von Heinz-Roger Dohms und Christian Kirchner, 11. Juni 2026
In den Niederlanden, also da, wo sie herkommt und wo sie immer noch ein Filialnetz unterhält, ist die ING nicht die typische kostenlose Direktbank, die sie hierzulande ist (wobei ja selbst bei der ING Deutschland das Girokonto nur dann kostenlos ist, wenn der Kunde einen monatlichen Mindesteingang von 1.000 Euro nachweist).
Gleichwohl staunte auch das niederländische Publikum nicht schlecht, als die dortige ING am gestrigen Mittwoch ihr neues, für eine traditionelle Bank fast revolutionär anmutendes Girokonto-Modell vorstellte. Bislang, muss man dazu wissen, kostete das teuerste Kontenmodell der niederländischen ING mit dem schönen Namen „RoyaalPakket“ lediglich 9,90 Euro Grundgebühr im Monat. Künftig indes – hat die Bank unter anderem ein Konto für 44,99 Euro (!) im Angebot. Ein ziemlicher Kulturschock, so jedenfalls lasen sich gestern niederländische Medienberichte zu dem Thema.
Freilich: Wer sich auskennt im europäischen Retailbanking, der weiß, dass die 44,99 Euro so ungewöhnlich gar nicht sind. Auch nicht für die ING. So hat die Oranje-Bank zum Beispiel im belgischen Markt schon länger ein Konto für 39,90 Euro im Angebot (wobei der „Intrinsic pack value“ des mit Amazon Prime, Visa Infinite, Lounge-Zugängen und etlichen Versicherungen aufgepeppten Kontos bei 84 Euro liege, wie es auf der Website heißt …). Wer nun aber denkt, dass sich das alles ein bisschen erratisch anhört, hier dieses Pricing, dort jenes und in dem und dem Land wieder ein anderes – genau das, also erratisch, ist das Modell eben gerade nicht. Ganz im Gegenteil!
Denn: In Wirklichkeit ist die ING Groep gerade dabei, in allen ihren Märkten, also auch in Deutschland, eine einheitliche Girokonto-Struktur mit jeweils vier unterschiedlichen Modellen („Go“, „More“, „Extra“, „Max“) einzuführen. Heißt: Auch hierzulande dürfte es an dem einen Ende der Skala bald ein sehr teures „Max“-Konto geben. Viel, viel spannender allerdings ist, was am anderen Ende der Skala passiert.
Wird die ING Deutschland künftig noch ein kostenloses Girokonto anbieten? Wenn ja, für wen? Wann wird das alles umgesetzt werden? Und, ähem, was ist mit der Zustimmungspflicht?
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