Analyse

Der Finanzplatz und das Renminbi-Clearing – vom Scheitern einer großen Idee

Dass der dickste Player am Finanzplatz zu dünn aufgetragen hätte, das lässt sich nun wirklich nicht behaupten. „Deutsche Bank erste Renminbi Clearingbank in Europa“, war die Pressemitteilung überschrieben, die am Montag, 15.57 Uhr, im elektronischen Posteingang unserer und mutmaßlich auch anderer Redaktionen landete. Indes, trotz ihrer bullishen – und, wie in unserem gestrigen Newsletter erwähnt, nicht ganz korrekten – Überschrift verfing die Aussendung bei den großen Medien am Finanzplatz nicht wirklich. In der FAZ von Dienstagfrüh? Kein Wort zum vermeintlichen Coup der Deutschen Bank. Im Handelsblatt? Auch nicht. Und in der Börsen-Zeitung? Nein, nicht mal in der.

Nun muss man der Vollständigkeit halber erwähnen, dass im digitalen Zeitalter eine um kurz vor 16 Uhr verschickte Pressemitteilung natürlicherweise in Konflikt gerät mit dem Redaktionsschluss der Druckausgabe für den nächsten Morgen (und mit dem Feierabend der diensthabenden Redakteure). Aber erstens gibt es ja nicht zuletzt für solche Fälle die sogenannte Online-Ausgabe. Und zweitens: Nein, es dürfte nicht nur an formalen Gründen gelegen haben, dass die scheinbare Krachermeldung komplett versandete. Sondern: Während Finanzplatz-Menschen jüngeren Datums (sagen wir: alle nach 1990 geborenen) mit der Schlagwort-Kombination „Renminbi + Clearing“ ohnehin eher wenig anzufangen wissen, ist der Impuls bei den Älteren eher folgender: Renminbi? Clearing? Frankfurt? War doch alles schon mal da! Und wird doch eh nichts!

Das wiederum liegt daran, dass es tatsächlich mal eine Zeit gab (an die sich die Jüngeren kaum erinnern werden, es ist ja schon gut zehn Jahre her …), in der „Renminbi + Clearing“ so etwas wie das Buzzword-Bouquet schlechthin am Finanzplatz Frankfurt war. Die Bundesbank, das hessische Wirtschaftsministerium, die Geschäftsbanken, sie alle konnten kaum genug kriegen von dem Thema, es hagelte Symposien und Festreden, groß war der Jubel, als die Main-Metropole nach einem von der chinesischen Zentralbank schließlich ausgedehnten Schaulaufen zum offiziellen und ersten „Renminbi-Clearing-Hub Europas“ erkoren wurde. Und, in der Tat, anders als in der Mitteilung am Montag behauptet, wurde schon damals einer Frankfurter Bank der „Renminbi Clearing Bank“-Status verliehen. Doch dann … Äh, ja, was ist dann eigentlich passiert?

Vom Scheitern großer Pläne:

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