkontrolle“, „Kosteneffizienzinitiativen“). Die Zahlen sprechen aber eine andere Sprache. Denn während das verwaltete Vermögen um 5% sank, die Einnahmen aus Management-Fees um ebenfalls 5% zurückgingen, die Erträge gar um 10% einbrachen … verringerten sich die Kosten gerade mal um 3%. Was dann auch die Erklärung dafür liefert, dass das Ergebnis vor Steuern um 26 Prozent und der Jahresüberschuss um luftige 38 Prozent abgeschmiert sind.

Die Aufwand-Ertrags-Ratio (also der Goldstandard im „Skalengeschäft Vermögensverwaltung“)? Verschlechterte sich von 70% auf 72%. Dagegen Amundi: 52%. Nicht ohne Grund haben sich die Franzosen den Ruf einer Effizienzmaschine erworben.

In der DWS-Belegschaft dürfte die Vorstellung, demnächst zu Amundi zu gehören, jedenfalls Beklemmungen auslösen. Und das liegt weniger daran, dass  der letzte Franzose (also Monsieur Moreau) gerade erst durch die Tür ist – sondern es hat mit Husarenstücken wie diesem zu tun: Bei der 2016 erworbenen Pioneer nahm Amundi nach neusten vorliegenden Zahlen von 175 Mio. Euro Synergieeffekten fast unglaubliche 30% der Kosten heraus.

Als DWS’ler würden wir dieses Wochenende eher nicht so gut schlafen.

29/03/19: Die ultimative „Apple Card“-Analyse, Kampf um die Dt. Bank, Wirecard

Warum in der DWS-Belegschaft mit dem heutigen Tag das große Zittern beginnen könnte

„Die Treppe wird von oben gekehrt“ – mit diesem Aphorismus kündigte Asoka Wöhrmann Anfang Februar eine härtere Gangart in Sachen Kosten und Personal an. Was der DWS-Chef da noch nicht wissen konnte: Womöglich wird nicht er es sein, der bei der Fondstochter der Deutschen Bank demnächst den Besen hält. Sondern Yves Perrier, Vorstandschef von Amundi. Denn: Der größte europäische Fondsanbieter äußert heute (in Person von Vorständin Baudson) in einem HB-Interview klares Interesse an einem Kauf der DWS – wodurch das Szenario, die Deutsche Bank könnte die Tochter abgeben, um sich die Coba leisten zu können, plötzlich real wird. Aus unserer Sicht sind zu alldem zwei Dinge zu sagen: 1.) Anders als das  Bündnis Allianz/DWS, ergäbe die Kombi Amundi/DWS industriell betrachtet fast schon maximalen Sinn. Und 2.) Monsieur Perrier ist der krasseste Post-Merger-Kosten-Drücker, den die Fonds- oder gar die Finanzbranche kennt. Lesen Sie hier unsere große Analyse: Finanz-Szene.de

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News

„Bei den Annäherungsversuchen zwischen Deutscher Bank und Commerzbank hat bemerkenswert früh die unappetitliche Phase begonnen“, kommentiert der erfahrene Kollege Wittkowski heute Morgen in der „BÖZ“. Wir selber würden das zwar nicht exakt genauso formulieren (kann man „unappetitlich“ vielleicht durch „interessant“ ersetzen?), ansonsten aber komplett unterschreiben. Denn: Allein, was da im Laufe dieser Woche alles  gesagt, kolportiert, geleaked, gespint, geraunt, berichtet, überhöht und dementiert wurde, würde in ruhigeren Zeiten locker reichen, um die „News“-Rubrik von „Finanz-Szene.de“ einen ganzen Monat lang zu füllen.

Die gestrigen Ereignisse, ganz kurz zusammengefasst: 1.) Laut „FT“ denkt die Deutsche Bank (was diese zurückweist) zum Zwecke der Commerzbank-Übernahme über eine Kapitalerhöhung in Höhe von 10 Mrd. Euro nach (was die Aktie nach der Veröffentlichung des Artikels gemacht hat, können Sie sich denken: Pffffffff.). Und 2.) „Reuters“ zitiert einen sogenannten Insider, wonach das Wertpapiergeschäft der Deutschen Bank im Januar „katastrophal“ und im Februar „schlecht“ gelaufen sei. Fortsetzung folgt. Financial Times (Paywall), Manager Magazin (Zusammenfassung), Börsen-Zeitung (Kommentar)

Die Deutsche Bank hat gestern den ersten richtigen Abschluss für ihre „DB Privat- und Firmenkundenbank AG“ vorgelegt (also für die zehn Jahre nach der Übernahme endlich zusammengelegte blau-gelbe Retailbank, wobei „Gelb“ in diesem Falle natürlich nicht für Coba steht, sondern für Poba). Auch hier in aller Kürze: Zahl der Filialen um 10% gesenkt +++ Zahl der Mitarbeiter um 3% gesenkt +++ Gewinn vor Steuern 1,1 Mrd. Euro. Reuters, Geschäftsbericht (PDF)

Die Aareal Bank hat gestern wieder mal „so lala“-mäßige Zahlen vorgelegt (diesmal für 2018) … was wir zum Anlass genommen haben, uns einfach mal anzusehen, wie sich der Trick mit dem „Badwill“ (also das, was die Deutsche Bank im Zuge der Coba-Fusion/Übernahme evtl. auch machen könnte) denn in den vergangenen fünf Jahren auf die Ergebnisse ebendieser Aareal Bank ausgewirkt hat. So viel vorweg: Der Effekt ist zumindest in drei der fünf Jahre enorm. Und wie der Aareal-Gewinn mal aussehen wird, wenn dieser und andere Sondereffekte wegfallen, will man lieber nicht wissen. Voilà: Finanz-Szene.de

Wirecard I: Der deutsche Zahlungsdienstleister hat – nachdem er sich selber durch den bislang unveröffentlichten Untersuchungsbericht der Kanzlei Rajah & Tann entlastet sieht – nun endlich Klage gegen die „Financial Times“ eingereicht, heißt es in diversen Medien. Ziele seien eine  Unterlassung der Berichterstattung sowie eine Entschädigung der Aktionäre. dpa/Zeit Online

Wirecard II: Nachdem am Montag schon bei „Spiegel Online“ stand, der Untersuchungsbericht von „Rajah & Tann“ liege Wirecard gar nicht vor, sondern nur Wirecards Wirtschaftsprüfer Ernst & Young, lesen wir dasselbe nun auch in der Online-Ausgabe des „Manager Magazins“. Wenn das wirklich stimmen sollte, sind wir dann eigentlich die einzigen, die das komisch finden? Denn: In Auftrag gegeben bei R&T hat die Untersuchung doch der Vorstand, oder? Müsste R&T die Untersuchung dann nicht eigentlich auch beim Vorstand abliefern? Wenn ich im Restaurant eine Currywurst bestelle, dann bekommt die doch auch nicht mein Wirtschaftsprüfer serviert. Manager Magazin

Wirecard III: Die „Schmiernippel“ (wie unser alter Herr sagen würde) vom „FT-Alphaville“-Blog der „Financial Times“ haben gestern eine schmiernippelige Übersicht sämtlicher Analysteneinschätzungen zur Wirecard-Aktie veröffentlicht, verbunden mit der schmiernippeligen Kommentierung: „Yeah, we’re just capturing this snapshot so it sits on the internet. Forever.“ Kurz gesagt: Das ausgegebene Preisziel liegt nur in zwei von 24 Fällen unter dem aktuellen Kurs (122,40 Euro). Herr Faure von Exane z.B. sieht das Papier bei 265 Euro, Herr Moawalla von Goldman bei 230 Euro, Frau Pauls von der Commerzbank bei 230 Euro. Und das bei einem Unternehmen, das dieser Tage mitgeteilt hat, die Veröffentlichung des Abschlusses um drei Wochen zu verschieben. FT Alphaville (nicht bezahl-, aber registrierungspflichtig)

Ahhh, endlich mal ein Fintech, von dem es (dank Börsennotiz) aktuelle, relevante, belastbare und übrigens gar nicht mal sooo schlechte Zahlen zu vermelden gibt: Die Online-Kreditplattform Creditshelf hat 2018 das vermittelte Kreditvolumen von 33,5 Mio. Euro auf gut 50 Mio. Euro gesteigert (also um rund die Hälfte). Als eigene Erträge blieben 2,4 Mio. Euro hängen, wobei hiervon knapp zwei Drittel aus den Gebühren der Kreditnehmer stammten und gut ein Drittel aus den Gebühren der Investoren=Kreditgeber. BÖZ (Paywall), Finanzen.net (Ad-hoc) 

Kurzmeldungen: Im „Handelsblatt“ findet sich heute Früh eine lange Warburg/Cum-Ex-Story, die darauf hinausläuft, dass auf die Hamburger Privatbank angeblich (!) „Steuerforderungen, Bußgelder und Vermögensabschöpfungen in dreistelliger Millionenhöhe“ zukommen könnten – was gemessen am Eigenkapital so einer Privatbank natürlich interessant bzw. unappetitlich wäre (HB/Paywall) +++ Die DG Hyp sieht sich auf Erfolgskurs (BÖZ) +++ Die HSH Nordbank a.k.a. „Hamburg Commercial Bank“ hat gestern mitgeteilt, exakt 44% ihrer Arbeitsplätze abzubauen (Reuters) +++ Die Fintech Group AG a.k.a „Kulmbacher Volksbroker“ hat 2018 ein neues Rekordergebnis (Ebitda: 43 Mio. Euro) erzielt (DGAP) +++ Die deutsche Klarna (also quasi die übernommene „Sofortüberweisung“) will ihre API-Kompetenz (Stichwort: Zahlungsauslösung) nutzen, um in Zukunft entsprechende Dienstleistungen auch für Fremdfirmen anzubieten (HB/Paywall) +++ Das aufmerksamkeitshungrige Fintech Finmatch, von dem es im Januar hieß, es sei jetzt gestartet, ist jetzt schon wieder gestartet (Finance Magazin)

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Was kann die „Apple Card“ wirklich? Ist sie ein Gamechanger – oder ein Produkt, wie es das längst gibt, halt nur noch nicht von Apple? Und: Welches Geschäftsmodell steckt dahinter, welche Ziele verfolgt der Techkonzern, welche der Partner Goldman Sachs? Und: Was bedeutet die „Apple Card“ z.B. für die Deutsche Bank, was für N26? Und: Wie geht es weiter, wann kommt die Karte nach Deutschland, was wird die Bafin dazu sagen, was die Kartellbehörden? Jedenfalls: Wir haben einen der – möchten wir behaupten – fünf profundesten deutschsprachigen Kenner der Materie gebeten, eine richtig große „Apple Card“-Analyse für uns zu verfassen. Da der gute Mann auch Banken im Umgang mit Apple berät, durfte er seinen Namen nicht über den Artikel schreiben. Fanden wir aber nicht schlimm. Wir wissen, wer es ist – und Sie dürfen sich nicht nur über ein fantastisches Lesestück freuen, sondern auch auf das sinnentleerte Pseudonym, das wir uns für den armen Mann ausgedacht haben: Finanz-Szene.de 

Linktipps

Für alle „Badwill“(nein, das ist keine Netflix-Serie …)-Fans: Seit sich der großartige „Finanz-Szene.de“-Analyst Thomas Borgwerth im vergangenen Juni die Bilanzen von Hauck & Aufhäuser vorknöpfte, hat sich unsere Abonnentenzahl in etwa verdoppelt. Darum erlauben wir uns, da der „Badwill“ dieser Tage ein großes Thema ist, diesen Klassiker für alle hinzugekommenen Leser einfach nochmal zu verlinken: Finanz-Szene.de

Ist es wirklich so, dass die Fintech-Welle das Allfinanz/Bancassurance-Modell wiederbelebt hat – oder eher doch nicht? Zu dieser Frage hat sich André Bajorat ein paar Gedanken gemacht: Paymentandbanking

Wenn Scalable Capital seine eigenen Kunden für ein Crowd-Investment anpumpen würde, fänden wir das irgendwie, nun ja, ein bisschen seltsam. Der große britische Wettbewerber Nutmeg indes macht genau das. Warum? Independent.ie

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… war gestern unser Scoop über den verblüffenden Anstieg der Zahl der Kleinaktionäre unter den Deutsche-Bank-Investoren. Finanz-Szene.de

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29/03/19: Die große DWS-Story, Kampf um die Dt. Bank, Der Aareal-Trick

Warum in der DWS-Belegschaft mit dem heutigen Tag das große Zittern beginnen könnte

„Die Treppe wird von oben gekehrt“ – mit diesem Aphorismus kündigte Asoka Wöhrmann Anfang Februar eine härtere Gangart in Sachen Kosten und Personal an. Was der DWS-Chef da noch nicht wissen konnte: Womöglich wird nicht er es sein, der bei der Fondstochter der Deutschen Bank demnächst den Besen hält. Sondern Yves Perrier, Vorstandschef von Amundi. Denn: Der größte europäische Fondsanbieter äußert heute (in Person von Vorständin Baudson) in einem HB-Interview klares Interesse an einem Kauf der DWS – wodurch das Szenario, die Deutsche Bank könnte die Tochter abgeben, um sich die Coba leisten zu können, plötzlich real wird. Aus unserer Sicht sind zu alldem zwei Dinge zu sagen: 1.) Anders als das  Bündnis Allianz/DWS, ergäbe die Kombi Amundi/DWS industriell betrachtet fast schon maximalen Sinn. Und 2.) Monsieur Perrier ist der krasseste Post-Merger-Kosten-Drücker, den die Fonds- oder gar die Finanzbranche kennt. Lesen Sie hier unsere große Analyse: Finanz-Szene.de

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„Bei den Annäherungsversuchen zwischen Deutscher Bank und Commerzbank hat bemerkenswert früh die unappetitliche Phase begonnen“, kommentiert der erfahrene Kollege Wittkowski heute Morgen in der „BÖZ“. Wir selber würden das zwar nicht exakt genauso formulieren (kann man „unappetitlich“ vielleicht durch „interessant“ ersetzen?), ansonsten aber komplett unterschreiben. Denn: Allein, was da im Laufe dieser Woche alles  gesagt, kolportiert, geleaked, gespint, geraunt, berichtet, überhöht und dementiert wurde, würde in ruhigeren Zeiten locker reichen, um die „News“-Rubrik von „Finanz-Szene.de“ eine ganzen Monat lang zu füllen.

Die gestrigen Ereignisse, ganz kurz zusammengefasst: 1.) Laut „FT“ denkt die Deutsche Bank (was diese zurückweist) zum Zwecke der Commerzbank-Übernahme über eine Kapitalerhöhung in Höhe von 10 Mrd. Euro nach (was die Aktie nach der Veröffentlichung des Artikels gemacht hat, können Sie sich denken: Pffffffff.). Und 2.) „Reuters“ zitiert einen sogenannten Insider, wonach das Wertpapiergeschäft der Deutschen Bank im Januar „katastrophal“ und im Februar „schlecht“ gelaufen sei. Fortsetzung folgt. Financial Times (Paywall), Manager Magazin (Zusammenfassung), Börsen-Zeitung (Kommentar)

Die Deutsche Bank hat gestern den ersten richtigen Abschluss für ihre „DB Privat- und Firmenkundenbank AG“ vorgelegt (also für die zehn Jahre nach der Übernahme endlich zusammengelegte blau-gelbe Retailbank, wobei „Gelb“ in diesem Falle natürlich nicht für Coba steht, sondern für Poba). Auch hier in aller Kürze: Zahl der Filialen um 10% gesenkt +++ Zahl der Mitarbeiter um 3% gesenkt +++ Gewinn vor Steuern 1,1 Mrd. Euro. Reuters, Geschäftsbericht (PDF)

Die Aareal Bank hat gestern wieder mal „so lala“-mäßige Zahlen vorgelegt (diesmal für 2018) … was wir zum Anlass genommen haben, uns einfach mal anzusehen, wie sich der Trick mit dem „Badwill“ (also das, was die Deutsche Bank im Zuge der Coba-Fusion/Übernahme evtl. auch machen könnte) denn in den vergangenen fünf Jahren auf die Ergebnisse ebendieser Aareal Bank ausgewirkt hat. So viel vorweg: Der Effekt ist zumindest in drei der fünf Jahre enorm. Und wie der Aareal-Gewinn mal aussehen wird, wenn dieser und andere Sondereffekte wegfallen, will man lieber nicht wissen. Voilà: Finanz-Szene.de

Wirecard I: Der deutsche Zahlungsdienstleister hat – nachdem er sich selber durch den bislang unveröffentlichten Untersuchungsbericht der Kanzlei Rajah & Tann entlastet sieht – nun endlich Klage gegen die „Financial Times“ eingereicht, heißt es in diversen Medien. Ziele seien eine  Unterlassung der Berichterstattung sowie eine Entschädigung der Aktionäre. dpa/Zeit Online

Wirecard II: Nachdem am Montag schon bei „Spiegel Online“ stand, der Untersuchungsbericht von „Rajah & Tann“ liege Wirecard gar nicht vor, sondern nur Wirecards Wirtschaftsprüfer Ernst & Young, lesen wir dasselbe nun auch in der Online-Ausgabe des „Manager Magazins“. Wenn das wirklich stimmen sollte, sind wir dann eigentlich die einzigen, die das komisch finden? Denn: In Auftrag gegeben bei R&T hat die Untersuchung doch der Vorstand, oder? Müsste R&T die Untersuchung dann nicht eigentlich auch beim Vorstand abliefern? Wenn ich im Restaurant eine Currywurst bestelle, dann bekommt die doch auch nicht mein Wirtschaftsprüfer serviert. Manager Magazin

Wirecard III: Die „Schmiernippel“ (wie unser alter Herr sagen würde) vom „FT-Alphaville“-Blog der „Financial Times“ haben gestern eine schmiernippelige Übersicht sämtlicher Analysteneinschätzungen zur Wirecard-Aktie veröffentlicht, verbunden mit der schmiernippeligen Kommentierung: „Yeah, we’re just capturing this snapshot so it sits on the internet. Forever.“ Kurz gesagt: Das ausgegebene Preisziel liegt nur in zwei von 24 Fällen unter dem aktuellen Kurs (122,40 Euro). Herr Faure von Exane z.B. sieht das Papier bei 265 Euro, Herr Moawalla von Goldman bei 230 Euro, Frau Pauls von der Commerzbank bei 230 Euro. Und das bei einem Unternehmen, das dieser Tage mitgeteilt hat, die Veröffentlichung des Abschlusses um drei Wochen zu verschieben. FT Alphaville (nicht bezahl-, aber registrierungspflichtig)

Ahhh, endlich mal ein Fintech, von dem es (dank Börsennotiz) aktuelle, relevante, belastbare und übrigens gar nicht mal sooo schlechte Zahlen zu vermelden gibt: Die Online-Kreditplattform Creditshelf hat 2018 das vermittelte Kreditvolumen von 33,5 Mio. Euro auf gut 50 Mio. Euro gesteigert (also um rund die Hälfte). Als eigene Erträge blieben 2,4 Mio. Euro hängen, wobei hiervon knapp zwei Drittel aus den Gebühren der Kreditnehmer stammten und gut ein Drittel aus den Gebühren der Investoren=Kreditgeber. BÖZ (Paywall), Finanzen.net (Ad-hoc) 

Kurzmeldungen: Im „Handelsblatt“ findet sich heute Früh eine lange Warburg/Cum-Ex-Story, die darauf hinausläuft, dass auf die Hamburger Privatbank angeblich (!) „Steuerforderungen, Bußgelder und Vermögensabschöpfungen in dreistelliger Millionenhöhe“ zukommen könnten – was gemessen am Eigenkapital so einer Privatbank natürlich interessant bzw. unappetitlich wäre (HB/Paywall) +++ Die DG Hyp sieht sich auf Erfolgskurs (BÖZ) +++ Die HSH Nordbank a.k.a. „Hamburg Commercial Bank“ hat gestern mitgeteilt, exakt 44% ihrer Arbeitsplätze abzubauen (Reuters) +++ Die Fintech Group AG a.k.a „Kulmbacher Volksbroker“ hat 2018 ein neues Rekordergebnis (Ebitda: 43 Mio. Euro) erzielt (DGAP) +++ Die deutsche Klarna (also quasi die übernommene „Sofortüberweisung“) will ihre API-Kompetenz (Stichwort: Zahlungsauslösung) nutzen, um in Zukunft entsprechende Dienstleistungen auch für Fremdfirmen anzubieten (HB/Paywall) +++ Das aufmerksamkeitshungrige Fintech Finmatch, von dem es im Januar hieß, es sei jetzt gestartet, ist jetzt schon wieder gestartet (Finance Magazin)

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Gästeblog

Was kann die „Apple Card“ wirklich? Ist sie ein Gamechanger – oder ein Produkt, wie es das längst gibt, halt nur noch nicht von Apple? Und: Welches Geschäftsmodell steckt dahinter, welche Ziele verfolgt der Techkonzern, welche der Partner Goldman Sachs? Und: Was bedeutet die „Apple Card“ z.B. für die Deutsche Bank, was für N26? Und: Wie geht es weiter, wann kommt die Karte nach Deutschland, was wird die Bafin dazu sagen, was die Kartellbehörden? Jedenfalls: Wir haben einen der – möchten wir behaupten – fünf profundesten deutschsprachigen Kenner der Materie gebeten, eine richtig große „Apple Card“-Analyse für uns zu verfassen. Da der gute Mann auch Banken im Umgang mit Apple berät, durfte er seinen Namen nicht über den Artikel schreiben. Fanden wir aber nicht schlimm. Wir wissen, wer es ist – und Sie dürfen sich nicht nur über ein fantastisches Lesestück freuen, sondern auch auf das sinnentleerte Pseudonym, das wir uns für den armen Mann ausgedacht haben: Finanz-Szene.de 

Linktipps

Für alle „Badwill“(nein, das ist keine Netflix-Serie …)-Fans: Seit sich der großartige „Finanz-Szene.de“-Analyst Thomas Borgwerth im vergangenen Juni die Bilanzen von Hauck & Aufhäuser vorknöpfte, hat sich unsere Abonnentenzahl in etwa verdoppelt. Darum erlauben wir uns, da der „Badwill“ dieser Tage ein großes Thema ist, diesen Klassiker für alle hinzugekommenen Leser einfach nochmal zu verlinken: Finanz-Szene.de

Ist es wirklich so, dass die Fintech-Welle das Allfinanz/Bancassurance-Modell wiederbelebt hat – oder eher doch nicht? Zu dieser Frage hat sich André Bajorat ein paar Gedanken gemacht: Paymentandbanking

Wenn Scalable Capital seine eigenen Kunden für ein Crowd-Investment anpumpen würde, fänden wir das irgendwie, nun ja, ein bisschen seltsam. Der große britische Wettbewerber Nutmeg indes macht genau das. Warum? Independent.ie

Klickfavorit

… war gestern unser Scoop über den verblüffenden Anstieg der Zahl der Kleinaktionäre unter den Deutsche-Bank-Investoren. Finanz-Szene.de

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