436 Mio. € Belastung: Coba zieht Schlussstrich unter mBank-Fiasko

23. Januar 2022

Von Christian Kirchner

Die Commerzbank muss für die Fremdwährungskredite ihrer polnischen Tochter mBank noch einmal 436 Mio. Euro zusätzliche Risikovorsorge bilden. Das gab das Institut am Freitagabend nach Börsenschluss bekannt. Entsprechend wird auch das 2021-Ergebnis belastet. Unter dem Strich kündigte die Coba dennoch ein “positives Konzernergebnis” für das Gesamtjahr an. Diese Prognose hatte die Bank zwar schon zuvor ausgegeben, allerdings stets mit der Annahme verknüpft, “dass es keine substanzielle Veränderung in Bezug auf das Kreditportfolio der mBank in Schweizer Franken gibt”.

Dass Vorstandschef Manfred Knof die Risikovorsorge noch in vierte Quartal des Vorjahres packt, darf als Signal verstanden werden, dass die Commerzbank Mitte Februar – abgesehen von dieser Belastung – starke Quartalszahlen präsentieren dürfte. Zudem geht es dem Management offenkundig darum, einen Schlussstrich unter das Kapitel zu ziehen. Noch im November hatten die Analysten von Standard & Poor’s das Thema “Franken-Kredite” als signifikantes Risiko für Ergebnis und Kapitalisierung der Commerzbank identifiziert. Ein weiterer sicherlich gewünschter Effekt: Die Coba geht bilanziell betrachtet unbelastet ins neue Geschäftsjahr. Vor zwölf Monaten hatte Knof dieses sogenannte “Kitchen sinking” schon einmal betrieben (siehe unseren damaligen Winterpausen-Rückblick -> Die Signale des Herrn Knof. Und was im Banking noch so los war).

Mit der an sich seit längerem von Analysten erwarteten, aber in dieser enormen Höhe doch überraschenden Rückstellung summiert sich die Vorsorge für die Franken-Kredite der mBank auf nunmehr rund 900 Mio. Euro. Bereits 2019 hatte die Commerzbank für das Thema 79 Mio. Euro aufgewendet, ein Jahr später dann weitere 229 Mio. Euro und in den ersten drei Quartalen des vergangenen Jahres dann nochmals 164 Mio. Euro.

Diese Salami-Taktik fußt auf dem Umstand, dass eine endgültige gerichtliche Klärung der Franken-Causa seit Jahren auf sich warten lässt. Hintergrund: Die mBank hatte – wie andere polnische Großbanken auch – in den frühen Nullerjahren in großem Stil Immobiliendarlehen in Schweizer Franken ausgereicht. Die Darlehen wiesen damals deutlich niedrigere Zinssätze aufwiesen als Baufinanzierungen in polnischen Zloty. Als jedoch der Schweizer Franken als Fluchtwährung in der Finanzkrise massiv an Wert gewann, explodierten die fälligen Zins- und Tilgungszahlungen. Viele Kunden focvhten daraufhin die Kreditverträge an.

Was bei der Polen-Tochter der Commerzbank wirklich los ist

Wie die mBank für die Commerzbank zur unendlichen Geschichte wurde

Weil die mBank aber eine pauschale Lösung im Umgang mit ihren Kunden stets ablehnte, stieg auch die Zahl der individuellen Kreditnehmer, die die mBank verklagten. Alleine in den ersten drei Quartalen des vergangenen Jahres zogen rund 4.800 Kreditnehmer vor Gericht. Insgesamt sah sich die mBank per Ende September 11.700 Klagen ausgesetzt – und noch immer sind Franken-Kredite in Höhe von umgerechnet rund 2,5 Mrd. Euro ausstehend.

Darüber sieht sich das polnische Kreditwirtschaft immer wieder dem Druck der heimischen Regulierer ausgesetzt. Auf steigende Gewinne reagierte die Warschauer Finanzaufsicht in den vergangenen Jahren verlässlich mit steigenden Bankenabgaben (siehe unsere große Analyse hier). Vor diesem Hintergrund hatte die Commerzbank die mBank, an dem ihr rund 70% gehören, im September 2019 – noch unter dem damaligen Vorstandschef Martin Zielke – entnervt zum Verkauf gestellt. Mangels Interesses potenzieller Käufer wurde dieses Vorhaben allerdings einige Monate später wieder abgeblasen.

Diese Kehrtwende entpuppte sich trotz des Franken-Desasters gewissermaßen als Glücksfall: Weil sich Polen bereits inmitten eines kräftigen Zinserhöhungszyklus befindet, steigen auch die Zinsüberschüsse der dortigen Kreditwirtschaft wieder deutlich an. Seit dem Tief Ende 2020 hat sich die mBank-Aktie vervierfacht, die Commerzbank-Anteil ist inzwischen 2,9 Mrd. Euro wert, die gesamte Coba inklusive mBank-Anteil immerhin wieder 9 Mrd. Euro.

Im nachbörslichen Handel am Freitag stiegen die Tagesverluste der Commerzbank-Aktie auf minus 2,8% an.

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