von G. Hädicke, H.-R. Dohms und C. Kirchner, 31. März 2026
In unserem Fintech-Ticker halten wir Sie über die (vor allem deutschen) Finanz-Startups auf dem Laufenden.
Hier unser Ticker mit sämtlichen Meldungen aus März 2026:
–––
Das ohnehin hochgefundete Berliner Fintech Upvest legt mit einer weiteren Finanzierungsrunde nach. Laut Informationen von Finanz-Szene hat das Finanz-Startup von seinen Bestandsinvestoren (im Lead: der chinesische Tech-Riese Tencent und der US-VC Sapphire) knapp 80 Mio. Euro Eigenkapital erhalten – nachdem vor gut einem Jahr bereits 100 Mio. Euro geflossen waren. Zudem setzt Upvest bei der Finanzierung in größerem Umfang auf Fremdkapital. So stellen die Investoren zusätzlich eine Kreditlinie über rund 30 Mio. Euro zur Verfügung. Gegenüber der letzten Runde habe sich die Bewertung noch einmal verdoppelt, heißt es – was einer Taxierung im oberen dreistelligen Millionen-Bereich entsprechen dürfte (den Unicorn-Status habe man „noch nicht ganz“ erreicht, sagte CEO Martin Kassing zu Finanz-Szene). Upvest, gegründet 2017, ist ein „Investment as a Service“-Spezialist, liefert also Infrastruktur für Trading-Angebote. Zu den bekanntesten Kunden des B2B-Spezialisten gehörten lange Zeit vor allem andere Fintechs wie N26 oder Raisin. Im letzten Herbst präsentierten die Berliner dann aber auch erstmals einen großen Traditions-Player als Partner – nämlich die DKB. Die Berliner Online-Bank will ihre Investment-Infrastruktur im nächsten Jahr zu Upvest migrieren. Auch deshalb geht Kassing davon aus, dass die bislang noch kargen Umsätze (im Geschäftsjahr 2024 summierte sich der Gesamtertrag auf rund 8 Mio. Euro) binnen der kommenden 24 Monate „auf einen annualisiert dreistelligen Millionenbetrag“ explodieren werden. Mit dem frischen Funding will Upvest zum einen in das Thema „Altersvorsorgedepot“ investieren. Zum anderen hofft Kassing, dass das Kapitalpolster dank der neuen Runde jetzt dick genug ist, um das Fintech (das bis Ende 2024 auf einen kumulierten Cashburn von rund 70 Mio. Euro kam) bis zur Profitabilitäts-Schwelle zu tragen.
Mehr zum Thema:
–––––––––––––––––––
Revolut wächst in Deutschland signifikant langsamer als im Rest Europas
Die Große Koalition aus CDU/CSU und SPD hat sich auf die wesentlichen Eckpunkte beim Altersvorsorge-Depot (a.k.a. „Riester-Reform“) geeinigt – und kurz vor der für Freitag geplanten Abstimmung im Bundestag noch einige fundamentale Änderungen gegenüber dem Entwurf aus dem Dezember vorgenommen. Während Verbraucherschützer frohlocken, zürnen Asset Manager und Versicherer. Und was heißt das alles für Banken und Fintechs? Ein paar flotte Einschätzungen zur (plötzlich ziemlich veränderten) Lage: FS Premium
Die seit Jahren kriselnde Berliner Solarisbank will mit einem erneuten Radikalumbau endlich den Turnaround schaffen. Wie das „Manager Magazin“ (Paywall) nach einem Gespräch mit dem neuen CEO Steffen Jentsch berichtet, soll ein Fünftel der aktuell noch rund 400 Arbeitsplätze wegfallen – gemessen an den Boom-Zeiten zu Beginn des Jahrzehnts hätte sich die Belegschaft des „Banking as a Service“-Fintech damit nahezu halbiert. Zugleich kündigte Jentsch (der zuletzt bei FlatexDegiro und davor beim genossenschaftlichen IT-Dienstleister Atruvia tätig war) einen erneuten Pivot des Geschäftsmodells an. Nachdem sich Solaris zuletzt vor allem über die Kreditkarten-Kooperation mit dem ADAC definiert hatte, will sich das Fintech künftig auf KI-gestützte Bankprozesse fokussieren. Geplant sei eine „technische Plattform, bei der künstliche Intelligenz die operativen Prozesse übernimmt und die Menschen die Steuerung und die Governance übernehmen“. Laut „Manager Magazin“ soll der japanische Mehrheitseigner SBI für die Neuausrichtung noch einmal 130-150 Mio. Euro zur Verfügung stellen; bis 2028 sollen die Berliner profitabel werden und bis 2029 die Umsätze auf 300 Mio. Euro steigern. Laut letzten verfügbaren Zahlen war die Solarisbank im Geschäftsjahr 2024 auf rund 150 Mio. Euro Umsatz gekommen – bei einem Verlust von 100 Mio. Euro . Das abgelaufene Geschäftsjahr dürfte Insidern zufolge kaum besser ausgefallen sein.
Lang & Schwarz rüstet sich für eine Zukunft ohne (oder mit???) Trade Republic
Der Wealthtech-Spezialist Qplix (also die eher klandestine 15%-Beteiligung der Deutschen Bank) untermauert seine Stellung als eines der erfolgreichsten deutschen B2B-Fintechs. Im Geschäftsjahr 2024 stiegen die sonstigen betrieblichen Erträge, in denen die Münchner die Umsätze aus ihren Software-Lizenzen verbuchen, um 30% auf gut 15 Mio. Euro (nach einem Plus von 24% im Jahr zuvor). Da der Verwaltungsaufwand nur auf 13,3 Mio. Euro (+11%) anzog, stand ein Jahresüberschuss von 1,7 Mio. Euro zu Buche. Das ist der höchste Gewinn seit der Gründung 2012.
Im November 2024 hatte Qplix in einer Finanzierungsrunde 25 Mio. Euro eingesammelt (siehe unseren Fintech-Ticker von damals). Da der kumulierte Cashburn zwölf Jahre nach Gründung allerdings gerade mal knapp 3 Mio. Euro betrug, saßen die Münchner per Ende 2024 auf einem satten Kapitalpolster von 27 Mio. Euro. Das dürfte erklären, warum das Management wenig Ambitionen hegte, die Profitabilität kurzfristig zu halten. So erwartete Qplix für 2025 zwar ein ähnliches Ertragswachstum wie im Vorjahr (steuerte also auf rund 20 Mio. Euro Umsatz zu), ging aufgrund von weiteren Investitionen aber diesmal von einem negativen operativen Ergebnis aus.
Moss strebt Funding an – angeblich zu Unicorn-Bewertung. Ist das reell?
Das Münchner Investment-Fintech Scalable Capital kommt erstmals mit einem klassischen Bankprodukt an den Markt. Laut Informationen von Finanz-Szene wird der Neobroker zeitnah ein eigenes Tagesgeldkonto launchen, nicht nur in Deutschland, sondern auch in weiteren europäischen Ländern. Der Zinssatz liegt zum Start bei 2,5% (für Neu- wie Bestandskunden gleichermaßen und bei unbegrenzter Einlagenhöhe) – eine ziemliche Kampfansage! Dazu muss man wissen, dass Scalable seinen Brokerage-Kunden für deren Liquidität auch jetzt schon eine Verzinsung in Höhe des EZB-Einlagenzinses (also 2,0%) zahlt. Rein inhaltlich stellt das eigene Tagesgeldkonto also eine begrenzte Weiterentwicklung der Produktpalette dar. Gleichwohl geben die Münchner sechs Monate nach dem Erhalt der Bafin-Lizenz erstmals konkret zu erkennen, sich stärker gen Bankgeschäft zu orientieren. Dabei behält sich Scalable vor, die Einlagen auf die eigene Bilanz zu nehmen oder sie mittels Treuhand-Sammelkonten an eine der Partnerbanken (Deutsche Bank, HSBC, J.P. Morgan) bzw. an einen Geldmarktfonds weiterzureichen.
… dass „Barzahlen“-Gründer Achim Bönsch, Sebastian Seifert und Andreas Veller für ihr frisch gegründetes neues Fintech (siehe hier) jetzt auch ein Funding bekommen? Wie die Kollegen von „Finance Forward“ berichten, haben die Berliner insgesamt 3,3 Mio. Euro Eigenkapital eingeworben, unter anderem vom New Yorker VC Motive Ventures (wo ja Finleap-Gründer Ramin Niroumand mittlerweile angedockt hat).
Open-Banking-Anbieter FinAPI holt einen Payment- und einen Fintech-Topshot
Die Deutsche Bank ist nicht der typische Konsumfinanzierer da draußen. Als wir neulich allerdings über die Pläne der Commerzbank berichteten, einen eigenen Rückversicherer zu gründen, und im Zuge der Recherche lernten, dass die Deutsche Bank schon seit Jahrzehnten einen solchen Rückversicherer unterhält – da staunten wir nicht schlecht. Denn: Die DB Re SA (so heißt die entsprechende Deutsche-Bank-Tochter) generierte zuletzt fast die Hälfte ihrer Bruttobeiträge aus einer einzigen Policen-Kategorie, und zwar aus „Zahlungsschutz-Versicherungen“. Sprich: Es geht ganz offenbar um Restschuld-Versicherungen. Also um Policen, die den Kreditnehmer gegen Tod, Arbeitslosigkeit oder Krankheit absichern sollen. Und die gerade bei Ratenkrediten umstritten sind, da sie als überteuert und intransparent gelten. Was uns nun allerdings noch mehr erstaunte als die Erkenntnis, dass die Restschuld-Versicherung im Geschäftsjahr 2024 satte 48% des Beitragsvolumens des Deutsche-Bank-Rückversicherers ausmachten – das war die Tatsache, dass die DB Re SA das entsprechende Geschäft erst 2023 aufgenommen hatte (und damit rund ein Jahr, nachdem die Bundesregierung beschlossen hatte, die Vermittlungsprovision bei Restschuld-Versicherungen auf 2,5% des abgesicherten Darlehensvertrags zu deckeln). Das bedeutet: 1.) Angesichts des zeitlichen Zusammenhangs drängt sich der Verdacht auf, dass das eine eine Reaktion auf das andere war; und 2.) In dem Geschäft steckt offenbar so viel Wumms, dass es in weniger als 24 Monaten zum weitaus größten Geschäftsfeld aufstieg. Jedenfalls, damit nun zu Auxmoney. Denn: Anders als die Deutsche Bank ist das Düsseldorfer Fintech ein gerade reinrassiger (und brutal wachsender) Konsumfinanzierer. Und wie neue Recherchen von Finanz-Szene zeigen, hat auch Auxmoney still und leise einen eigenen Rückversicherer gegründet. Und zwar 2023, also in jenem Jahr, in dem auch die DB Re SA ganz offenbar begann, Ratenkredite rückzuversichern. Erfahren Sie hier, was Auxmoney konkret macht. Wie das Geschäft binnen kürzester Zeit zum Ergebnistreiber aufstieg. Wie das Zusammenspiel mit dem Erstversicherer funktioniert. Und welch überragende Rolle (auch für andere Banken) ein fast unbekanntes Unternehmen aus dem niederrheinischen Hilden bei alldem spielt. Unsere exklusive Recherche: FS Premium
Sämtliche Fintech-News aus Februar 2026
Die Artikel von Finanz-Szene sind urheberrechtlich geschützt und nur für den jeweiligen Premium-Abonnenten persönlich bestimmt. Die Weitergabe – auch an Kollegen – ist nicht gestattet. Wie Sie Inhalte rechtssicher teilen können (z.B. via Pressespiegel), erfahren Sie hier.
Danke für Ihr Verständnis. Durch Ihr Abonnement sichern Sie ein Stück Journalismus!