von Christian Kirchner, 12. Juni 2026
Dafür, dass der Übernahmepoker um die Commerzbank letzte Woche angeblich schon entschieden war, wirkte er diese Woche dann fast schon wieder offen. Rückblick: Nachdem die Unicredit am Dienstag voriger Woche mitgeteilt hatte, ihr seien infolge ihres Übernahmeangebots knapp 8% aller Coba-Aktien angedient worden, machte kurzzeitig die Deutung die Runde, die Italiener stünden damit jetzt bei gut 50% und seien also mehr oder weniger am Ziel. Schließlich hielt (und hält) die Unicredit ja schon knapp 27% aller Aktien. Und sie verfügte (und verfügt) über zwei derivative Long-Positionen im Umfang von gut 3% bzw. gut 13%. „Schachmatt mit Ansage – Die Commerzbank hatte keine Chance“, kommentierte die Börsen-Zeitung.
Dass das eine womöglich etwas vorschnelle Deutung war, darauf freilich deutete auch da schon einiges hin. So wehrte sich, erstens, die Commerzbank mit Händen und Füßen und allem, was ihr sonst noch am Leibe baumelt, gegen die 50%-Interpretation. Und zweitens sagte einem ja auch der gesunde Menschenverstand, dass da irgendwas nicht stimmte – denn warum werden der Unicredit satte 8% aller Aktien angedient, wenn sie weniger bietet als parallel an der Börse für die Papiere gezahlt wird?
Jedenfalls: Inzwischen sind wir sieben Tage, ein paar Pflichtveröffentlichungen sowie etliche Posts, Artikel und sonstige Wortmeldungen zum Thema weiter. Und auch, wenn die Lage diffus bleibt, lassen sich zwei Dinge jetzt doch feststellen: 1.) Ja, es spricht inzwischen fast alles dafür, dass die Unicredit ihre Position tatsächlich aufbläht; und 2.) Ja, bis zu einem bestimmten Grade lässt sich sogar entschlüsseln, wie sie das mutmaßlich macht, warum sie das macht und warum sie das darf.
Die eigentliche Erkenntnis der letzten Tage ist allerdings noch eine andere. Denn – auf Basis neuer Offenlegungen der Unicredit lässt sich nun erstmals auch in Positionen hineinblicken, die sie eigentlich gar nicht zu melden bräuchte. Und genau diese Positionen werfen plötzlich noch mal ein ganz neues Licht auf die ganze Übernahmeschlacht. Das eigentlich Relevante scheint für den Moment gar nicht zu sein, wie nah die Unicredit an den 50% ist – sondern dass sie ihr Spiel offenbar so eiskalt durchdekliniert hat, dass sie am Ende fast nur gewinnen kann, egal wie’s ausgeht.
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