von Christian Kirchner, 14. Juli 2026
Wenn der Ton die Musik macht, dann ist Andrea Orcel eher kein Andrea Bocelli. Mitunter drosch der Unicredit-Chef in den letzten Monaten dermaßen harsch auf die Commerzbank ein („fortgesetzte operative Underperformance“), dass man sich fragte, warum er die Frankfurter dann überhaupt übernehmen will. Fast schon chronisch war auch eine gewisse Diskrepanz zwischen dem, was Orcel mitunter behauptete („Wir planen kein öffentliches Übernahmeangebot“, „Wir würden gerne einen konstruktiven Dialog führen“ …), und dem, was er dann tat. Und, ähem, mit einer plumpen Facebook-Kampagne inmitten eines delikaten Übernahmepokers die Aufsicht auf den Plan zu rufen, auch das war keine kommunikative Glanzleistung.
Indes – es kommt ja nicht nur auf den Ton an. In der Musik nicht. Und in der Finanzwelt erst recht nicht. Anders gesagt: Ja, vermutlich hat die Commerzbank smarter kommuniziert als die Unicredit. Und womöglich hat sie ihr Blatt sogar insgesamt besser gespielt. Fakt ist aber auch: Seeeehr viele Commerzbank-Aktionäre haben sich irgendwann im Laufe der letzten 24 Monate an irgendeinem Punkt eben doch entschieden, ihre Aktien auf irgendeine Weise herzugeben, woraufhin diese dann auf die ein oder andere Art bei Herrn Orcel landeten. Was den Rückschluss zulässt, dass die Commerzbank in der Substanz beileibe nicht alle ihre Investoren überzeugen konnte.
Hatte die „Momentum 2030“-Strategie vielleicht doch ein paar Schwachpunkte? War sie an der ein oder anderen Stelle vielleicht ein bisschen „künstlich aufgebläht“ (um einen Vorwurf umzudeuten, den die Commerzbank in anderem Kontext der Unicredit gemacht hat). Letztgültig werden sich diese Fragen nicht beantworten lassen. Aber wenn man sich pars pro toto einfach noch mal die Sache mit dem „Replikations-Portfolio“ anschaut, dann kann man durchaus den Eindruck gewinnen, dass nicht nur die Unicredit, sondern auch die Commerzbank bisweilen ein bisschen luftig unterwegs gewesen ist in den zurückliegenden Monaten.
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