Analyse

38% weniger Gewinn: Wie die Zinswende die GuV der DZ Bank umkrempelt

Wer (Gaffer vor!) besichtigen möchte, was die Zinswende mit der deutschen Finanzbranche macht – dem liefern die gestern vorgelegten H1-Zahlen der DZ Bank hervorragenden Anschauungsunterricht. Klar: Der gruppenweite Zinsüberschuss steigt, und zwar um 7% auf nunmehr 1,475 Mrd. Euro. Und dass bei stark steigenden Zinsen das Bauspargeschäft der Tochter Schwäbisch Hall mit einem auf 168 Mio. Euro mehr als verdreifachten Gewinnbeitrag auch wieder Spaß macht, liegt auf der Hand – weil man die für Niedrigzinsen gebildeten Rückstellungen auflösen kann und den zinsängstlichen Kunden beim Neugeschäft (plus 10% auf 16,1 Mrd. Euro) wieder der gute alte Bausparvertrag in den Sinn kommt.

Diesen messbaren positiven Effekten in der Größenordnung von rund 200 Mio. Euro steht allerdings konzernweit gleich ein ganzer Strauß negativer Effekte gegenüber:

  • Bei der Versicherungstochter R+V verwandelte sich der letztjährige Gewinnbeitrag von 482 Mio. Euro in einen Verlust von 30 Mio. Euro. Nun liegt das zwar vor allem daran, dass sich die Last steigender Zinsen (weil gehaltene Anleihen an Wert verlieren) sofort in der Bilanz niederschlägt, während die positiven Effekte der Zinswende (Garantieversprechen und Leistungen sind leichter zu finanzieren) aufgrund von IFRS-Regeln erst im nächsten Jahr wirkungsmächtig werden. Aber Verlust ist nun mal Verlust.
  • Eine Folge dieses Verlusts: Die harte Kernkapitalquote der DZ-Bank-Gruppe ist von 15,3% (per ultimo 2021) um volle zwei Prozentpunkte auf 13,3% gesunken, ein Phänomen, das man so ähnlich ja bereits bei der IKB beobachten konnte (siehe hier). Für die DZ Bank verkraftbar und ein temporäres Phänomen – aber für andere Banken?
  • Und dann sank bei der Fondstochter Union Investment – die im Vorjahr fast die Hälfte des DZ-Bank-Gewinns beisteuerte – der Gewinnbeitrag um 55% auf 371 Mio. Euro, natürlich nicht monokausal wegen der Zinswende. Doch die Kombination aus hoher Inflation und steigenden Zinsen dürfte substantiell dazu beigetragen haben, dass die Summe des Assets, das Neugeschäft und auch die erfolgsabhängigen Gebühren deutlich gesunken sind.

Und somit lässt sich der allergrößte Teil des Gewinnrückgangs bei der DZ Bank (im H1 2021 waren es 1.829 Mio. Euro vor Steuern gewesen, jetzt sind es nur noch 1.141 Mio. Euro) direkt oder indirekt der Zinswende zuschreiben.

All diese Dinge außen vor gelassen, war es natürlich dennoch ein starkes Halbjahr für das genossenschaftliche Zentralinstitut: Die Risikovorsorge bewegte sich mit zusätzlichen 60 Mio. Euro auf extrem niedrigen Niveau, für das Gesamtjahr kündigten die Co-Chefs Cornelius Riese und Uwe Fröhlich an, zumindest das untere Ende der Ergebnisspanne von 1,5 Mrd. bis 2,0 Mrd. Euro zu erreichen. Das ist zwar weniger, als man noch im Frühjahr zu erreichen glaubte (da war vom oberen Ende der Spanne die Rede) – aber immer noch mehr, als in früheren Jahren drin war. Und: Ähnlich wie bei der LBBW kontrastiert auch bei der DZ Bank die operative Verfassung im Moment noch die alarmistischen skeptischen Töne aus der hauseigenen volkswirtschaftlichen Abteilung.

Und sonst? Hält das Ergebnis ein paar weitere spannende Details parat:

  • Die DZ Hyp, die man konzernintern „vor einigen Jahren noch wahlweise in der Binnen- oder Außenalster versenkt hätte“, wie uns DZ-Bank-Co-Chef Cornelius Riese im vergangenen Jahr im Podcast verriet, festigt mit 17% Gewinnplus zum Vorjahreshalbjahr ihre Position als drittwichtigste Säule hinter der R+V und Union Investment, …
  • … freilich auf Augenhöhe mit dem Verbundgeschäft (Gewinn plus 72% auf 369 Mio. Euro)
  • Die Konsumentenkredit-Tochter Teambank musste wegen steigender Risikovorsorge zwar einen Gewinnrückgang um ein Fünftel hinnehmen – allerdings stiegen das Neugeschäft (plus 0,3 Mrd. Euro auf 1,8 Mrd. Euro), das Kreditvolumen (plus 0,3 Mrd. Euro auf 9,5 Mrd. Euro) und die die Kundenzahl (plus 19.000 auf 1,03 Mio. Kunden)
  • Selbst die Problemtochter DVB Bank liefert, und zwar vor allem aufgrund von Bewertungseffekten und aufgelöster Risikovorsorge: 131 Mio. Euro Gewinn. Weil nun zudem das Rest-Portfolio von 1,6 auf 0,9 Mrd. Euro schrumpfte, können die Reste des einstigen Verkehrsfinanzierers in die Verbund- und Geschäftsbank eingegliedert werden.31

Die Gewinn- und Verlustrechnung in der Übersicht:

in Mio. Euro H1 2021 H1 2022 Veränderung in
%
Zinsüberschuss 1.384 1.475 + 7 %
Provisions-Überschuss 1.596 1.364 – 15%
Handelsergebnis 6 359 > 100%
Ergebnis aus Finanzanlagen 37 -53 > 100%
sonst. Bewertungsergebnis 240 116 – 52%
Versicherungs-Ergebnis 522 25 – 95%
Risikovorsorge 114 -60 > 100%
Verwaltungs-Aufwendungen -2.142 -2.242 + 5%
Sonstiges betriebliches Ergebnis 73 156 > 100%
Konzernergebnis vor Steuern 1.829 1.141 – 38%
Ertragsteuern -522 -360 – 31%
Konzernergebnis 1.307 781 – 40%
Aufwand-Ertrags-Relation (in %) 55,5 65,1 + 9,6pp

Die Segment-Ergebnisse in der Übersicht:

in Mio. Euro  H1 2021 H1 2022 Delta
Schwäbisch Hall 54 168 >100%
R+V 482 -30 >100%
TeamBank 84 68 – 19%
Union Investment 825 371 – 55%
Verbundgeschäft 215 369 + 72%
DZ Hyp 287 335 + 17%
DZ Privatbank 19 19 0
VR Smart Finanz 0 3 >100,0
DVB 70 131 +87%
Holding-Funktionen -139 -143 -3%
Sonstige / Konsolidierung -68 -150 >100%
Konzernergebnis vor Steuern 1.829 1.141 – 38%

 

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