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Unicredit fordert von Commerzbank eine Cost-Income-Ratio von 37% (bis 2030)

Die Unicredit geht im Übernahmekampf mit der Commerzbank den nächsten Schritt und hat am Montag vor Börseneröffnung eine 34-seitige Präsentation veröffentlicht, in der sie ihrer Vorschläge für das weitere Vorgehen präzisiert hat. Im Wesentlichen arbeitet sie dabei mit zwei Szenarien: Zum einen mit einer (weiter) eigenständigen Commerzbank, die dann aber in einem Strategieprogramm namens „Commerzbank Unlocked“ bis 2028 sehr viel sparen und sich stärker auf ihr Kerngeschäft konzentrieren müsste – und zum anderen einem Zusammenschluss mit der Unicredit bzw. der deutschen Einheit HVB mit einem Horizont dann bis 2030.

Das Kalkül per Präsentation ist ganz offenbar, die Commerzbank-Stakeholder von den Vorzügen eines (späteren) Zusammenschlusses zu überzeugen – und zugleich zu illustrieren, was droht, wenn die Bank eigenständig bliebe und die Unicredit als 30-Prozent-Großaktionär dann auf eine schmerzhafte Restrukturierung pocht.

Die Kernargumente der Unicredit:

  • Die Commerzbank demonstriere mit ihren Zahlen auch für 2025 eine anhaltende operative Underperformance – besonders im deutschen Kerngeschäft – gegenüber der Unicredit/HVB, aber auch dem Branchenschnitt des Euro Stoxx Banks mit Blick auf Kennziffern wie die Cost-Income-Ratio oder der Eigenkapitalrendite
  • Die von der Commerzbank vor einem Jahr angekündigte „Momentum“-Strategie bis 2028 sehe keine echte Transformation vor und setze den Kurs fort, vom Rückenwind durch Markteffekte zu profitieren, etwa bei Zinsen, Risikoaufwendungen und auch dem Wachstum außerhalb der Kernmärkte Deutschland und Polen (mBank)
  • Die quantitativen Ziele der Unicredit für eine weiter eigenständige Commerzbank sind enorm ambitioniert; so soll die Eigenkapitalrendite der Commerzbank im Zuge der „Commerzbank Unlocked“-Strategie bis 2028 auf 19% steigen (statt wie von der Commerzbank geplant auf 15%), bis 2030 soll sie 23% erreichen. Die Aufwandsquote soll von zuletzt 53% bis 2030 auf 37% sinken; hier plant die Commerzbank aktuell mit nur 47% bis 2028.
  • Insgesamt will die Unicredit die Kosten der (eigenständigen) Commerzbank bis 2028 auf rund 5,7 Mrd. Euro (!) drücken; hier kalkuliert die Commerzbank bislang mit 7 Mrd. Euro für 2028. Allerdings sollen laut Unicredit 60% der Einsparungen aus Sachkosten und Randgeschäften kommen.

Demgegenüber stellt die Unicredit die Möglichkeiten eines Zusammenschlusses: Es entstünde ein deutscher Marktführer mit über 600 Filialen, rund 8 % Marktanteil und europaweit mehr als 35 Millionen Kunden. Die kombinierten Einheiten der Unicredit in Deutschland könnten nach einem Zusammenschluss 2030 über 30% Eigenkapitalrendite bei einer Aufwandsquote von nur 32% verdienen; der Nettogewinn läge bei 8,5 Mrd. Euro, kündigt die Unicredit an. Zum Vergleich: Das ist ungefähr der Nettogewinn, den Deutsche Bank und Commerzbank 2025 zusammen verdient haben.

Die Unicredit weist zudem zurück, dass ihre Pläne 15.000 Stellen kosten würden bei der Commerzbank, wie zuletzt die Arbeitnehmerseite befürchtet habe – nennt aber selbst 7.000 Stellenstreichungen als realistisch, wenn die Commerzbank eigenständig bliebe und man die „Commerzbank Unlocked“-Strategie umsetze.

Um 9:00 Uhr will Unicredit-CEO Andrea Orcel die Pläne nochmals in einem Analystencall präzisieren und sich Fragen stellen.

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