„So altern unsere Banken“-Serie (#2)

45% der Commerzbank-Mitarbeiter sind 49 Jahre und älter

21. Oktober 2021

Von Heinz-Roger Dohms*

In unserem Stück „Eine Analyse der Deutschen Bank aus demografischer Perspektive“ hatten wir uns kürzlich mit der Altersstruktur des größten deutschen Geldinstituts auseinandergesetzt. Aufgrund der fast unverschämt hohen Klickzahlen (uns erstaunt immer wieder, was Sie alles interessiert, liebe Leserinnen und Leser …) folgte der Entschluss, das Ganze zu einer kleinen Serie ausbauen. Nicht in dem Sinne, dass wir uns sämtliche hiesigen Geldinstitute angeschaut hätten. Und schon gar nicht alle so intensiv wie die Deutsche Bank (was die Zahlen der meisten auch gar nicht hergeben würden).

Aber: Ein paar Geldhäuser haben wir dann doch näher betrachtet. Da wären die großen Landesbanken (die im dritten Teil unserer Serie folgen) und dann noch die Verbund-Player Deka und DZ Bank (vierter Teil). Und natürlich: die Commerzbank. Mit der wollen wir heute anfangen bzw. unsere Serie fortsetzen. Voilà:

1.) Die Altersstruktur der Commerzbank auf einen Blick

Die Commerzbank veröffentlicht in demographischer Hinsicht zwar deutlich weniger Datenpunkte als die Deutsche Bank – aber wesentlich mehr als die meisten anderen hiesigen Institute. Auffällig: Bei der aus unserer Sicht wichtigsten Zahl, dem Anteil der Mitarbeiter über 49 Jahre, lag das Haus schon 2014 da, wo die Deutsche Bank (global) erst 2020 stand, nämlich bei knapp 30%. Inzwischen ist dieser Anteil auf mehr als 44% angewachsen. Dies liegt offenbar weniger am Nachwuchs, denn der Anteil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unter 30 Jahren hat sich einigermaßen gehalten (von 15,4% auf 12,1%). Anders sieht es im Mittelbau der Alterspyramide aus, bei den Beschäftigten im Alter von 30-49 Jahren: Deren Anteil fiel von insgesamt 54,8% (2014) auf 43,5% (2020).

Alter 2020 2019 2018 2017 2016 2015 2014
<30 12,1% 11,2% 10,7% 10,8% 12,0% 13,9% 15,4%
30-39 14,8% 14,4% 15,1% 15,9% 16,8% 18,8% 18,3%
40-49 28,7% 30,3% 31,8% 33,3% 34,4% 34,8% 36,5%
>49 44,4% 44,2% 42,4% 40,1% 36,8% 32,5% 29,8%
Gesamt 29.601 29.415 30.566 30.876 32.042 34.876 34.443

Quelle: Jährliche GRI-Berichte (Global Reporting Initiative); alle Zahlen für Commerzbank AG (Inland)


2.) Weitere Personal-Kennzahlen zur Commerzbank

Ein paar ausgewählte Personal-Kennzahlen erhellen die Verhältnisse bei der zweitgrößten privaten Bank hierzulande weiter:

2020 2019 2018 2017 2016 2015 2014 2013 2012
Mitarbeiter-Fluktuation 4,6% 5,2% 4,8% 4,6% 3,7% 3,2% 4,8% 4,3% 4,1%
Mitarbeiter-Kündigungen 1,7% 1,9% 1,6% 1,5% 1,2% 1,2% 1,7% 2,0% 1,9%
Anteil der Mitarbeiter mit mehr als 20 Jahren Betriebszugehörigkeit 58% 58% 54% 52% 50% 48,3 % 45,6% k.A.  k.A
Durchschnittliche Betriebszugehörigkeit (in Jahren) 20 21 21 21 20 19 18 k.A  k.A
Zahl der Mitarbeiter ab 60 Jahren 1.225 1.178 1.257 1.045 806 715 481  k.A  k.A
Zahl der Azubis 938 792 691 701 906 1.316 1.729 2.039 2.273
Neueinstellungen 1.640* 560 658 269 165 167 150 105  k.A

Quelle: Jährliche GRI-Berichte (Global Reporting Initiative); alle Zahlen für Commerzbank AG (Inland)
*beinhaltet die Integration der Comdirect


3.) Wie sind die Zahlen zu deuten?

  • Ähnlich wie bei der Deutschen Bank ist der Anteil der Beschäftigten, die von sich aus kündigen, auch bei der Commerzbank extrem gering (zuletzt 1,7 von 100). Ein Zyniker könnte einwerfen: Klar, wer geht schon freiwillig, wenn seit Jahren eine Sparrunde auf die nächste folgt? Allerdings heißt das: Wer einmal bei der Commerzbank ist, bleibt auch. Und bei Sparrunden gehen bekanntermaßen meist die, die im Sozialplan noch nicht viele Punkte gesammelt haben – die Jüngeren.
  • Entsprechend lässt sich die Alterung des Hauses gleich an mehreren Stellen ablesen: am Anstieg der durchschnittlichen Betriebszugehörigkeit (von 18 Jahren auf 21 Jahren und zuletzt wieder 20 Jahre) und am Anstieg derer, die bereits mehr als 20 Jahre dabei sind: Deren Anteil stieg binnen weniger Jahre von 45,6% auf stolze 58%.
  • Positiv gedeutet, ist dies ein Indiz für eine hohe Attraktivität als Arbeitgeber und treue Mitarbeiter. Negativ gedeutet, stellt sich die Frage, wo die (neuen) Mitarbeiter herkommen sollen, die sich z.B. mit der Digitalisierung wirklich auskennen und das Haus und seine Dienste zukunftstauglich machen?
  • Die Zahl der Azubis fiel Mitte der 2010er Jahre deutlich unter die 1000er-Marke, hat sich zuletzt allerdings erholt. Wie weit der jüngste Anstieg ein Trend ist, bleibt abzuwarten.
  • Krass ist die teils geringe Zahl der Neueinstellungen: Wie soll ein Haus, das über Jahre gerade mal 100-200 neue Kräfte jährlich einstellte, neue Ideen, gar neuen Schwung entwickeln? Klar, es ist schwer, als Konzern eine Einstellungsoffensive zu starten, während anderswo im Haus gerade überall Jobs abgebaut werden. Am Problem ändert das aber nichts. Zuletzt ging wieder etwas mehr, doch wird der jüngste Anstieg (der 2020 durch die Integration der Comdirect überzeichnet ist) die Commerzbank als Ganzes wieder etwas verjüngen?

Warten wir’s ab.


*Unter Mithilfe weiterer Redaktionsmitglieder 

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