Analyse

Die krassen Vorwürfe der Commerzbank gegen die Unicredit – was ist wirklich dran?

Die Spindoktoren der Unicredit darf man sich als dienstbare Geister vorstellen. Und so beließ es die Mailänder Großbank am Dienstag nicht bei der schon jetzt berühmt-berüchtigten Pflichtveröffentlichung, wonach ihr im Zuge des Übernahmeangebots vom 5. Mai inzwischen 7,6% aller Commerzbank-Aktien angedient worden seien. Sondern: Darüber hinaus versandten die Italiener noch eine kurze Pressemitteilung, in der dankenswerterweise erläutert wurde, wie sich die eigene Commerzbank-Position denn jetzt insgesamt zusammensetzt. Und, tja, wer ein bisschen rechnen oder jedenfalls plusrechnen konnte, der stellte also fest, dass sich die einzelnen Positionen (26,6% bereits gehaltene Aktien plus 7,6% angediente Aktien plus 3,2% Derivate mit Lieferanspruch plus 13,2% Swaps ohne Lieferanspruch) irgendwie auf mehr als 50% addieren.

Folge: Unter die überall kursierenden „Unicredit hält jetzt über 30%“-Meldungen (gemeint waren die 26,6% plus die 7,6%) mischten sich im Laufe des späten Dienstagnachmittags erste Deutungen, wonach die Unicredit jetzt sogar Zugriff auf die Mehrheit habe. Die ansonsten eher zurückhaltende Börsen-Zeitung ging sogar so weit, die Übernahmeschlacht für entschieden zu erklären („Schachmatt mit Ansage – Die Commerzbank hatte keine Chance“). Bäm!

Mithin: Kein Wunder, dass die anderen Spindoktoren, also die der Commerzbank, in der Folge zum Gegenschlag ansetzten. „Coba wittert Bluff“, titelten wir entsprechend schon Mittwochfrüh in unserem Newsletter, und am Mittwochabend, kurz nach 20 Uhr, ging die Commerzbank dann sogar ganz offiziell zur Attacke über. Die am Dienstag von der Unicredit gemachten Angaben seien „potenziell irreführend“ und hätten das mutmaßliche Ziel, die Unicredit-Position „in der Wahrnehmung des Markts künstlich aufzublähen“, teilte die Commerzbank mit. Sogar eine Prüfung der Vorgänge durch die Bafin wurde angeregt – und weil auch in Frankfurt dienstbare Geister sitzen, bot die Commerzbank sogar an, der Aufsicht ihre „eigene Analyse und Erkenntnisse zur Verfügung“ zu stellen.

Um es also abzukürzen – ziemlich krass, was da dieser Tage passiert!! Aber was ist wirklich dran an den Vorwürfen der Commerzbank? Und kann sie diese auch irgendwie belegen?

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