Live-Blog

Commerzbank schlägt im Q2 Erwartungen – und will „gemeinsames Vorgehen“

Die Commerzbank hat mit der Vorlage der Zahlen zum zweiten Quartal die Erwartungen der Analysten leicht geschlagen: Unter dem Strich verdiente die Commerzbank im abgelaufenen Quartal einen Nettogewinn von 898 Mio. Euro – das waren nicht nur 94% mehr als im (allerdings von Restrukturierungen geprägten) Vorjahresquartal, sondern auch 6% mehr als der Analystenkonsens vorhergesehen hatte. Die Gewinnüberraschung fußt allerdings in erster Linie auf deutlich höher als erwartet ausgefallenen „Sonstigen Erträgen“; hier fielen nach Angaben der Commerzbank allerdings lediglich Einmaleffekte an, darunter Realisierungsgewinne und ein Einmalertrag aus Absicherungsgeschäften.

In den übrigen zentralen Ergebnisbereichen wie dem (zuletzt stagnierenden) Zinsüberschuss, dem Provisionsüberschuss und insbesondere den Kosten und der Risikovorsorge landete die Commerzbank mit nur minimalen Abweichungen beim Analystenkonsens. Lediglich das Teilergebnis der Firmenkundensparte lag mit 490 Mio. Euro aufgrund einer deutlich gestiegenen Risikovorsorge merklich unter dem Konsens von 536 Mio. Euro; dieser Effekt wurde aber durch etwas besser als erwartet ausgefallene Ergebnisse der Privatkundensparte mehr als ausgeglichen.

Im Fokus von Analysten und Investoren standen indes weniger die Zahlen – sondern mögliche neue Aussagen zum laufenden Übernahmekampf mit der Unicredit. Diesbezüglich blieb die Commerzbank in ihrer Präsentation grundsätzlich bei ihrer Linie, sie sei „offen für konstruktive Diskussionen mit der Unicredit“ – und wiederholte die bereits in den vergangenen Wochen häufig aufgebrachte Vermutung, die vergleichsweise hohe Annahmequote des freiwilligen Übernahmeangebots fuße nach Informationen der Commerzbank vor allem auf geliehenen Aktien und nicht auf der klassischen Andienung institutioneller Investoren.

Allerdings hat sich die Commerzbank offenbar angesichts der Mehrheitsverhältnisse – die Unicredit steht inzwischen unmittelbar vor der Kontrollübernahme bei knapp 50% an der Commerzbank – nun damit abgefunden, mit dem Großaktionär kooperieren zu müssen. Erstmals nennt die Commerzbank in der Präsentation ein gemeinsames Vorgehen („joint approach“) als mögliche Quelle für die Schaffung von Wert. Ein konstruktives Vorgehen könnte beispielsweise eine gemeinsam entwickelte Strategie auf Basis der bisherigen Geschäftsmodelle sein, erklärt die Commerzbank auf einer Folie in ihrer Präsentation. Damit hätten sich die Machtverhältnisse binnen kurzer Zeit umgedreht: Bislang ließ die Commerzbank die Unicredit mehrfach bei deren Gesprächsversuchen abblitzen – nunmehr sucht die Commerzbank offenbar den konstruktiven Austausch mit der Unicredit, die zuletzt keinen Zweifel daran ließ, schnellstmöglich durchregieren zu wollen.

Dass sich die Commerzbank tendenziell eher in einem Rückzugsgefecht befindet, macht auch eine Folie klar, mit der die Commerzbank nochmals auf die nötigen Mehrheiten verweist: Mit mehr als 50% an der Commerzbank (die Unicredit steht nach deren eigenen Angaben knapp unter dieser Marke) habe man zwar die „De-facto-Kontrolle der Hauptversammlung“. Als qualifizierte Mehrheit gelte allerdings die Marke von 75%. Diese sei für einen Beherrschungsvertrag nötig und um Änderungen in der Unternehmensstruktur durchzusetzen und auch Synergien zu heben. Die Commerzbank will also nahelegen, dass die Unicredit vermutlich noch mehr Aktien benötigt, als sie bisher schon hält. Die Unicredit hatte in ihrer eigenen Quartalspräsentation noch erklärt, man sei „genau da, wo man sein wolle“ und habe ein erhöhtes Angebot ausgeschlossen (siehe: Die Unicredit will bei der Commerzbank durchregieren – und das ganz schnell).

Ihren Ausblick für 2026 (und die Jahre bis 2030, also das Zieljahr der Momentum-Strategie mit dann 21% Eigenkapitalrendite) behielt die Bank bei. Ein weiterer Aktienrückkauf über 1,2 Mrd. Euro sei bereits durch die EZB genehmigt worden, so die Commerzbank.

Die Zahlen in der Übersicht:

in Mio. Euroist Q2 2026vs. Vorjahrvs. Vorquartalvs. Erwartung
Erträge gesamt3.299+ 9%+ 2%+ 2%
davon Zins-Überschuss2.0590+ 1%– 1%
davon Provisions-Überschuss1.076+ 7%– 2%0
davon Bewertungs-Ergebnis54+ 64%– 17%
davon sonstiges Ergebnis110+ 206%+ 358%
Risikoergebnis-202– 15%+ 42%– 2%
Kosten1.673+ 4%+ 5%– 3%
Pflichtabgaben57– 2%– 54%– 2%
Restrukturierungsaufwendungen0
Gewinn vor Steuern1367+ 17%+ 1%+ 4%
Steuern388+ 159%+ 4%– 1%
Minderheiten81+ 27%+ 14%
Nettogewinn898+ 94%– 2%+ 6%
Segmente (operativer Gewinn)
Privat- und Geschäftskunden803+ 44%+ 2%+ 9%
davon PSBC Deutschland438+ 70%– 4%+ 11%
davon mBank365+ 22%+ 19%+ 7%
Firmenkunden490– 1%– 14%– 9%
Sonstige Kennziffern
Cost-Income-Ratio52%-3 Ppt.-1 Ppt.– 1 Ppt.
Kernkapital-Quote CET114,4%-0,2 Ppt.– 0,1 Ppt.
Eigenkapital-Rendite12,5%+ 6,7 Ppt.-0,2 Ppt.+ 1,6 Ppt.

 

Rechtehinweis

Die Artikel von Finanz-Szene sind urheberrechtlich geschützt und nur für den jeweiligen Premium-Abonnenten persönlich bestimmt. Die Weitergabe – auch an Kollegen – ist nicht gestattet. Wie Sie Inhalte rechtssicher teilen können (z.B. via Pressespiegel), erfahren Sie hier.

Danke für Ihr Verständnis. Durch Ihr Abonnement sichern Sie ein Stück Journalismus!

To top