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47% Cost-Income-Ratio: Die unfassbaren Q1-Zahlen der HVB

Die Hypo-Vereinsbank setzt mit ihrem Q1-Ergebnis neue Maßstäbe für Großbanken in Deutschland (siehe auch unser heutiges Stück -> HVB und OLB sind Banken neuen Typs). Wie aus dem Zahlenwerk der italienischen Mutter hervorgeht, erwirtschaftete die Unicredit in ihrem Deutschland-Geschäft von Januar bis März einen Gewinn vor Steuern von 399 Mio. Euro. Das ist das beste Ergebnis seit über zehn Jahren und entspricht einem Zuwachs von 38% zum Vorjahresquartal, wobei sich nahezu alle wesentlichen operativen Kennziffern fast schon spektakulär entwickelt haben: Der Zinsüberschuss legte um 12%, der Provisionsüberschuss um 16% und die Erträge insgesamt um 14% zu.

Dagegen sanken die Kosten insgesamt – vor allem dank Einsparungen bei den Sachaufwendungen – um 7%. Unter dem Strich stand ein Nettogewinn von 278 Mio. Euro (+84% zum Vorjahresquartal), obwohl die Unicredit in ihrem Deutschland-Geschäft bereits sämtliche Pflichtabgaben ins Q1 buchte, darunter allein 241 Mio. Euro für die Bankenabgabe.

Die Ergebnisse sind nicht mehr direkt mit den Zahlen früherer Jahre vergleichbar, da die Unicredit einst die Zahlen für das deutsche Privat- und Firmenkundengeschäft der Hypo-Vereinsbank (Commercial Banking) und das in München angesiedelte Investmentbanking für die Gruppe separat auswies – während diese neuerdings nur noch kumuliert präsentiert werden. Allerdings lag die “natürliche” Cost-Income-Ratio der HVB jahrelang irgendwo zwischen 60% und 70%. Nun jedoch: Ist das Aufwand-Ertrag-Verhältnis von Januar bis März fast sensationell auf 47% gesunken, die Eigenkapitalrendite auf 10,4% gestiegen.

Somit hat die Hypo-Vereinsbank für den Moment bereits jenes Rentabilitäts- und Profitabilitätsniveau erreicht, das ihr die Mutter Anfang Dezember eigentlich erst auf mittlere Sicht verordnet hatte (siehe auch hier und hier). Das damalige Strategieprogramm (=Sparprogamm) schlägt sich in den Q1-Zahlen übrigens schon nieder. So sank die Zahl der Vollzeitstellen um krasse 7% zum Vorjahr.

Im Kern soll die verglichen etwa mit der Commerzbank jetzt schon kostentechnisch schlanke HVB die Aufwendungen von 2022 bis 2024 noch einmal annähernd in dem gleichen Umfang (-14%) senken wie in den zurückliegenden fünf Jahren zusammen (-17%). Die Unicredit formuliert auch ambitionierte Ziele für die Erträge, die um 2% pro Jahr steigen sollen. Das erscheint nun operativ machbar, zumal sich gestern zwei spannende Details zeigten: So stiegen die Erträge im deutschen Firmenkundengeschäft um 4%, die Erträge im Privatkundengeschäft sogar um 21%. Dabei gab es allein im Versicherungsgeschäft einen spektakulären Ertragsschub von 38% – angeblich alles ohne Einmaleffekte.

Sprich: Der Ertragszuwachs kommt offenkundig (nicht) allein aus Investmentbanking, sondern (auch) aus dem Privat- und Firmenkundengeschäft. Und ebenso offenkundig: Die Zinswende tut der Hypo-Vereinsbank so richtig, richtig gut.

Die Zahlen im Detail:

in Mio. Euro Q1/21 Q1/22 absolut vs. Vorjahr relativ vs. Vorjahr
Zins-Überschuss 574 642 68 12%
Provisions-Überschuss 302 351 49 16%
sonstige Erträge 26 35 9 35%
Handelsergebnis 295 336 41 14%
Erträge gesamt 1.197 1.364 167 14%
Personalkosten -362 -352 -10 -3%
Sachkosten -314 -273 -41 -13%
sonstige Kosten bzw. Abschreibungen -23 -22 -1 -4%
Kosten gesamt -699 -647 -52 -7%
Risikovorsorge 46 -64 -110 n.a.
Operativer Gewinn 545 653 108 20%
Pflichtabgaben und sonstige Kosten -656 -760 104 16%
Gewinn vor Steuern 289 399 110 38%
Nettogewinn 151 278 127 84%
Sonstige Kennziffern
Cost-Income-Ratio 58,40% 47,40% – 11,0 Ppt.
Risikokosten in BP des Kreditvolumens -15 20 35 BP
Kundenkredite in Mrd. 121,8 127 5,2 4%
Kundeneinlagen in Mrd. 132,8 144,8 12 9%
risikogewichtete Aktiva in Mrd. 80 82,4 2,4 3%
Vollzeitstellen 11.750 10.930 -820 -7%
Eigenkapital-Rendite (RoAC) 5,80% 10,40% + 4,6 Ppt.

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