Exklusiv

31,4 Mio. Euro: Das Gehalts-Bonanza des DWS-Vorstands

24. März 2020

Von Christian Kirchner

Der Topverdiener unter den Topmanagern im Deutsche-Bank-Konzern ist nicht etwa Vorstandschef Christian Sewing – sondern Asoka Wöhrmann, Chef der Tochter DWS. Wie Finanz-Szene.de im 2019-er Geschäftsbericht des Fondsdienstleister entdeckt hat, summierte sich Wöhrmanns Gesamtvergütung gemäß Definition des Deutsche-Corporate-Governance-Kodex (DCGK) auf 6,6 Mio. Euro. Hinzu kam 2019 sogar noch eine einmalige Vergütung im Rahmen eines (langfristigen) „DWS Equity Plans“ in Höhe von 1 Mio. Euro. Doch selbst ohne diesen Zuschlag hätte Wöhrmann ein Stück vor Sewing gelesen. Der kam laut dem ebenfalls am vergangenen Freitag veröffentlichten Deutsche-Bank-Geschäftsberichts auf 6,0 Mio. Euro.

Die Saläre Wöhrmanns und weiterer DWS-Vorstände stehen in bemerkenswertem Gegensatz zu den vor einem Jahr angekündigten Einschnitten gerade bei den Führungskräften. Damals hatte Wöhrmann in einem Interview mit dem „Handelsblatt“ im Zusammenhang mit geplanten Sparmaßnahmen gesagt, „die Treppe“ werde „von oben gefegt“ . Davon allerdings ist bei den Personalkosten weit und breit nichts zu sehen:

  • Schon laut den im Februar veröffentlichten Jahreszahlen stiegen die Personalkosten der DWS insgesamt um 11% zum Vorjahr und fraßen so den Rückgang der Sachkosten zum größten Teil auf.
  • Der Anstieg der Vergütung des Vorstands fiel indes nochmals deutlich höher aus – um wie viel höher, hängt davon ab, wie man rechnet …
  • … Rein auf Basis des DCGK verdiente das Führungsgremium 2019 17,4 Mio. Euro, ein Plus von 42%
  • Zieht man noch die Vergütungen hinzu, die einige Topmanager im Rahmen von Jobs bei DWS-Tochtergesellschaften 2018 und auch 2019 erhielten, betrug das Plus 38%.
  • Hinzu kommt nun allerdings noch besagte Einmal-Vergütung in Höhe von 1 Mio. Euro, die nicht nur Wöhrmann, sondern sämtlichen Geschäftsführern zugute kam. Lässt man diese Sonderzahlung auch noch in die Rechnung einfließen, so summierten sich das Gesamtsalär sämtlicher DWS-Vorstände auf 31,4 Mio. Euro oder rund 85% Plus – eine Berechnung, die die DWS indes bestreitet.

Nun wird der Anstieg auf diesen Wert tatsächlich durch zwei Dinge etwas relativiert: Während seiner Zeit als DWS-Chef bezog Nicolaus Moreau noch ein Gehalt auch von der Deutschen Bank (2,4 Mio. Euro), welches nicht in der DCGK-Berechnung 2018 auftaucht. Und die Vergütungen für das Jahr 2018 im Sinne der DWS-Rechnung „beginnen“ rechnerisch erst zum 1. März. Die DWS nennt daher die Berechnung „formal korrekt“, und bei den 38 % handele es sich „um den richtigeren Vergleichswert, wenn Sie die gesamten Einkünfte der Mitglieder der DWS-Geschäftsführung für Ihre Tätigkeiten für die DWS Group vergleichen wollen“. Aus den beiden Gründen – Berechnungsstart am 1. März und Moreaus Extra-Bezug – „überzeichnen die 38 % einen tatsächlich vergleichbaren Wert natürlich deutlich“.

Hierzu sei angemerkt: Selbst wenn man für die Monate Januar und Februar 2018 die proportional gleiche Vergütung unterstellt und den Aktienplan außen vor ließe, betrüge das Vergütungsplus 15%. Und: 2018 standen aufgrund zahlreicher Personalwechsel 11 verschiedene Vorstände auf der Gehaltsliste, 2019 nur 8.

Zu der zusätzlichen einmaligen Vergütung von 1 Mio. Euro pro Kopf im Top-Management in Form des „Equity Plans“ erklärt die DWS: „Die Beträge aus dem Equity Plan sind nicht Bestandteil der Vergütung für Leistungen des Jahres 2019, sondern sachgemäß aufgrund des Börsengangs dem Jahr 2018 zuzuordnen.“ Es handele sich zudem um ein Programm mit langfristiger Anreizwirkung, „etwaige Auszahlungen daraus „würden erst in kommenden Jahren erfolgen.“

Finanz-Szene.de hält indes diese Aktienvergütung durchaus für relevant für das Jahr 2019, da die Formulierung im Vergütungsbericht 2019 unzweideutig wie folgt lautet: „Im Januar 2019 wurde allen Mitgliedern der Geschäftsführung im Zusammenhang mit dem Börsengang eine einmalige Vergütung im Rahmen des DWS Equity Plan in Höhe von 1.000.000 € gewährt.“

Hier die Übersicht der Vergütungen lt. Vergütungsbericht:

Basis / in Euro 2018 * 2019 Veränderung
DCGK-Festsetzung 12.179.624 17.355.251 42%
DCGK Festsetzung + weitere Bezüge bei Töchtern 17.022.833 23.415.246 38%
DCGK, weitere Bezüge bei Töchtern + Equity Plan 17.022.833 31.415.246 85%

Quelle: Geschäftsberichte 2018 und 2019; 2018: Nur März bis Dezember (Wechsel der Rechtsform; Börsengang), 2018: exklusive 2,4 Mio. Euro separate DB-Vergütung für Nicolas Moreau 

Eine Frage, die sich unterdessen auch stellt: Wird die Treppe nur nicht „von oben“ gefegt – oder wird sie überhaupt nicht gefegt? Denn:

  • Unter „Tagesordnungspunkt 9“ wurde schon auf der DWS-Hauptversammlung im vergangenen Juni über die „Heraufsetzung der Höchstgrenze für die variable Vergütungskomponente“ abgestimmt. Das Ziel: Weitere 92 Mitarbeiter sollten mehr als die maximal laut Instituts-Vergütungs-Verordnung zulässigen 100% der fixen Vergütung als Boni bekommen dürfen. Begründet wurde dies damit, „die Wettbewerbsfähigkeit der DWS nachhaltig zu gewährleisten“. Der Antrag wurde mit 99% angenommen.
  • Und, schon aus Seite 112 der Pre-IPO-Präsentation aus dem Januar 2018 ging hervor: Einer der Gründe für den DWS-Börsengang im März desselben Jahres bestand darin, das lästige Korsett der Vergütungsregeln loszuwerden, denen die Deutsche Bank (also die Mutter) als Kreditinstitut unterliegt.

Finanz-Szene.de bat die DWS neben einer sachlichen Würdigung (siehe oben) noch um eine Kommentierung. Dazu teilte ein Sprecher der DWS mit: „Wie auch bei anderen börsennotierten Unternehmen ist die Vergütung der Mitglieder der Geschäftsführung der DWS sehr erfolgsbezogen. Dies steht zudem im Einklang mit der leistungsbezogenen Kultur der DWS, in der ein Großteil der Mitarbeiter einen erheblichen erfolgsabhängigen Vergütungsanteil erhält. (….) 2019 war für die DWS ein starkes Jahr, in dem man „alle Ziele erreicht habe“, unter anderem „Nettomittelzuflüsse in Höhe von EUR 26,1 Milliarden nach Abflüssen von minus EUR 22,3 Milliarden im Geschäftsjahr 2018“, ferner eine „bereinigte Aufwand-Ertrags-Relation (CIR) von 67,6 Prozent nach 72,3 Prozent im Vorjahr“sowie ein „ein um 31 Prozent gesteigertes Konzernergebnis in Höhe von EUR 512 Millionen aus nach EUR 391 Millionen im Geschäftsjahr 2018.“

Tatsächlich honorierte auch die Börse diese Entwicklungen, im Jahresverlauf 2019 zog die DWS-Aktie (Emissionspreis März 2018: 32,50 Euro) von 24 auf zum Jahresende 32 Euro an und kletterte im Hoch auf 39,75 Euro. Von diesem Niveau hat sie sich indes im Zuge der Corona-Panik ebenfalls wieder halbiert auf 19,35 Euro per gestern.

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