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11/08/22: KfW kaschiert Monstergewinn, Braucht die Aareal nicht vorzusorgen?

Was müsste eigentlich passieren, damit unsere Immobilienfinanzierer mal richtig Risikovorsorge bilden? “Unsere Erträge steigen schneller als unsere Kosten”, hat Aareal-Chef Jochen Klösges gestern aus Anlass der vorgelegten Q2-Zahlen (Mitteilung hier) gesagt. Das spricht zweifelsohne für die Erträge (Zinsüberschuss um 20% rauf, Provisionsüberschuss um 15% rauf) – aber es spricht nicht unbedingt auch für die Kosten. Denn die Verwaltungsaufwendungen sind, was man auch erst mal schaffen muss, selbst bereinigt um die Einmalkosten für den Advent/Centerbridge-Deal im zweiten Quartal um 10% auf 130 Mio. Euro gestiegen …

… Nun muss natürlich keine Abbitte leisten, wer das Vorsteuerergebnis um 50% auf nunmehr 61 Mio. Euro steigert. Gleichwohl findet sich neben den wuchernden Kosten noch eine zweite Auffälligkeit in den Dreimonats-Zahlen. Beziehungsweise: Sie findet sich eben gerade nicht! Von drastisch gestiegenen Risikokosten ist in dem Zahlenwerk, anders als man das gegenwärtig bei einem gewerblichen Immofinanzierer vielleicht erwarten würde, nämlich nichts zu lesen. Gerade mal 58 Mio. Euro hat die Aareal im Q2 beiseite gelegt; zieht man davon noch die 23 Mio. Euro fürs Russland-Geschäft ab, sind’s 35 Mio. Euro gemessen an einem gut 31 Mrd. Euro schweren Portfolio. Dazu passt, dass die Deutsche Pfandbriefbank, wie diese Woche verlautete, im Frühjahrsquartal auch nur 1 Mio. Euro zusätzliche Risikovorsorge gebildet hat. Beneidenswert!

Die KfW macht derart viel Gewinn, dass es ihr fast unangenehm zu sein scheint: Würden andere hiesige Banken binnen drei Monaten fast 1 Mrd. Euro verdienen, bekäme die entsprechende Pressemitteilung vermutlich einen goldbestickten Rahmen. Die KfW hingegen – hat die zwischen April und Juni erwirtschafteten (oder sagen wir besser: verbuchten) 889 Mio. Euro in ihrem gestrigen Statement gar nicht erst erwähnt, sondern den rekordverdächtigen Q2-Gewinn lieber mit ihrem extrem mageren Q1-Ergebnis (nur 60 Mio. Euro wegen hoher Risikovorsorge infolge des Kriegs in der Ukraine) vermengt. Dadurch kam das Ganze dann als zwar passables, aber vor allem unauffälliges Halbjahresergebnis daher …

… Bleibt zu fragen, wie die 889 Mio. Euro zustande kommen. Also, die zuletzt massive Geschäftsausweitung (darunter im ersten Halbjahr “Kredite von mehr als 30 Mrd. Euro zur Sicherung der Energieversorgung”) hilft zumindest mal dem Provisionsüberschuss. Der nämlich stieg auf Dreimonats-Sicht “maßgeblich […] im Zusammenhang mit Auftragsgeschäften des Bundes” um 18% auf 183 Mio. Euro. Das Zinsergebnis (616 Mio. Euro) stabilisierte sich derweil auf dem Niveau des Vorquartals – während der Verwaltungsaufwand mit 352 Mio. Euro konstant blieb. Vor allem aber: Wie die KfW auf Nachfrage präzisierte, konnte die im Q1 im Zusammenhang mit dem Russland-Ukraine-Exposure gebildete Risikovorsorge im Q2 “in großen Teilen” (!) bereits wieder aufgelöst werden. Da wird vermutlich sogar Herr Klösges blass vor Neid.

News

Die ING Diba integriert die 2018 übernommene, bislang rechtlich eigenständige KMU-Finanzierungs-Tochter Lendico in ihr Geschäftsfeld “Business Banking” … +++ … Lendico bietet digitale Kredite für Unternehmen mit bis zu 50 Mio. Euro Umsatz und beschäftigt in Berlin rund 150 Mitarbeiter (Finance Fwd) +++ Das vom früheren Solarisbank-Manager Peter Großkopf gegründete “Decentralized Finance”-Startup Unstoppable Finance hat von VC-Investoren weitere 12,5 Mio. Euro erhalten … +++ … Die Berliner werkeln an einer Wallet, mit der Nutzer verschiedenste Krypto-Assets selbst verwalten können sollen; angeblich haben sich schon rund 300.000 Nutzer für die App angemeldet +++ Der Verband der Pfandbriefbanken hat zwar gestern berechtigterweise darauf hingewiesen, dass der von ihm selbst ermittelte “vdp-Immobilienpreisindex” per Ende Juni mit 194,8 Punkten (Basisjahr 2010 = 100 Punkte) ein neues Rekordhoch markiert hat … +++ … Zum Gesamtbild gehört allerdings auch, dass die Dynamik nachlässt – und der Preisauftrieb vor allem aus dem Wohnimmobilienmarkt (+10,1%) kam. Dagegen verloren Einzelhandelsimmobilien im Schnitt um 3,5% an Wert. Oha, Ihr Hypothekenbanken (Mitteilung)

Finanz-Szene geht ab Oktober hinter die Paywall ...

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