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Commerzbank fährt China-Geschäft massiv runter – und nimmt Verluste in Kauf

Als die Commerzbank im März 2021 mitteilte, insgesamt 15 Auslandsstandorte schließen zu wollen, da stand auf der betreffenden Liste zwar Hongkong – aber weder Peking noch Schanghai. Und in der Tat: In beiden Metropolen unterhalten die Frankfurter auch heute noch operative Niederlassungen. Allerdings wurden diese nach Informationen von Finanz-Szene über die letzten Jahre massiv geschrumpft. So hatte die Commerzbank 2018 in China (einschließlich Hongkong) noch mehr als 300 Mitarbeiter. Heute hingegen sind es laut jüngst veröffentlichten Zahlen nur noch 135.

Selbst wenn man in Rechnung stellt, dass dem Vernehmen nach eine mittlere zweistellige Zahl an abgebauten Stellen auf die Schließung der Hongkonger Filiale zurückzuführen ist (das dort angesiedelte Corporate-Geschäft für Kunden aus dem deutschsprachigen Raum betreibt die Commerzbank inzwischen von Singapur aus), so ergibt sich für Peking und Schanghai zusammen dennoch ein Abbau von grob gerechnet 120-130 Arbeitsplätzen. Oder anders ausgedrückt: Die Commerzbank hat ihre personelle Präsenz in Festland-China über die letzten Jahre annähernd halbiert.

Offiziell kommuniziert haben die Frankfurter diesen Teilrückzug nie. Allenfalls sehr, sehr lose angedeutet. So hatte Firmenkundenchef Michael Kotzbauer, vor gut einem Jahr in einem „Handelsblatt“-Interview angesprochen auf den chinesischen Markt, gemeint: „Wir sehen uns genau an, wie wir in der Region aufgestellt sind und ob es Themen gibt, die wir adressieren müssen.“ Auf Anfrage von Finanz-Szene heißt es nun: „Wir passen unsere Geschäftsstrategie und die Risikobewertung kontinuierlich an die aktuelle Situation an. […] Unser China-Geschäft hat eine strategisch wichtige Bedeutung für das Auslandsgeschäft der Commerzbank insgesamt.“

Ausweislich ihrer Geschäftsberichte hat die zweitgrößte deutsche Privatbank im Zuge ihres Teilrückzugs auch massiv an Erträgen eingebüßt. Wies die Commerzbank vor sechs Jahren noch Umsätze von gut 100 Mio. Euro im chinesischen Markt aus, so waren es im abgelaufenen Geschäftsjahr nur noch 16 Mio. Euro. Was kaum allein mit der Schließung der Hongkonger Filiale erklärbar ist: „Die Bündelung in Singapur hat zu weniger Personal an anderen Standorten in Asien geführt“, teilt die Commerzbank denn auch auf Anfrage mit, „damit allein kann aber nicht der Umsatzrückgang in China erklärt werden“. Bezeichnend: Für die Geschäftsjahre 2019 bis 2023 vermeldet die Commerzbank meist Verluste. Kumuliert satte 79 Mio. Euro.

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